Asiatischer Laubholzbockkäfer in Haar

Kahlschlag nötig?

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) breitet sich im Münchner Osten aus (HALLO berichtete). Zahlreiche befallene Bäume wurden gefällt, um den gefräßigen Exoten zu stoppen. Doch nicht alle sind davon überzeugt, dass dieser „Kahlschlag“ nötig ist.

Seit Februar rüstet die Gemeinde Haar gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer auf, denn extra geschulte Baumkletterer hatten in Ortsteilen Ottendichl und Salmdorf befallene Bäume entdeckt. Gesucht wurde, weil Haar in der Quaratänezone lag, die das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg und die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) um Fundstellen in der Gemeinde Feldkirchen ausgewiesen hatte.

Wie berichtet, müssen in diesem Bereich, der inzwischen auch Teile des Riemer Parks umfasst, potentielle Wirtsbäume wie Ahorn, Pappel, Birke, Weide und Kastanie während der Vegetationsperiode monatlich auf ALB-Befall kontrolliert werden. In Salmdorf fanden die Baumkletterer sogar Ausbohrlöcher, was bedeutet, dass die Käfer sich zu neuen Bäumen auf den Flug gemacht hatten.

Der Haarer Umweltreferent Michael von Ferrari berichtete dem Gemeinderat über die Maßnahmen zur Bekämpfung des ALB. In Ottendichl beispielsweise wurden die Hauptwirtsarten, an denen Befall gefunden wurde, gefällt und fachgerecht beseitigt. Das betraf Rosskastanien und Ahornarten, auch wenn sie (scheinbar) keine Spuren des Käfers aufwiesen. In der Gärtnersiedlung wurden zusätzlich Pappeln, Birken und Weiden entfernt. Insgesamt mussten 60 Bäume weichen. Die Gemeinde Haar hat beim Freistaat Mittel beantragt, um betroffene Bürger zu entlasten. Bis dies genehmigt ist, geht die Gemeinde mit 50.000 Euro in Vorleistung. Auch aus dem EU-Topf will Haar Gelder abschöpfen und hat einen Förderantrag für die Bekämpfungsmaßnahmen gestellt.

„Das schafft der Käfer nicht“

„Sichtbaren Schaden in Feldkirchen gibt es nur wegen der Abholzung. Was wir in vier Wochen kaputt machen, hat der Käfer in Jahren nicht geschafft. Ich habe ein großes persönliches Problem mit dieser Art des Vorgehens“, erklärte Hans Stießberger (CSU) bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Käfer habe wahrscheinlich natürliche Feinde, denn sonst „gäbe es in ganz Asien keine Laubbäume mehr. Warum fragen die Kommunen nicht, ob es anders geht? Ich, weiß, ich kämpfe hier gegen Windmühlen an“, so Stießberger.

Bürgermeister Helmut Dworzak (SPD) betonte, die Aktionen seien international abgestimmt und beruhten auf den neuesten Erkenntnissen zum Asiatischen Laubholzbockkäfer. Umweltreferent Michael von Ferrari verstand Stießberger gut, berichtete aber: „Im Wäldchen bei Salmdorf schauten die Bäume aus, als hätte man sie mit einer MP beschossen. Das Übergreifen des ALB auf die Wälder muss man verhindern.“

Doch Stießberger ließ nicht locker, fragte, warum sich „niemand gegen diesen Unsinn wehrt“ und erklärte, die Staatsregierung habe „den Bund Naturschutz mundtot gemacht“. Helmut Dworzak betonte, die Fachleute beriefen sich auf internationale Erfahrungen, darauf müsse man sich verlassen. Zudem liege die ALB-Bekämpfung nicht im Ermessen der Gemeinde, sondern werde auf höherer Ebene entschieden.

 Gabriele Mühlthaler

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