„Früher, da bist noch einsam gewesen am Gipfel...“

Ausstellung zum Klimawandel in Haar

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Wolfgang Hillner macht sich Sorgen um den Gletscher auf der Zugspitze. 

„KLIMAwandel – KlimaSCHUTZ“ heißt die Wanderausstellung, die der Deutsche Alpenverein zu diesem Thema konzipiert hat. Wolfgang Hillner von der Sektion Haar bringt sie jetzt ins Haarer Rathaus: Vom 6. März bis zum 4. April werden im Foyer die Auswirkungen des Klimawandels in den Bergen gezeigt. Die Ausstellung zeigt auch die Möglichkeiten jedes Einzelnen, aktiv zu werden. HALLO sprach mit Wolfgang Hillner.

HALLO: Deutschland zittert in einer Kältewelle. Sie freuen sich darüber, wenn Schnee kommt und auch liegen bleibt, oder? 

Hillner: Ja, das ist doch herrlich! Früher als Bub hatten wir oft einen Meter Schnee. Jetzt können wir am Heiligen Abend manchmal in den Biergarten gehen. Und wenn es einmal kalt ist, traut sich so mancher mit den Kindern nicht mehr raus. Sie könnten ja krank werden.

Verlieren wir den Zugang zum Wetter und zur Natur? 

Auf manche trifft das zu. Aber wir haben im Alpenverein auch eine Kindergruppe, die ein Iglu baut und darin übernachtet. Da fangen die Kinder dann schon das Nachdenken an, wie aus einer Schneeflocke ein so kompaktes Werk werden kann. Oder ein anderes Beispiel: Als ich in einer Gruppe 1982 mit einem Tourenrad über die Alpen gefahren bin, hat man uns noch für verrückt erklärt. Heute ist das ganz normal.

Ist der Unterschied, dass die Natur heute für Abenteuer genutzt wird, statt sie einfach zu genießen? 

Das ist wohl so. Früher, da bist noch einsam gewesen auf dem Gipfel. Heute gehst du fünf oder sechs Stunden alleine den Berg hoch – und triffst dann oben 600 Menschen, die mit der Gondel hochgefahren sind. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn jemand schlecht beieinander ist oder behindert, dann ist die Bahn natürlich eine gute Sache. Aber sonst muss man sich den Gipfel auch einfach verdienen.

Wie sehen Sie die neue Gondel, die jetzt zur Zugspitze fährt?

Braucht es sie wirklich? Wie tief mussten sie in den Berg bohren, damit sie gebaut werden konnte? Wie viele Tonnen Beton wurden verbaut? Finanziell wird sich die Bahn wohl rentieren, aber es werden eben wieder mehr Menschen, die auf die Zugspitze fahren. Und die meisten von ihnen werden mit ihren Autos kommen. Mir gefällt das nicht. Aber wenn ich Skifahren gehe, brauche ich auch keine beheizte Sitzfläche. Mit mir kann man sogar darüber diskutieren, ob es in einer Hütte auf 3000 Metern wirklich Duschen braucht.

Macht Ihnen der Klimawandel Angst? 

Ja, das tut er schon. Vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich alles verändert. Zum Beispiel beim Gletscher-Rückgang. Wo noch vor 15 oder 20 Jahren acht bis neun Meter Schnee lagen, ist es heute zu zwei Dritteln schneefrei! In so einer kurzen Zeitspanne. Geologen rechnen ja normalerweise in Jahrtausenden! Schauen wir doch nur auf den Gletscher auf der Zugspitze. Im Sommer ist das nur noch ein dreckiger Flecken Schnee. Ich fürchte, das sind Entwicklungen, an denen die Generation von meinem Enkel kräftig zu beißen haben wird. Große Felsstürze sind nur eine Frage der Zeit, wenn der Permafrost immer weiter aus dem Berg geht. Halbe Wände kommen dann runter.

So sehen einige Gletscher durch die Klimaerwärmung mittlerweile aus.

Mit welchem Gefühl sollen die Besucher aus der Ausstellung gehen, die ab dem 6. März im Haarer Rathaus zu sehen sein wird? 

Wir wollen nicht als Lehrmeister auftreten und mit einem erhobenen Zeigefinger daherkommen. Die Leute sollen ein Gefühl dafür bekommen, was sie selbst tun können. Wasser sparen. Mal das Rad nehmen statt das Auto. Besonders freue ich mich auf die Schulklassen, die sich bereits angekündigt haben.

Marco Heinrich

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Die Bösen und der Schweiger - Nach dem Urteil über mögliche Diesel-Fahrverbote

Mein Sohn ist großer Fan von Thomas, der kleinen Lokomotive. Die Rolle des Bösewichts in der Geschichte nimmt ein Zug namens „Diesel 10“ ein. Der zugehörige Film stammt aus dem Jahr 1984 – und ist nach dem gestrigen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aktueller denn je. Auch ich darf mich jetzt jeden Morgen wie ein Schurke fühlen, denn ich fahre mit einem Diesel zur Arbeit.

Diesel-Fahrverboten steht nun also nichts mehr im Weg. Das kann ins Chaos führen, wenn zum Beispiel München sich dazu entscheiden sollte, tatsächlich nur einzelne Straßen im Falle einer zu starken Luftbelastung zu sperren. Hoffentlich wählt die Politik die andere Alternative und gibt den Druck endlich an die Verursacher des Problems weiter.

Die Auto-Industrie hat über Jahre gelogen und betrogen. Jetzt ist sie überführt und fährt trotzdem weiter Milliarden-Gewinne ein. Es ist schon ein Hohn, dass überhaupt darüber diskutiert werden muss, dass sie für die notwendigen Nachrüstungen aufkommen muss – egal, wie billig oder teuer sie ausfallen. Nicht nur in dieser Frage versagte ein Politik-Lautsprecher wie Alexander Dobrindt mit seinem Schweigen.

Marco Heinrich

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