Radikaler Abgang

Cherin Sakkal verlässt den Haarer Gemeinderat

Cherin Sakkal verlässt den Haarer Gemeinderat.
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Cherin Sakkal verlässt den Haarer Gemeinderat.

Der Haarer SPD-Gemeinderat Cherin Sakkal hat sich mit einem Paukenschlag aus der Lokalpolitik zurückgezogen. Er sei „müde und ausgelaugt“ und könne „nicht einmal mehr ansatzweise die zur pflichtgemäßen Erfüllung des Amtes erforderliche Motivation und Energie aufbringen“.

Außerdem, so heißt es in seinem mehrseitigen Abschiedsschreiben an Gemeinderat und Medien, mangle es ihm mittlerweile an „Begeisterung für unsere Republik“, nachdem ihm das Finanzamt einen in seinen Augen „weit überhöhten Steuerbescheid“ geschickt habe. „Das dadurch entstandene familiäre Haushaltsloch kann nur durch zukünftige Mehrarbeit wettgemacht werden, sodass ich die notwendige Zeit für die Sitzungen beim besten Willen nicht mehr ohne unzumutbare Vernachlässigung von Beruf und Familie aufbringen kann“, schreibt er in seinem Brief an die Gemeinderatskollegen weiter.

Neben diesem, noch sehr zurückhaltend formulierten Schreiben verschickte Sakkal aber auch noch eine zweite Erklärung, die den Titel „Ein Staatsbürger quittiert den Dienst“ trägt. Darin prangert er die wachsende (Steuer-)Ungerechtigkeit in der Gesellschaft an und kritisiert, dass sich „die finanzielle Steuerlast auf den unteren und mittleren Mittelstand konzentriert“, während Milliarden schwere Großkonzerne „sogar Wege finden, ganz legal keine Steuern mehr zu bezahlen, indem sie ein paar EU-Regelungslücken nutzen und sich europaweit das Finanzamt aussuchen dürfen, welches die besten Konditionen verspricht“. Er habe lange daran geglaubt, in einer „gerechten, lebendigen Demokratie“ zu leben und versucht, sich mit seiner Arbeit als Sportfunktionär und Jugendtrainer als „guter Staatsbürger“ zu erweisen. Leidenschaftlich habe er gegen die Kontrahenten aus dem linken Lager angestritten. Heute wisse er, „dass die ungeduldig Zornenden im Recht waren mit ihrem Pessimismus: dass so, wie die praktische, also alltägliche Macht in den heutigen westlichen Demokratien verteilt ist, über die Jahrzehnte hinweg ein System ermöglichen wird, welches zu ungerechtfertigten, und nicht nur korruptionsbedingten, Vermögensverschiebungen führen wird und die Verstrickungen und Verschleierungen intransparent sind und vom einfachen Fußvolk nicht mehr nachvollzogen werden“. Er selbst habe sich daher „zu einem Radikalen gewandelt“. Der Rechtsanwalt Sakkal war 25 Jahre lang Mitglied des Haarer Gemeinderats und acht Jahre lang, von 2006 bis 2014, SPD-Ortsvorsitzender.

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