“Wir brauchen keine Bio-Bananen oder -Mangos“

Beim Keferloher Montag ging es heuer wieder ganz traditionell zu

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Auch Zuchtbulle „Wallerprinz“ wartete vor dem Festzelt auf das Eintreffen der Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.
Johannes Ritter gewann den traditionellen Pflugwettbewerb

Insgesamt 18 Teilnehmer kamen aus allen Regierungsbezirken Bayerns zusammen, um sich beim vergangenen Keferloher Montag im Landesentscheid im Wettpflügen zu behaupten. Doch wer denkt, man müsse bloß mit dem Traktor auf und ab fahren, hat weit gefehlt. Hans Bürger-Schuster, Mitglied der diesjährigen Jury, erklärt, worauf es beim Wettkampfpflügen ankommt: „Es kommt auf eine exakte Geradheit sowie sauberes Schließen der Furche an. Ebenso wichtig ist, dass die Tiefe gleichmäßig ist.“ 18 Zentimeter Tiefe im Durchschnitt war die Zielvorgabe. Zur Orientierung wurden hin und wieder Zwischenkontrollen durchgeführt, um die Teilnehmenden auf Kurs zu halten. Aber nicht nur für den Wettkampf zahlt sich saubere Pflugarbeit aus. Bürger-Schuster ist sich sicher: „Wer sein Handwerk versteht und Unkraut und Ernterückstände sauber unter die Erde pflügt, braucht kein chemisches Pflanzenschutzmittel mehr.“ Neben den zahlreichen Beet- und Drehpflügen gab es auch heuer wieder einen historisch besonders erfreulichen Anblick. Helmut Stocker aus Landsham beehrte mit seinem Ochsengespann einmal mehr die Zuschauer und pflügte (außerhalb der Wertung) zusammen mit seinem zehnjährigen Enkel Sebastian den Acker ganz auf traditionelle Art und Weise. „Mein Enkel ist total begeistert vom Pflügen, wollte unbedingt mit unserem Ochsengespann mitmachen. Es ist interessant zu sehen, wie die Landwirtschaft sich in den letzten Jahren mit all den großen Maschinen verändert hat. Dennoch ist es noch heute möglich, auf traditionelle Mittel zurückzugreifen, wie man sieht.“

Abseits des Wettkampfs gibt es noch ein weiteres Highlight am Keferloher Montag. Es gehört zur Tradition des Festes, dass namhafte Politiker im großen Zelt als Festredner auftreten. So besuchte 2009 sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel das Keferloher Fest und lockte rund 6000 Besucher in das Festzelt. Diese Tradition sollte auch dieses Jahr nicht gebrochen werden, gleichwohl man zu den Wurzeln zurückkehren und von der großen Bühne der Politik Abstand gewinnen wolle. Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) fragte die Zuschauer in seiner kurzen Begrüßungsrede daher: „Wer könnte auf einem traditionellen Bauernfest als Festrednerin besser geeignet sein, als unsere Landwirtschaftsministerin, Michaela Kaniber?“ Doch bevor die Festreden begannen, boten fünf Goaßlschnalzer aus Grainbach am Samerberg eine kurze Vorstellung und peitschten ihre Goaßl über die Menge der Zuschauer zum Takt der Musik. Die erste Rede hielt dann Landrat Christoph Göbel (CSU). Er betonte wie stolz er auf die Arbeit der Landwirte im Landkreis sei, hätten sie doch durch die stetig wachsende Hauptstadt unter schweren Bedingungen zu wirtschaften. Außerdem sei der Ort Keferloh etwas ganz besonderes: „Keferloh ist in seiner Eigenheit mit seinen Feldern und Wäldern noch nahezu so erhalten, wie bereits vor hunderten von Jahren.“ Gegen Ende seiner Rede machte er deutlich, wie wichtig es sei, die Landwirte in der Umgebung zu unterstützen und appellierte an die Gäste, auf ihr Kaufverhalten zu achten: „Wir brauchen keine Bio-Bananen oder -Mangos. Wir brauchen saisonale Produkte aus der Region für die Region. Nur so kann man nachhaltig und klimaschutzfördernd in die Zukunft blicken.“

Nicht nur ihres Berufes wegen wusste dann die bayrische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) in ihrer Festrede ihre Zuhörer für sich einzunehmen. Ihre anfangs erwähnte Nervosität überwand sie gekonnt. So hatte sie mit ihrer Bitte „Kann i bitte a Bier haben?“ im Handumdrehen die Herzen des Publikums gewonnen. Doch was wäre eine Festrede ohne Abschweifung in die große Politik? So nutzte Kaniber die Gelegenheit, Themen wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz anzusprechen und zu einem Seitenhieb gegen SPD und Grüne auszuholen. Deren Vorschläge über eine künftige Vermögenssteuer tat sie mit Satz: „Als ob es in Deutschland keine anderen Probleme gäbe!“ ab. Nach dem Exkurs sollte es dann aber doch um die bayerische Agrarpolitik gehen. Ein Anliegen schien die zu kurz gekommene Wertschätzung der Landwirte zu sein. Zornig wetterte sie gegen all jene, „die von Landwirtschaft keine Ahnung haben aber den Bauern erklären wollen, wie sie ihre Arbeit besser machen sollten.“ Tosender Applaus hallte durch‘s Zelt. Nach Kanibers Rede wurde die Siegerehrung des traditionellen Stierschätzens durchgeführt. Insgesamt 287 Besucher gaben ihre Schätzung über das Gewicht von Zuchtbulle „Wallerprinz“ ab. Neben läppischen Geboten von 150 Kilo bis hin zu gewaltigen 12.793 Kilo (Dies entspricht etwa dem Gewicht von zwei ausgewachsenen männlichen Elefanten) schaffte es der Sieger, das exakte Gewicht von 1165 Kilo zu erraten. Zum krönenden Abschluss des Festzeltprogramms folgte die Siegerehrung des Landesentscheids im Wettkampfflügen. Johannes Ritter aus Schwaben sicherte sich mit einer vorbildlichen Pflugarbeit den ersten Platz und qualifizierte sich für die Deutsche Meisterschaft im kommenden Jahr im Westerwald (Rheinland-Pfalz).

Jens Verhey

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