„Keine Mehrheit im Rat – macht doch nichts!“

Andreas Bukowski nach seiner Wahl zum Bürgermeister in Haar

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Andreas Bukowski ist der neue Bürgermeister in Haar. 

Andreas Bukowski hat es tatsächlich geschafft: Zum ersten Mal in der Haarer Geschichte stellt die CSU den Ersten Bürgermeister. HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich sprach mit dem Mann der Stunde.

HALLO: Hand aufs Herz. Haben Sie wirklich damit gerechnet, die Wahl gegen Gabriele Müller (SPD) gewinnen zu können?

Bukowski: Es ist tatsächlich unglaublich und überwältigend. Damit hat keiner gerechnet! Im laufenden Wahlkampf hatte ich schon das Gefühl, dass wir eine Chance haben. Die letzten Wochen waren dann sehr schwierig, denn verständlicherweise gab es kaum noch Kontakt zu den Leuten. Als dann die ersten Ergebnisse kamen, waren wir gleich vorne. Und wir blieben es bis zum Ende. Ich freue mich sehr. Aber richtig glauben kann ich es noch nicht.

Sie haben bereits vor der Stichwahl ein Programm für die ersten 100 Tage im Amt präsentiert. Ist überhaupt absehbar, in welchem Zustand die Gemeinde in ein paar Wochen oder Monaten sein wird?

Die Situation ist wirklich ungewöhnlich. Für mich ist es sowieso ein Sprung ins kalte Wasser, jetzt ist das Wasser noch ein bisschen kälter. Ich muss mich über viele Dinge informieren. Aber ich habe sehr erfahrene Leute um mich herum und stehe außerdem mit vielen anderen Bürgermeistern in Kontakt.

Sie stehen bald an der Spitze der Haarer Verwaltung. Wissen Sie schon, ob Sie dort auch strukturell etwas verändern wollen?

Wir haben als CSU schon länger die Ausgaben in der Öffentlichkeitsarbeit kritisiert. Das lässt sich vielleicht besser bündeln als bisher. Insgesamt funktioniert die Verwaltung in Haar aber sehr gut! Hier in Haar ist der Bürger keine Nummer wie in München. Jeder hat einen direkten Kontakt zur Verwaltung. Das soll auch so bleiben. Und noch besser werden, wenn wir das digitale Angebot erweitern.

Sie haben keine Mehrheit im neuen Gemeinderat. SPD und Grüne können Sie überstimmen...

Das macht ja nichts! Das ist ja gerade die Chance. Ich komme von außen und bin nicht seit Jahrzehnten Teil des politischen Betriebs in Haar. Ich will einen echten Neuanfang starten. Die Themen sollen im Mittelpunkt stehen. Wir sollten gemeinsam diskutieren statt gegeneinander zu arbeiten. Für die beste Lösung wird sich dann auch immer eine Mehrheit finden.

Glauben Sie wirklich, dass es so einfach wird? Die Grünen sind sehr selbstbewusst und die SPD muss sich erst einmal von dem schweren Schlag erholen.

Ich habe bei meinen Besuchen von Tür zu Tür auch mit vielen Wählern der Grünen gesprochen. Wir sind in vielen Fragen einer Meinung. Ich gehöre zu einer Generation, in der ökologische Fragen fest verankert sind. Auch wir wollen ein verträgliches Wachstum. Tatsächlich befinden sich CSU und Grüne in vielen Fragen auf einem gemeinsamen Nenner. Ich will ein Bürgermeister für alle sein.

Sie waren als Fraktionssprecher der CSU vorgesehen. Jetzt werden Sie Bürgermeister. Heißt das, Dietrich Keymer bleibt in seiner Funktion oder setzen Sie hier ein Zeichen für den Neuanfang, von dem Sie sprechen?

Es ist zu früh, um das zu entscheiden. Es ist sogar echt schwierig, solche Fragen überhaupt zu bereden, weil wir uns wegen Corona nicht persönlich zusammensetzen können. Ich halte Dietrich Keymer für hochprofessionell, er hat den Ortsverband über viele Jahre geprägt und ist für mich ein wichtiger Ansprechpartner. Der Erfolg der CSU in diesen Wahlen basiert auch darauf, dass wir im Team eine tolle Mischung aus Erfahrung und neuen Impulsen gefunden haben. Das ist die Grundlage, auf der wir nun beginnen können.

Letzte Frage: Wie ist die Stimmung Zuhause, nachdem Sie nun wirklich Bürgermeister werden? Sagt Ihre Lebensgefährtin schon: „Was hast du uns da eingebrockt?“

(lacht) Nein, sie ist ganz aus dem Häuschen und freut sich sehr. Sie arbeitet auch gerade im Homeoffice und ist mit Arbeit komplett eingedeckt. Es ist uns beiden schon bewusst, dass das Amt des Bürgermeisters uns viel abverlangen wird. Aber viele Termine sind ja abends, da können wir oft auch gemeinsam hingehen.

Interview: Marco Heinrich

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