Alexandra und Matthäus Hose aus Haar sind Weltmeister im Leicht-Kontakt-Kickboxen

Der besondere Kick

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Von wegen schwaches Geschlecht! Alexandra heizt Matthäus Hose beim Training im Fitnessbereich des Racket-Center Haar ganz ordentlich ein.

Die Haarer Alexandra und Matthäus Hose haben sich dem Kickboxen verschrieben. Bei den Weltmeisterschaften in Orlando Ende September errangen die beiden, jeweils in ihren Gewichtsklassen, sogar die Weltmeistertitel des führenden Welt-Kickbox-Verbandes (WKU).

Alexandra und Matthäus Hose tänzeln, beäugen sich unter ihren Kopfschutz-Masken intensiv, die leichten Trainingsklamotten mit schillernden, schwarz-rot-goldenen Hosen der Nationalmannschaft flattern durch den Mattenring im Fitness-Bereich des Haarer Racket-Parks. Alexandra setzt jetzt nach eleganter Drehung und Beugung ihres Rumpfes mit der Kraft ihres linken Beins einen sogenannten Roundhouse-Kick in Richtung Kopf des Gegners. Matthäus pariert und sucht mit seiner größeren Reichweite die Distanz, will kontrollieren und geht mit einem per Fuß von oben nach unten vollzogenen Axt-Kick bei voll angespannter Beinmuskulatur schließlich selbst in den Angriffsmodus über.

Wer hier nun einen brutalen Rosenkrieg vermutet, der liegt jedoch falsch! Das beiden Sportler haben sich mit voller Begeisterung und Energie dem Kickboxen verschrieben. Vor allem aber sind Herr und Frau Hose höchst erfolgreich in der Szene. Bei den Weltmeisterschaften Ende September in Orlando errangen die beiden Altersklassen-Athleten in ihren Gewichtsklassen jeweils den Weltmeister-Titel des führenden Welt-Kickbox-Verbandes.

Zusammen mit ihrem Heimtrainer Andi Juranits bieten die beiden darüber hinaus als Coaches in ihrer „Kick and Bunch Company“ im Racket-Park neben Kickboxen auch noch den koreanischen Kampfkunststil Hapkido an. Dabei werden die Grundzüge einer Sportart vermittelt, die asiatische Selbstverteidigungs-Bestandteile mit boxerischen Elementen vereinigt.

Am allerliebsten stehen die beiden allerdings selbst auf der Matte. Fast täglich wird trainiert, auch mit Lauf- und Schwimmeinheiten abseits des Rings. „Die Kampfdauer von zwei Mal zwei Minuten klingt zwar auf den ersten Blick überschaubar. Aber das ist hoch anstrengend“, erklärt Matthäus Hose. Hinzu komme: „Nicht nur der Respekt vor dem Gegner und der Wille, diesen nicht verletzen zu wollen, nötigen Disziplin ab“, so Alexandra Hose.

Auch am eigenen Körper gilt es ständig zu feilen. Vor der WM hat sie ihre Ernährung angepasst und mit strikter Nahrungskontrolle ihren ohnehin niedrigen Körperfettanteil auf nur noch 7,5 Prozent halbiert. Harte Kaderlehrgänge mit Bundestrainer Harald Rögner und dem Heimcoach brachten für die Mitt-Vierzigerin den Feinschliff: „Da bist du in der schönen Toskana, musst dich dort aber zehn Tage nur schinden und zusehen, wie andere herrlich tafeln und genießen!“ Das alles sei aber eben Voraussetzung in einer anspruchsvollen Disziplin, die neben schneller Kombinationsgabe, einer Ausgeglichenheit von Hand- und Fußtechniken vor allem auf wirksame und sauber ausgeführte Verteidigungs- und Angriffs-Varianten setzt. „Beweglichkeit, Geschmeidigkeit, Vorausschau, Taktik“, haut Matthäus Hose die wichtigsten Komponenten rhetorisch heraus, als würde er gerade einen seiner Gegner bearbeiten.

Ihre Liebe zum Kickboxen haben die Hoses übrigens weitergegeben. Denn auch die beiden Söhne Bartholomäus (12) und Zacharias (9) sind bereits begeisterte Kickboxer. „So ab neun oder zehn Jahren macht es Sinn, ernsthaft mit dem Sport loszulegen“, verrät Trainer Juranits. Im echten Leben ist er inzwischen mit Alex- andra Hose liiert. Matthäus und seine Ex sind aber weiter befreundet in der kleinen, aber feinen Kickbox-Familie in Haar. Die beiden Hoses sind längst wieder auf der Matte: „Rosenkrieg“ muss aber niemand befürchten. Harald Hettich

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