Über Kunden, gerade Lebenswege und den alten Diogenes in seiner Tonne

Wer ist Andreas Bukowski, Bürgermeisterkandidat der Haarer CSU?

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Gespräche mit Andreas Bukowski bekommen schnell einen philosophischen Touch.

Ob Sieg oder Niederlage – die Kommunalwahl am 15. März wird das Leben von Andreas Bukowski verändern. So wie er das politische Leben in Haar verändern wird. Was ist das für ein Mann?

Haar – Ein fundamentaler Attributionsfehler! Darauf muss man in einem Gespräch über Gott, die Welt und die Haarer Kommunalpolitik erst einmal kommen. Doch der CSU-Bürgermeisterkandidat Andreas Bukowski schafft es dann doch immer wieder, einzelne Wörter oder ganze Anekdoten aus seinem Psychologie-Studium in einen Dialog einzubauen. In diesem Fall ging es um Möglichkeiten der Zusammenarbeit nach der Kommunalwahl am 15. März – und zwar sowohl in Bezug auf die amtierende Bürgermeisterin Gabriele Müller als auch um die innerparteiliche mit Dietrich Keymer, der das Bild der CSU in Haar über Jahre prägte. „Das Verhalten wird oft dem Charakter eines Menschen zugeschrieben. Dabei ist das bestimmende Element meistens die Situation“, sagt Bukowski. Und lässt das Fachwort gleich folgen Genau: Fundamentaler Attributionsfehler. Auch was Andreas Bukowski selbst angeht, ist seine Situation einfacher zu beschreiben als sein Charakter. Der erfolgreiche Geschäftsführer der deutschen Niederlassung einer Naturkosmetikfirma ist mit seinen 40 Jahren ein echter Netzwerker. Er ist Mitglied des Wirtschaftsbeirats Bayern, Vorsitzender des Gewerbeverbands Haar Trudering, Vorsitzender der CSU Haar, Mitglied der Nachbarschaftshilfe Haar, Mitglied im Freundeskreis des Kleinen Theaters Haar und Mitglied im TSV Haar. Nebenbei hilft er in den kommenden Wochen auch bei einem neuen Projekt an der Mittelschule Haar, wo es um einen Benimm-Führerschein für die Teenager geht. Und mit guten Manieren kennt sich Bukowski aus.

Kurz nach einem Diskurs über Ursachen und Wirkung mangelnder Höflichkeit bei Parzival (!) erzählt Bukowski eine Episode aus seinem eigenen Leben. „Ich war als Geschäftsführer mit dem Inhaber der Firma bei einem wichtigen Kunden in Taiwan. Ein beeindruckendes Haus. Dann wurden wir gebeten, uns zu setzen – das habe ich dann auch gemacht. Kurze Zeit später wurde ich auf eine lange Stadtrundfahrt geschickt“, erzählt er lachend. Sein Fehler wurde ihm erst viel später klar: Bukowski hatte sich zwar nach dem Gastgeber, aber noch vor dem Firmeninhaber gesetzt. Für die Asiaten ein unentschuldbares No-Go.

Auch aus Japan weiß Bukowski eine Geschichte zu erzählen, wo in vornehmen Restaurants kleine Schälchen mit Wasser zum Händewaschen gereicht werden. Die unwissenden Europäer tranken das Wasser aus. Die Japaner wollten einen Gesichtsverlust der Gäste unbedingt verhindern – und tranken die Schälchen ebenfalls leer.

Bukowski ist nicht nur politisch ein Mann der Mitte, er ist es auch in Bezug auf sein inneres Gleichgewicht. Einem Hobby, in dem er auch mal ausrastet und Dampf ablässt – etwa beim Sport oder beim Pokern – geht er nicht nach. „Das würde ja bedeuten, dass sich vorher Frust angestaut hat. Ich halte es da mehr mit den Stoikern und den Kynikern“, sagt Bukowski und kommt spielerisch auf die Figur des Diogenes in der Tonne zu sprechen, der den Grundsatz „Ich besitze nicht, damit ich nicht besessen werde“ exemplarisch verkörperte.

Wer nun glaubt, dass Andreas Bukowski jemand ist, der Wasser predigt und Wein trinkt, der irrt. Denn dass sich nach der Wahl sein Leben ändern wird, hat er schon entschieden – ob als Bürgermeister oder nicht. „Ich höre definitiv als Geschäftsführer auf. Wenn ich nicht mehr zu hundert Prozent hinter einer Sache stehe, dann lasse ich es bleiben“, sagt er: „Sicher, man verdient gut, hat Routine, viele Vergünstigungen. Und ich fahre auch gerne einen Tesla. Aber im Endeffekt ist das auch nur ein Auto.“ Wohl wissend, dass er als Haarer Bürgermeister weniger verdienen würde. Einen Plan B hat er dennoch: Klappt es mit der Wahl nicht wie erhofft, will er für eine Firma deutschlandweit ins kommunale Marketing einsteigen. Ein Job-Angebot hat er bereits in der Tasche.

Doch am liebsten würde er seine Pläne ganz konkret in Haar umsetzen. Wobei klar ist, dass man Andreas Bukowski aus dem Marketing herausbekommen kann, aber nicht das Marketing aus Andreas Bukowski. „Eine Gemeinde ist sicherlich kein Produkt, das man vermarkten kann – aber es ist sehr ähnlich“, sagt er und kritisiert die an der Macht sitzende SPD, die diesen Bereich seiner Meinung nach viel zu lange unbearbeitet ließ. Auch in Bezug auf die Menschen in Haar färbt sein Weltbild ab: „Ich merke jetzt schon, dass ich die doppelte Zeit beim Einkaufen einplanen muss, weil mich viele ansprechen. Ich empfinde das als Bereicherung. Ich bin direkt am Kunden dran.“

Andreas Bukowski zieht es zur Verantwortung. Ob als Rettungsschwimmer oder Fußballtrainer einer Kindermannschaft in der Jugend oder jetzt in der Wirtschaft und in der Politik. „Ein bisschen Vermessenheit gehört immer dazu. Bürgermeister sein, das ist schließlich kein Beruf, für den man ausgebildet wird. Ich springe gerne auch mal ins kalte Wasser“, sagt der Bruder von drei Schwestern, die als Krankenschwester, Rektorin einer Waldorfschule und Steuerberaterin sehr unterschiedliche Lebenswege einschlugen. Es liegt in der Hand der Haarer Wähler, ob sein bislang sehr geradliniger Lebensweg der Erfolgsspur treu bleibt oder eine erste Delle bekommt. Fest steht aber, dass Bukowski das politische Klima in Haar als designierter Fraktionssprecher der CSU verändern wird. Die festgefahrenen Fronten zwischen CSU und SPD soll es in dieser Form nach der Wahl nicht mehr geben.

Marco Heinrich

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