Gedenken an Star-Autor

Es war einmal: Mirok Li, der „Thomas Mann Koreas“ lebte einst in Gräfelfing

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Joon-Kun Song (re.) und Jörg Friedrich (li.) setzen sich für eine Erinnerung an den koranischen Autor Mirok Li im Würmtal ein.

Gräfelfing - Nur wenige kennen ihn: Mirok Li - Koreanischer Star-Autor und Pflichtlektüre in dortigen Schulen - Ein Gedenkort soll jetzt an seine Werke und Taten erinnern

In Südkorea ist er Schulliteratur – im Würmtal kennen ihn nur wenige. Dabei lebte der Schriftsteller und Zoologe Mirok Li bis zu seinem Tod fast 20 Jahre lang in Gräfelfing. Sein Grab am Gräfelfinger Friedhof wird jedes Jahr im März Schauplatz einer koreanischen Ahnenzeremonie. Jetzt soll für den engen Freund des Weiße-Rose-Freiheitskämpfers Kurt Huber auch in der Gartenstadt selbst ein Gedenkort errichtet werden.

Da Li’s Wohnhaus in der Aki­lindastraße nicht mehr existiert, habe man sich für eine Gedenkplakette stark gemacht, erklärt Jörg Friedrich von der Mirok Li Gedächtnisgesellschaft in München. Anfang Mai waren Vertreter der koreanischen Gedächtnisgesellschaft extra nach Gräfelfing gekommen, um einen geeigneten Standort auszusuchen. Diese wolle die Plakette mit Text und Symbolen auch finanzieren. Sie habe laut Friedrich aber auch andere Wirkungsorte Li’s – etwa Würzburg – im Auge.

Für Gräfelfing hat sich die Gedächtnisgesellschaft letztlich mit der Gemeinde darauf geeinigt, die Plakette an der westlichen Böschung in der Professor-Kurt-Huber-Straße aufzuhängen. Am Dienstagabend diskutierte der Gräfelfinger Kulturausschuss den Vorschlag – eine Entscheidung stand zu Redaktionsschluss noch aus.

Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG) begrüßt die Plakette jedenfalls ausdrücklich. „Mirok Li ist für Koreaner wie Thomas Mann für uns, deswegen bin ich dazu gern bereit. Es kommen wegen ihm ja auch immer wieder Touristen zu uns“.

Das bestätigt auch Joon-Kun Song, der Vorsitzende der Mirok Li Gedächtnisgesellschaft München. „Manchmal kommen in einem Monat zehn Koreaner“, sagt Song. Sogar eine Schulklasse habe er schon empfangen.

In München selbst richtet der Verein gerade einen Gedenk­raum für Mirok Li ein. Zahlreiche Fotos hängen an der Wand in dem ehemaligen Geschäft in der Leopoldstraße 116. Auch eine goldene Büste und Li’s Bücher stehen dort bereit. Noch in diesem Jahr soll der Raum ein koreanisches Kulturzentrum werden – mit Lesungen, Seminaren, Ausstellungen und anderen deutsch-koreanischen Veranstaltungen.

Romy Ebert-Adeikis

Wer Fotos oder Dokumente des Autors oder Erstausgaben seiner Bücher besitzt, wird gebeten, sich an Vereins-Kassenwart Jörg Friedrich, j_friedrich71@hotmail.com, zu wenden. Er vermittelt auch Besuchstermine für den Gedenkraum.

Mirok Li und sein Leben

Der koreanische Star-Autor Mirok Li - auch der „Thomas Mann Koreas“ genannt - lebte von 1931 bis 1950 in Gräfelfing.

Mirok Li, geboren 1899 in Haeju (heute Nordkorea) ist 1919 über Shanghai nach Deutschland geflüchtet, nachdem er gegen die japanische Besatzung Koreas protestiert hatte. Nach Stationen in Münsterschwarzach, Würzburg und Heidelberg studierte er ab 1925 Zoologie in München. Dort kam er in Kontakt mit dem Gräfelfinger Professor Kurt Huber, zog 1931 nach Gräfelfing zu seinem Förderer Alfred Seyler in die heutige Akilindastraße.

1943 gründete er den Gräfelfinger Schriftstellerkreis „Montags-Kolloquium“. Drei Jahre später erschien sein Erstlingswerk „Der Yalu fließt“ über seine Sicht auf Korea aus dem Exil – auf Deutsch. Weitere bekannte Bücher sind „Vom Yalu bis zur Isar“ über seine Flucht oder „Iyagi“. Ab 1948 lehrte Li an der Universität München Koreanisch und Literatur Ostasiens und galt als Kulturmittler zwischen Ost und West. Mirok Li starb 1950 an Magenkrebs in Gräfelfing.

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