Knöllchenalarm in Gräfelfing

Parkverbot auf dem Parkstreifen: Neue Regelung empört Anwohner

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Eng ist es in der Eichenstraße schon immer. Deswegen ärgern sich Anwohner über das neue Parkverbot auf dem Randstreifen.

Gräfelfing - Die Gemeinde hat erlaubt, Autos in acht Straßen auf Multifunktionsstreifen am Rand abzustellen. Ein Fehler: Wer dort parkt, muss zahlen.

Karin Bönsch

Eigentlich ist Karin Bönsch ob der jüngsten Post, die sie von der Gemeinde Gräfelfing bekommen hat, nicht zum Lachen zumute. Trotzdem muss sie ein wenig schmunzeln, wenn sie darüber spricht. „Ein absoluter Schildbürgerstreich“, urteilt die 57-Jährige. Denn in dem Brief hat die Gemeinde die Anwohner der Eichenstraße darüber informiert, dass ihre Autos nicht mehr auf dem schmalen Randstreifen parken dürfen – obwohl dieser bei der Sanierung der Straße vor zwei Jahren ausdrücklich auch dafür angelegt wurde. Der Grund: Diese sogenannten Multifunktionsstreifen sind aus Sicht der derzeitigen Straßenverkehrsordnung als Gehwege einzustufen. Und dort darf nicht geparkt werden. Tut man es doch, muss man mit einem Knöllchen vom Ordnungsamt rechnen. „Ich werde trotzdem weiter so parken. Es geht gar nicht anders. Die Straße würde sonst viel zu schmal“, erklärt Bönsch, die meist ein Auto und einen Anhänger draußen parkt. 

Krankenwagen, Müllabfuhr, Postauto – „selbst wenn die noch durchkommen, dann wird mit Sicherheit der ein oder andere Spiegel abgefahren“. Ihre Nachbarin Elisabeth Bufler hat für das Parkverbot ebenso nur Kopfschütteln übrig. „Den Gehsteig nutzt doch sowieso keiner.“ Insgesamt acht Straßen hat die Gemeinde in der jüngsten Vergangenheit mit den Multifunktionsstreifen ausgestattet. In allen sind die Anlieger jetzt dazu angehalten worden, nicht auf dem Randstreifen zu parken – „um weitere Konflikte mit der Verkehrsüberwachung zu vermeiden“, wie Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG) in ihrem Schreiben begründet. Denn Strafzettel hatten den Stein erst ins Rollen gebracht. Nachdem mehrere Anwohner – etwa in der Langewieschstraße – sich über Knöllchen beschwert hatten, prüfte die Gemeinde die Fälle. Mit dem unerfreulichem Ergebnis, dass die moderne Bauform der Straßenverkehrsordnung vorweg greift. Wann diese aktualisiert wird, ist unklar. Bis dahin wollen nicht wenige Gräfelfinger dem Parkverbot trotzen. 

Elisabeth Bufler

So auch Familie Schnell aus der Akilindastraße, die dort den großen Geländewagen des Sohnes parkt. Der passt nicht in die Familiengarage – würde er gänzlich auf der Fahrbahn stehen, könnte es am schmalsten Stück der Akilindastraße ebenfalls eng werden. „Wir parken also immernoch auf dem Gehweg, aber lassen dort ein Stück frei, so dass Fußgänger gut durchkommen“, sagt Alexandra Schnell, die hofft, trotzdem keinen Strafzettel zu kassieren. „Vielleicht drücken sie ja ein Auge zu.“ Wahrscheinlich ist das nicht, wie das Schreiben der Bürgermeisterin zeigt. „Eine Anweisung von unserer Seite an die Verkehrsüberwachung, diese Straßen nicht zu kontrollieren oder das Parken dort nicht zu ahnden, ist nicht möglich, denn die Verkehrsüberwachung ist verpflichtet, die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung zu sichern“, heißt es darin. In der Eichenstraße hat Karin Bönsch bereits recherchiert, was man gegen die Neuregelung tun kann – etwa zusammen mit den Nachbarn der Gemeinde einen Brief mit Alternativ-Vorschlägen schicken. Eine Idee: Eine Seite der Einbahnstraße ganz als Parkfläche zu kennzeichnen, ein Park- und Halteverbot auf der anderen einführen. Diese Option hält sich auch das Ordnungsamt offen, heißt es auf Nachfrage. „Wir beobachten in den nächsten Wochen aber erstmal die Verkehrslage.“ Romy Ebert-Adeikis

Ein Streifen für alle

Eine Straße mit Multifunktionsstreifen soll von Fußgängern, Rad- und Autofahrern gleichberechtigt benutzt werden. Das heißt: Fußgänger dürfen auf der Fahrbahn laufen, Autos auf den fast niveaugleichen Randstreifen fahren und parken. Das Konzept gilt im Straßenbau als hochmodern. In der Straßenverkehrsordnung gibt es dieses Konzept aber noch nicht. Dort gelten die Randstreifen weiterhin als Gehweg.

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