Opposition schließt sich zusammen

Vierparteien-Bündnis in Brunnthal will Jürgen Gott aus Hofolding als Bürgermeister

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Jürgen Gott (2.v.r.) soll in Brunnthal nach Wunsch der Opposition Bürgermeister werden. Manfred Pantschur (PWB), Helmut Vorleitner (UBW), Siegfried Hauser (PWB), Hilde Miner (Grüne) und Anouchka Andres (v.l.) haben sich dafür zusammengetan.

Sie wollen es dieses Mal wissen. Bei der Kommunalwahl 2020 will Jürgen Gott als gemeinsamer Kandidat eines breiten Bündnisses aus Parteien und Gruppierungen den seit 2002 amtierenden Brunnthaler Bürgermeister Stefan Kern (CSU) aus dem Amt kegeln. Bei seiner offiziellen Vorstellung sagten PWB, UBW, SPD und Grüne dem gemeinsamen Bewerber um den Rathaus-Chefsessel ihre Unterstützung zu. Nach eigenem Bekunden rechnet sich die breite Oppositionsfront gute Chancen für den kommunalen Machtwechsel am Forst aus.

Neben einem klaren Bekenntnis Gotts zu einem vernünftigen Mix aus Ökonomie, Ökologie und kommunikativem Miteinander fiel die Kritik an Amtsinhaber Kern stellenweise heftig aus. Der Kommunalwahlkampf in der Flächengemeinde scheint bereits jetzt eröffnet. Mit Annette Ganssmüller-Ma­luche (SPD), Christoph Nadler (Grüne) und Florian Ernst­berger (FW) war auch Unterstützung aus dem Kreistag gekommen. Das Korsett einer rührigen, aber aufgrund der aktuellen Mehrheitsverhältnisse an enge Grenzen stoßenden Oppositionspolitik wollen die „Brunnthaler 4“ abstreifen. Nach haushohem Wahlerfolg 2014, als 71,8 Prozent der Gemeindebürger Kern gegen seine damalige SPD-Herausforderin Anouchka Andres im Amt bestätigt hatten, will eine geeinte Rathausopposition jetzt den Umschwung mit Macht. „18 Jahre sind genug“, so der Slogan. Der Kandidat selbst spannte gleich einen weiten Bogen. Umfangreich beschrieb Jürgen Gott seine bisherige Vita. Der Inhaber des gleichnamigen Riemerlinger Autohauses erzählte von den „motorischen Anfängen“ seiner Familie mit einer Waldperlacher Tankstelle. 

Längst ist dieser Betrieb nach diversen Ortswechseln entscheidend gewachsen. Im Falle eines Wahlsieges des in zweiter Ehe verheirateten, dreifachen Vaters will der 54-Jährige die Verantwortung im Betrieb an seine beiden dort beschäftigten Söhne übergeben. An der Schnittstelle von Business und Politik wirkt Gott als Vorsitzender des Gewerbeverbands Hohenbrunn bereits seit über einem Jahrzehnt. Jetzt hat der seit 1980 in Hofolding Lebende politisch Lunte gerochen. „Hier bin ich“, präsentierte er sich einem Zirkel der Unterstützerfraktionen. Sein Programm hat klare Eckpunkte. „Die Finanzstärke einer Gemeinde ist Grundlage für ihren Wohlstand“, betont er. Viele aktuelle Ausgaben seien „nicht nachvollziehbar“. Stattdessen gelte es, einen engen Dialog mit den Firmen zu führen, bei „Jahresgesprächen“ deren Wünsche und Befindlichkeiten abzuklopfen. Große Gewerbesteuerzahler müssten unbedingt gehalten werden. „Es darf keine Abwanderungen wie zuletzt die Firma Ganser mehr geben“, betonte der Kandidat. Gott will eine „Mitmachgemeinde“ anstelle reiner Rathausdoktrin. Einen „engen Dialog“ mit allen verspricht der frisch Gekürte PWB-Mann auch bei der Ökologie. „Kein Neuperlach“ stellt er sich nicht nur mit Blick auf den wachsenden Münchner Speckgürtel, sondern auch beim Wohnbau vor. Dafür einen „harmonischen Mix mit Fingerspitzengefühl“ zwischen Heimatperspektive und Wohnraumnot. Einen Seitenhieb gönnte sich Gott mit Blick auf die aus Oppositionssicht landkreisweit größte Personalfluktuation im Brunnthaler Rathaus bereits in Richtung seines Konkurrenten Kern. „Das gibt es bei mir im Betrieb nicht.“

Mit Kritik am Amtsinhaber sparten auch die Unterstützer nicht. „Keine Selbstkritik und geringe Effektivität“ unterstellte PBW-Gemeinderats-Fraktionschef Siegfried Hauser dem amtierenden Bürgermeister. „Wir brauchen dringend einen Wechsel und frisches Blut“. Der Projektstau müsse unter neuer Flagge abgearbeitet werden. „Ernüchternd“ fand SPD-Gemeinderätin Anouchka Andres die „in vielen Projekten unprofessionelle und perspektivlose Amtsführung“ Kerns. „Ein Miteinander statt Gegeneinander“ beschwor UBW-Vorstand Helmut Vorleitner. UBW-Kollege Matthias Amtmann stellte gleich auch einen gemeinsamen Antrag vor. Beim anstehenden Bau der Real­schule Höhenkirchen müsse mit Blick auf Brunnthaler Nöte beim erweiterten Turnhallenbau auch genügend Raum für die Nöte der heimischen Vereine geschaffen werden. „Eine Mehrzweckhalle in Brunnthal“ liege ja derzeit wegen „überdimensionierter Projekte anderswo“ wie bei der Ortsmitte auf Eis. Im Juni soll der Vorstoß des TSV-Vorsitzenden für eine Vierfachturnhalle in Höhenkirchen auf die Tagesordnung des Gemeinderates. Jürgen Gott ist dann noch nicht dabei. 2020 könnte sich dies ändern.

Harald Hettich

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