„Und dabei male ich größer als je zuvor!“

Haar: Abgesagte Veranstaltung in den Hans-Pinsel-Ateliers

Die Haarer Künstlerin Corinna Weiss mit ihren Mädels
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Die Haarer Künstlerin, Corinna Weiss, mit ihren Mädels

Auch die Alternativveranstaltung, die die Künstlerin Corinna Weiss in den Hans-Pinsel-Ateliers in Haar organisierte, musste nun coronabedingt abgesagt werden. „Corona hat uns unsichtbar gemacht“, sagt sie. Und trotzdem, oder gerade deswegen, malt sie jetzt größer als je zuvor. 

Ein bisschen sieht es aus wie ein verwunschenes Schlösschen. Inmitten eines Gewerbegebiets: Das Haus der Hans-Pinsel-Ateliers an der Hans-Pinsel-Straße 7 in Haar. Dort vergraben sich zehn Künstler und suchen in Einsamkeit die Inspiration für ihre Bilder. Aber einmal im Jahr, im November, sperren sie die Türen der Ateliers auf und zeigen ihre Werke. Nur in diesem Jahr nicht. Coronabedingt musste die jährliche Ausstellung abgesagt werde. Eine der zehn Kunstschaffenden, Corinna Weiss, versuchte zumindest eine kleine Veranstaltung in ihrem Raum zu realisieren. „Es war schon alles organisiert. Ich habe ein Absperrband gekauft und mir ein Hygienekonzept überlegt“, sagt sie. Und nun kam der erneute Lockdown. Sehr kurzfristig und völlig überraschend. Die nächste Klatsche für die Künstler. Weiss musste die Veranstaltung, die eigentlich am 14. und 15. November hätte stattfinden sollen, abermals absagen. „Eigentlich sollten die Menschen mit einem Glas Wein in der Hand durch die verwinkelten Räume laufen und sich von der Kunst in unsere Welt tragen lassen“, sagt sie und blickt träumerisch im Haus umher. Überall hängen die Kunstwerke der Maler. Dann schüttelt sie den Gedanken ab. „Ist nun Mal nicht. Und ich bin froh, dass es mich hier überhaupt noch gibt.“ Ein paar Künstler an der Hans-Pinsel-Straße mussten ganz aufgeben, andere sich verkleinern. Auch Corinna Weiss. Sie hat einen ihrer Ateliers-Räume hergegeben und zwängt sich nun mit ihren Mädels, wie sie die Frauen auf ihren Bildern nennt, in einen kleinen Raum. Gemütlich ist es dennoch, mit einem kleinen Eckbalkon. Immerhin. Trotzdem: Die Veränderung fiel ihr schwer. „Ein halbes Jahr konnte ich gar nicht malen, ich war irgendwie durch die Ereignisse blockiert. Und jetzt male ich größer als je zuvor!“ Schon verrückt, was Corona mit uns macht.

Es ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, denn zum Einen lebt Weiss vom Bilderverkauf — und ohne Ausstellungen kein Verkauf. Auf der anderen Seite hat sie jetzt weniger Druck. „Ich muss nicht mehr ein Bild bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig machen.“ Und so kann sie sich ganz auf ihre Mädels und die Geschichten, die sie erzählen will, einlassen. Dann sitzt sie im Sessel, betrachtet die Leinwand und überlegt, was die Geschichte noch braucht, um fertig erzählt zu sein. „Die Betrachter sollen immer wieder neue Details im Bild finden können, wenn sie es ansehen. Das ist mein Ziel“, sagt sie. „Ich lege meine ganzen Gefühle in so ein Bild und verarbeite meine eigenen Emotionen in den Geschichten. Es ist schön, wenn die Emotionen dann auf die Menschen überspringen, die meine Bilder sehen.“

Eigentlich mag Weiss ihre Bilder nicht gerne erklären. Der Betrachter soll seine eigene Fantasie spielen lassen. Für HALLO aber macht sie eine Ausnahme und erklärt ihr Coronabild „Buntnull“ (Foto). Dieses wird vom 26. Januar bis zum 24. Februar in der Ausstellung „Magie der Masken“ im Truderinger Kulturzentrum zu sehen sein. „Und dabei ist auf meinem Bild alles, nur keine Maske“, sagt sie und lacht. „Das wäre mir zu offensichtlich gewesen.“ Das Hintergründige ist es, das Weiss nämlich viel mehr interessiert. Darum wirkt „Buntnull“ mit seiner Farbenpracht auf den ersten Blick auch sehr positiv. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass die beiden Harlekine melancholisch drein blicken. „Sie können sich nicht zeigen, genauso wie wir Künstler“, sagt Weiss. „Corona hat uns unsichtbar gemacht.“

Corinna Weiss mit ihrem Coronabild „Buntnull“

Dann, wenn man das Bild länger betrachtet, erkennt man auf der linken Seite die Köpfe von Fledermäusen, die die Ursache dafür sind, dass Künstler derzeit unsichtbar sind — eben die kleinen Details, auf die Weiss so viel Wert legt und die in ihren großen Bildern nun viel Platz finden.

Lydia Wünsch

Wer Interesse an den Bildern von Corinna Weiss hat, kann einen Termin unter 0171/1833944 oder per E-Mail an cw@corinna-weiss.de vereinbaren.

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