Serie "Ehrenamt im Fokus"

Mit Kindern das Lesen und Einmaleins üben

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An der Grasbrunner Grundschüler unterstützen ehrenamtliche Paten Kinder beim Erledigen ihrer Hausaufgaben.

Kinder aus Flüchtlingsfamilien besuchen deutsche Schulen. Ihre Deutsch-Kenntnisse werden so schnell besser als die ihrer Eltern, die ihnen somit keine große Hilfe sein können, wenn es um Fragen bei den Hausaufgaben geht. In Grasbrunn engagieren sich Ehrenamtliche als Hausaufgaben-Helfer an der Grundschule. Um sie geht es im dritten Teil der HALLO-Serie „Ehrenamtliche im Fokus“.

Gelegentlich mal den Schul- ranzen vom Nachwuchs zu öffnen und einen Blick hinein zu wagen, lohnt sich! Nicht nur, weil möglicherweise Reste einer Brotzeit auftauchen. Eltern blättern durch die Schulhefte und bekommen einen Überblick, ob demnächst eine HSU-Probe ansteht oder ob sie mit ihrem Kind ein Diktat üben sollten. Doch nicht jede Mama oder Papa spricht Deutsch und versteht die zu lösenden Schulaufgaben. An der Grundschule Grasbrunn gibt es für Kinder, denen die Eltern bei den Hausaufgaben nicht gut helfen können, Sylke Würmeling und ihr Team vom Helferkreis Asyl Grasbrunn- Vaterstetten. „Wir sind täglich für die Kinder da“, sagt Würmeling. In der fünften und sechsten Schulstunde nehmen sich die ehrenamtlichen Helfer Zeit, um mit den Kindern gemeinsam die Hausaufgaben durchzugehen und da zu helfen, wo gerade der Schuh drückt.

Für alle, die Probleme mit Deutsch haben

„Das ist kein Hexenwerk“, sagt Würmeling. Sie würden einfach das leisten, wozu die Eltern ihrer zu betreuenden Kinder aus sprachlichen oder anderen Gründen nicht in der Lage sind. „Zu uns kommen nicht nur Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Wir haben unser Angebot für alle Kinder geöffnet, die noch Probleme mit der deutschen Sprache haben. So unterstützten wir derzeit auch ein griechisches sowie ein italienisches Kind“, erzählt die Hausaufgaben- Patin. Die Schule stellt ihnen einen Raum zur Verfügung, in dem sie gemeinsam Textaufgaben lösen oder das Lesen und das Einmaleins üben können. Die beiden letzten Schulstunden würden sich dafür anbieten. Jüngere Kinder haben meist schon Schulschluss, und bei den älteren würden sie sich mit den Lehrern absprechen. „Lieber verpassen die Kinder mal Kunst oder Ethik, aber Mathe und Deutsch mit uns zu üben ist eben wichtiger.“ Die fünf bis sechs freiwilligen Helfer stehen in direkten Kontakt zu den Lehrern. „Wir machen immer eine kleine Übergabe, bei der uns die jeweiligen Lehrer mitteilen, was gerade ansteht“, erzählt Würmeling. Im Idealfall können die Grasbrunner Hausaufgaben-Helfer den Kindern eine Eins-Zu-Eins- Betreuung bieten. „Und wir bemühen uns, dass die Kinder möglichst immer von denselben Personen betreut werden“, betont die Koordinatorin der Hausaufgabenhilfe. Da nicht alle Paten täglich zur Verfügung stehen, teilen sich meist zwei Helfer ein Kind.

