Turnhallenbau – und sonst nichts mehr?

Aktuelle Kostenschätzung frisst Rücklagen von Grasbrunn fast gänzlich

Grasbrunns Finanzlage und der Turnhallen-Neubau liegen ganz dicht beieinander. „Dafür keine Kredit-Neuaufnahme“, so das Credo von Bürgermeister Klaus Korneder (SPD, Foto) seit einem Jahrzehnt, denn sein Ziel ist es, eine schuldenfreie Gemeinde zu führen. Unterstützung erfolgte nun von Teilen der CSU. Ursula Schmitt beantragte zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung die Umstellung der Tagesordnung: Zuerst die Finanzlage, dann der Beschluss allein zur Weiterplanung der 2,5-fach-Turnhalle, der mit 15:5 Stimmen erfolgte.

„Streichen, schieben, Einnahmen erhöhen“, stellte Grasbrunns Kämmerer Sebastian Stüwe das Szenario dar, wenn der Bau der Turnhalle mit rund 9,5 Millionen Euro bis 2020 erfolgen soll. Noch sind in den kommenden sechs Jahren rund 1,5 Millionen Schulden im Haushalt zu tilgen, um Korn-eders Ziel zu erreichen.

Gespart wurde schon während der Planungsphase, die ausgelagert aus dem Gemeinderatsgeschehen in einem interfraktionellen Arbeitskreis mit Experten von Schule und Sportverein von Bürgermeister Korneder geleitet wurde. Statt dreifach wurde hier eine 2,5-fach-Turnhalle erarbeitet, da man so einen kompletten, sonst vorgeschrieben Sanitärbereich einsparen konnte.

„Unverhältnismäßig hoch“ nannte Schmitt den Anstieg des Kostenvolumens „von tutti completti 5,5 Millionen Euro auf 9,5 bis 10 Millionen Euro“. Dem setzte Julia Blanck (SPD) versachlichend entgegen: „Von 5,5 auf 8,2 Millionen Euro“, denn man habe auf Dinge wie einen Stiefelgang verzichtet. Die neue Turnhalle sei kein Palast, das verwendete Material liege im mittleren Kostenbereich. Man habe nur das berechnet, was seitens der Gemeinde als Plan vorgegeben war, so das Architekten-Team, und sah hier keineswegs eine echte Kostensteigerung.

Dem setzte Bauunternehmer Johann Hiltmair (BFG) entgegen, dass gemäß der aktuellen Kostenschätzung der Turnhallenbau in Luxusausführung erfolge. Auf den ersten Blick sehe er, dass mehr als eine Million einzusparen ist. Es sei zu entscheiden, ob man den bestmöglichen Stand der Technik nehme und rund zehn Millionen investiere oder sich mit der einfachen Variante begnüge. „Dann schaut’s nicht so schön aus“, räumte er ein.

„Wenn nicht jetzt, wann sonst“, erklärte Max Walleitner (Grüne) zum Turnhallenbau. „Die Steuerquellen sprudeln, wir haben eine Niedrigzinsphase und zukünftig werden die Baukosten nur steigen“. Es sei bereits der dritte Anlauf, eine Turnhalle zu bauen, und die Zahl der Breitensportler wachse immer mehr, ergänzte er.

Uli Hammerl, SPD-Rat und TSV-Vorsitzender, unterstrich wiederholt die hohe Nutzungsfrequenz der Halle, die derzeit überwiegend dem Schulsport dient. Werde die Ganztagesschule in Grasbrunn eingeführt, steige selbst hier die Hallenbelegung, auch der Seniorensport finde am Vormittag statt. Auch die benachbarten Kitas können die Hallen nutzen, ganz abgesehen vom Breitensport, den Mitgliedern der bundesweit erfolgreichen Judo-Abteilung und der Fußball-Jugend im Winter. Die Kommune soll die acht Millionen Euro hinlegen, so Hammerl.

„Wir zahlen jetzt den Preis für das, was wir seit 2009 versäumt haben“, so Johannes Seitner für die FWG, die vehement sich den Bau der Turnhalle mit ihrem Antrag einsetzte und mit steter Nachfrage jetzt auf den Weg brachte.

ar

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