Das süße Ende einer bitteren Geschichte?

Nach der umstrittenen Auktion mit Nazi-Stücken in Grasbrunn

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Dieser Zylinder von Adolf Hitler ist offenbar 50.000 Euro wert.

Wer kauft so etwas? Eine Versteigerung des Auktionshauses Hermann Historica sorgte deutschlandweit für Aufsehen. Die größte Überraschung kam allerdings erst danach.

Ein Zylinder von Adolf Hitler. Muss so etwas versteigert werden? Und wenn ja, wer kauft so etwas? Eine Auktion in Grasbrunn beantwortete zumindest die zweite dieser beiden Fragen. Und zwar mit einer Überraschung. 50.000 Euro wurden für den Nazi-Hut bezahlt – von einem Mann, der sich auch gleich eine Zigarrenkiste und eine Schreibmaschine Hitlers sicherte. Und obendrauf eine Luxusausgabe von „Mein Kampf“, die einst Hermann Göring gehörte. 545.000 Euro gab der Meistbietende für insgesamt zehn Gegenstände aus. Und das, obwohl er keinen einzigen davon behalten will.

Der in der Schweiz lebende libanesische Geschäftsmann Abdallah Tschatila steckt hinter den Geboten. In der Schweizer Zeitung „Le Matin Dimanche“ erklärte er, dass er unbedingt verhindern wollte, dass die Sachen für Propagandazwecke missbraucht werden. Von wem auch immer. Sie sollen stattdessen in einem Museum ausgestellt werden. Darum soll sich nun die Stiftung Keren Hajesod kümmern. Der Keren Hayesod hat die Aufgabe, Menschen den Weg nach Israel und die Integration so leicht wie möglich zu machen. Dazu gehören die teilweise Übernahme von Reisekosten, die Unterbringung in Eingliederungszentren, die Finanzierung von Hebräischkursen und Ausbildungsplätzen, die Hilfe bei der Wohnungssuche, sowie der Bau und die Betreuung von Kindertagesstätten und Jugenddörfern.

Der Präsident der European Jewish Association (EJA), Menachem Margolin, zeigte sich von dieser Wendung der Geschichte überwältigt. Er hatte vor der Auktion die Absage der Veranstaltung gefordert. Gleichzeitig forderte er die deutsche Politik allerdings auf, künftig besser zu kontrollieren, wer im Rahmen von Auktionen Nazi-Erinnerungsstücke kaufen würde. Denn die vielleicht wichtigste Frage ist durch die Auktion in Grasbrunn nicht beantwortet worden: Ist es normal, dass in Deutschland große Summen für belanglose Stücke aus der Nazi-Zeit gezahlt werden (dürfen) oder ist es ekelerregend?

mh

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