Einmal die Woche Nachhilfe geben

Auch Claudia Schulz engagiert sich ehrenamtlich, indem sie ein 14-jähriges Mädchen einmal in der Woche besucht, um ihr im Fach Deutsch zu helfen. „Ich habe in einem Termin- Kalender geschaut und gemerkt, dass ich noch Zeit hätte, eine ehrenamtliche Tätigkeit zu übernehmen“, erzählt die 55-jährige Krankenschwester, die beruflich in einem Seniorenheim tätig ist. Als Mutter von zwei Kindern suchte sie nach einer Aufgabe, die für sie persönlich infrage kommt. „Ich habe mir gut überlegt, was ich stemmen kann.“ So beschränkt Schulz ihr Engagement auf die Nachhilfestunde und ist darüber hinaus nicht weiter für den Helferkreis in Grasbrunn tätig. „Ich habe ja einen Job und Familie, dennoch war ich auf der Suche nach einem Ehrenamt, aber eben nach einem, das zu mir passt“, erzählt sie. Die Deutsch-Nachhilfe indes ist nicht die einzige ehrenamtliche Tätigkeit, die Schulz ausübt. Zudem besucht sie regelmäßig eine ältere Dame, trinkt mit ihr eine Tasse Kaffee und unterhält sich. „Es muss gar nicht lange dauern, aber dem Betroffenen bringt es viel“, erzählt Schulz. Sylke Würmeling bestätigt dies. „Ich nehmend dankend jede Hilfe an. Wenn sich jemand meldet, der uns bei der Hausaufgaben-Hilfe unterstützen möchte, aber nur einmal in der Woche Zeit für Mathe-Nachhilfe hat, ist das völlig in Ordnung“, sagt die Helferin. Ein Jugendlicher aus einer Flüchtlingsfamilie profitiert von einer einzigen Stunde pro Woche, die sich jemand Zeit nimmt, um ihm bei verschiedenen Dingen zu unterstützen. Die Hausaufgaben-Helfer der Grasbrunner Grundschule sind vormittags im Einsatz. „Doch wer ein älteres Kind oder einen Jugendlichen betreuen möchte, kann sich beispielsweise abends oder am Wochenende Zeit nehmen“, so Würmeling. „Meist ist es am besten, wenn man direkt zu den Familien fährt.“ Nach den an diesem Wochenende beginnenden Ferien wird Sylke Würmeling zunächst Kontakt mit Schulleiterin Christine Neumann aufnehmen, um zu erfragen, wie viele Kinder im neuen Schuljahr an der Hausaufgaben-Hilfe teilnehmen. „Im Oktober gibt es ein Treffen aller interessierten Helfer im Sportpark, bei dem wir informieren und uns organisieren sowie E-Mails austauschen“, sagt die Paten-Koordinatorin. Gegen die Politik, die Schulen da keine Unterstützung anbietet, hegt Würmeling keinen Groll. „Ich mache es für die Kinder“, betont sie. „Mir geht es so gut, da ist es für mich selbstverständlich, einen Teil davon abzugeben.“ Es seien eben viele Familien mit Kindern nach Deutschland geflüchtet und diese möchte Würmeling als Hausaufgaben-Patin nun bei ihrem Ankommen im neuen Leben in Deutschland unterstützen. „Die Hausaufgaben-Hilfe ist für mich da die ideal, um bei der Integration zu helfen. Die Kinder kriegt man da noch so gut zu greifen.“ Und das Schöne sei, dass sich aus einem kleinen Engagement oft auch eine große Freundschaft entwickle.

Verena Rudolf

Der Helferkreis Asyl-Grasbrunn sucht zum neuen Schuljahr, das im September beginnt, wieder ehrenamtliche Paten und Nachhilfelehrer für Kinder und Jugendliche aus geflüchteten Familien.  Nicht nur Grundschüler, auch ältere Schüler sowie junge Menschen, die in der Ausbildung sind, profitieren von einem Wegbegleiter und Ansprechpartner im täglichen Leben. Wer Zeit hat, sich zu engagieren, kann mit dem Helferkreis per E-Mail an info@helferkreis-grasbrunn-vaterstetten oder unter Telefon 08106/303540 Kontakt aufnehmen.

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