Vorrangflächen an der Autobahn

Wichtige Themen hatte der Brunnthaler Gemeinderat zuletzt auf der Agenda. Über die Haushaltsberatungen – erwartet wird ein Haushaltsloch von rund 850.000 Euro für das laufende Geschäftsjahr – haben wir in einer der letzten Ausgaben berichtet. Generierte Einnahmenpotentiale kämen da höchst willkommen. Die Zukunftstechnologie Windkraft soll auch für die Kommune Brunnthal ein solcher Einnahmequell werden. Doch noch sind viele Fragen offen. Details eines Flächengutachtens immerhin wurden jetzt im Gemeinderat präsentiert.

Obgleich im Zuge der Planungen und Verhandlungen beim Zukunftsthema Windkraft auch in Brunnthal derzeit noch viele Fragen offen sind: sicher ist, dass die Thematik endgültig auch in der Flächengemeinde richtig angekommen ist. Die Frage „ob“ solche Anlagen in den kommenden Jahren die Silhouette um Brunnthal mit prägen werden, ist angesichts der staatlichen Vorrangplanung längst geklärt. Nun gilt es besonders die Fragen „wo?“ und „wie?“ zu klären. Hier ist auch die Gemeinde in früher Planungsphase zu eigener Mitwirkung aufgefordert, will man sich die bis zu 170 Meter hohen Wind-Anlagen nicht ohne eigene Mitsprache vor die Nase setzen lassen. Windparkregelungen im Dialog mit den Nachbargemeinden sind gefragt, die Ausweisung sogenannter Konzentrationsflächen soll den Wildwuchs an „Windmühlen“ anderswo eindämmen. Im Gemeinderat wurden jetzt erste Ergebnisse eines vonseiten des Brunnthaler Rathauses in Auftrag gegebenen Flächengutachtens präsentiert. Zu weiteren wesentlichen Aspekten neben der reinen Standortanalyse – etwa dem Vogelschutz oder der Wirtschaftlichkeit ausgewählter Areale – sollen weitere Expertisen folgen. Dabei liegt aber besonders auch die Standortmesslatte hoch: mindestens 800 Meter Abstand von der nächsten Wohnbebauung sollen die Anlagen aufweisen, mindestens ebenso großzügige Distanzen zu Sportanlagen oder Richtfunkstationen. Dazu soll auch die künftige Siedlungsplanung in der Flächengemeinde Brunnthal mit einbezogen werden – Windkraftanlagen sollen also nicht in der Nähe potentieller Neubauareale entstehen. „Windpark“-Varianten Basierend auf dem Gutachten zeichnen sich mögliche Flächenkonzentrationen schon einmal ab: Variante eins sieht Windradreviere entlang der Autobahn A8 entlang des Grünwalder und Deisenhofener Forstes vor – ein potentieller Standort, der auch im Gemeinderat aufgrund ortsferner Lage viele Befürworter fand. Mehr Dissens dürfte bereits Variante zwei aus dem Gutachten verursachen: Ein rund 30 Hektar großes Gelände südlich von Neukirchstockach im Umgriff der Firma Ganser. „Dort würden wir der Gemeinde gerne einen solchen Windpark ersparen“, unterstrich Bürgermeister Stefan Kern (CSU). Der Rathauschef zeigte sich aber überzeugt, mit den Optionen entlang der Autobahn seien „erst einmal genügend Flächenstücke ausgewiesen““. Erst Zug um Zug könnten dann neue Auswahlgebiete hinzukommen. In der Diskussion ist hier auch ein Flächenstück nordwestlich von Otterloh, das Kern in die Planungen miteinbezogen wissen möchte. Derzeit aber wird noch eifrig geprüft und getestet. Denn große Teile der Konzentrationsflächen tangieren regionale Landschaftschutzgebiete oder liegen sogar mitten drin – wie bei der Option Hofoldinger Forst. Vor Monaten noch wäre eine solche Lage per se ein echtes Ausschlusskriterium für die Installation von Windrädern gewesen. „Doch da gibt es mittlerweile einen Erlass, der dieses absolute Verbot aufhebt“, hat Kern erfahren. Details würden derzeit von der Unteren Naturschutzbehörde geprüft – ebenso wie die noch offene Frage der militärischen Tiefflugzonen im Forst. „Da sind Ergebnisse erst in geraumer Zeit und im Laufe des Verfahrens zu erwarten“. Ebenso Vogelkundlerisches: denn nicht nur militärische Jets „flattern“ über den Forst – auch der seltene „Rote Milan“ und andere gefiederte Freunde gleiten hier über die Wipfel. „Das wäre möglicherweise ein echtes Ausschlusskriterium“, so Kern. Bliebe noch die Frage der Wirtschaftlichkeit: während die Gutachter bei der Präsentation im Gemeinderat Zweifel hegten, ob Windkraftanlagen des heutigen technischen Zuschnittes bereits rentabel seien, sehen andere die Wirtschaftlichkeit der Anlagen aktuell bereits als gegeben. Die Brunnthaler Bürgerbeteiligungsgesellschaft als ein möglicher Betreiber hatte ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. „Danach ist diese Wirtschaftlichkeit auf ausgewählten Flächenstücken durchaus gegeben“, folgerte Kern. Dennoch es bleiben – noch – viele Fragen offen. In Kürze plant die Gemeinde deshalb im Zuge der weiteren Beteiligung der Öffentlichkeit auch eine zweite Informationsveranstaltung zum Thema. Vielleicht gibt es dann ja auch bereits mehr Windkraft-Antworten als Fragen. Harald Hettich

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