Haarer Idee sorgt bis Wien für Interesse

Andreas Nemetz zum Magerrasenkonzept des Umweltreferats

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Andreas Nemetz im Naturschaugarten hinter dem Wertstoffhof in Haar.

Der Sommer ist in Haar angekommen, viele Bürger erfreuen sich an blühenden Wiesen in der Nähe des Riemer Parks, Gronsdorf und Salmdorf. Doch so gut wie niemand weiß, dass die Blütenpracht auf einem ausgeklügelten und ökologisch hochwertigen Konzept basiert.

So gut wie jeder ist auf dem Weg zum Riemer See schon mal daran vorbei gefahren. Manch einer vielleicht sogar stehen geblieben, um sich an dem hübschen Anblick zur erfreuen. Die Rede ist vom Magerrasen. Man erkennt ihn an seiner bunten Blütenpracht und dem leicht verwilderten, aber dennoch schmucken Charakter. Doch nur wenige wissen, was das Besondere an einem Magerrasen ist.

Oft befindet er sich am Wegesrand zwischen Straße und Gehweg oder in den kleinen Verkehrsinseln an verkehrsberuhigten Seitenstraßen. Dabei dient er nicht nur der Dekoration, er ist vor allem ökologisch wertvoll. „Magerrasen ist eine Bezeichnung für einen nährstoffarmen Boden“, erklärt Andreas Nemetz, Leiter des Umweltreferats im Haarer Rathaus. Der Boden, auf dem der Magerrasen wächst, ist steinig bis kiesig. Dafür wird der erdige Oberboden, auch Humus genannt, abgetragen. Erst wenn man zur feineren Kiesschicht in etwa 20 bis 30 Zentimeter Tiefe gelangt ist, hat man den richtigen Untergrund für die natürlichen Wildblüten. Dieses Brachland ist tatsächlich die beste Voraussetzung für eine besondere Artenvielfalt. Hier tummeln sich zahlreiche seltene Pflanzen wie Wundklee, Kleiner Wiesenknopf oder Wiesensalbei.

Zum Vergleich: Auf einer normalen Rasenfläche gehören Gänseblümchen und Löwenzahn bereits zu den exotischen Pflanzen. Für Insekten ist das leider keine große Freude. Auf dem Magerrasen hingegen fühlt sich selbst die europaweit geschützte Wechselkröte wohl, ebenso wie der große Wiesenknopf Ameisenbläuling, eine besonders seltene Schmetterlingsart. Diese kann sich nur vermehren, wenn sie die entsprechende gleichnamige Pflanze, den Wiesenknopf, zur Verfügung hat. Aber auch Blindschleichen und Ringelnattern sind im Magerrasen zu finden. Spinnen und Bienen können in den hohen Gräsern überwintern, da der Magerrasen im Gegensatz zum herkömmlichen Rasen nur etwa zwei Mal im Jahr gemäht wird.

Nicht zuletzt aus diesem ökologischen Aspekt heraus hat die Gemeinde Haar ein Magerrasenkonzept für öffentliche Grünflächen entwickelt. Bereits bei der Bauplanung wird darauf geachtet, dass Grünflächen in Haar durchgängig, sinnvoll und ökologisch sind. „Haar ist sehr grün eingestellt. Die Haltung zu Natur und Umweltschutz ist hier stark ausgeprägt“, sagt Nemetz.

Bereits 1997 hat die Gemeinde angefangen, öffentliche Grünflächen als Magerrasen anzulegen. Mit einer ungenützten Fläche hinter dem Wertstoffhof fing alles an. Für den Wertstoffhof war die spitz zulaufende Fläche nicht nutzbar, heute befindet sich dort ein Naturschaugarten, der fast das ganze Jahr über blüht und zum Verweilen einlädt. Der Magerrasen kam dort so gut an, dass immer mehr Flächen angelegt wurden. 2005 wurde auch bei der Bundensgartenschau, dem heutigen Gelände rund um den Riemer See, das Konzept übernommen.

Mittlerweile verbindet der blühende Rasen die Haarer Ortsteile. Als Begleitgrünfläche zieht er sich entlang der Fahrradstrecke vom Wertstoffhof nach Gronsdorf über Teile des Riemer Parks bis nach Salmdorf und Ottendichl. Diese Biotopvernetzung ist auch gut für die Wanderung der Tiere. So können sie sich weiter fortbewegen als bei einzelnen Biotopen, die nicht miteinander verbunden sind.

Das Konzept haben sich mittlerweile auch andere Gemeinden zum Vorbild genommen. Aus dem Landkreis Dillingen kamen bereits Vertreter, um sich das Haarer Konzept anzuschauen. In Ebersberg, Steinhöring und Gräfelfing hat Nemetz Vorträge gehalten. „Vergangenes Jahr bekam ich sogar einen Anruf aus Wien“, sagt er. Und auch die Gewofag hat schon angefragt. „Mit den Bürgern müssen wir allerdings noch mehr darüber reden“, gibt Nemetz zu. Denn auch die Haarer Einwohner sollten darüber Bescheid wissen, in was für einer grünen Gemeinde sie leben. Darum ist für kommendes Jahr ein Magerrasen-Lehrpfad mit Infotafeln an den jeweiligen Stellen angedacht.

Aber auch ohne Infotafeln erkennt man den Magerrasen, wenn man aufmerksam durch die Gemeinde streift. Bei der nächsten Fahrt zum Riemer See sieht man dann weit mehr als nur eine blühende Wiese. 

Lydia Wünsch

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