Mehr als nur ein bisschen mit den Hüften wackeln

Cheerleading in der Sexismus-Debatte

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Knappe Klamotten, große Stimmung – so ist Cheerleading, wie man es aus Amerika kennt.

Viele Cheerleader müssen sich für ihren Sport rechtfertigen, seit eine Sexismus-Debatte in Berlin ihren Anfang nahm. Cheerleader aus Feldkirchen und Haar können das nicht verstehen.

Landkreis – Deutschland hat eine Kanzlerin und eine Verteidigungsministerin. Trotzdem ist das Thema Gleichberechtigung nach wie vor aktuell – nicht nur, wenn es um eine gerechte Bezahlung geht. Wie schwierig die Diskussion manchmal ist, zeigt auch das Beispiel Cheerleading.

Der achtmalige deutsche Basketballmeister Alba Berlin wollte ein Zeichen setzen. Seit dieser Saison finden die eigenen Heimspiele ohne Cheerleader statt. Die Begründung: „Der Verein ist zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sport­events nicht mehr in unsere Zeit passt“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Ein Statement in Zeiten der #metoo-Debatte. Aber die Frage bleibt offen, wer die Cheerleader sexualisiert: die Zuschauer, die Vereinsführung oder sogar die Cheerleader sich selbst? Und müssen die jungen Frauen (und Männer) geschützt werden?

Eine Sichtweise, die im Münchner Osten auf wenig Gegenliebe stößt. Auch hier gibt es viele, die sich dem Sport verschrieben haben. Und als Sexobjekte, die den Zuschauern einen kurzweiligen Augenschmaus bieten, sehen sie sich nicht. Christine Puzicha, erste Vorsitzende der „Cheer Base Feldkirchen“ hat für die Berliner Entscheidung kein Verständnis. „Natürlich sind die Uniformen ein Riesenthema. Auch bei uns. Wir achten darauf, dass der Körper und die Arme bedeckt sind. Aber die Uniformen der Mädchen sind auch nicht kürzer als die Hosen von Fußballspielern. Sind die Röcke zu lang, funktionieren Hebefiguren und Griffe nicht mehr, weil die Gefahr besteht, dass man sich verheddert“, sagt Puzicha. Sie ist der Meinung, ihr geliebter Traditionssport sollte endlich die Anerkennung finden, die er verdient. Als Kraft- und Leistungssport, bei dem höchste Konzentration und hartes Training gefordert wird.

Beim Cheerleading geht es um viel mehr als um eine reine Zur-Schau-Stellung junger Körper. Sophie, die 16-jährige Tochter von Christine Puzicha, sagt: „Das Cheerleading ist eine Leidenschaft, wie eine Familie. Gehe ich schlechtgelaunt ins Training, komme ich gutgelaunt wieder nach Hause. Alle haben das gleiche Ziel: Gewinnen. Das schweißt zusammen.“

Was aber tun, wenn man als Sportler in eine Schublade gesteckt wird? Auch Julia Krämer hat damit ihre Erfahrungen gemacht. Sie ist Abteilungsleiterin bei den „Flames Allstars“, den Cheerleadern beim TSV Haar. „Bei einer Veranstaltung hat mal jemand gerufen: ‚Ihr zieht euch schon noch aus?‘ Natürlich haben wir mit dem Veranstalter anschließend darüber gesprochen“, erzählt sie. Und wirkt dabei nicht wie jemand, der geschützt werden muss. 

Melanie Schröpfer

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