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Im Strudel des Entsetzens

Das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte wurde jetzt in der Neubiberger Bundeswehruniversität aufgeschlagen: Auf Einladung der studierenden Offiziere sprach der KZ-Überlebende Salo Wolf über das Grauen in Krakau und dem Konzentrationslager im österreichischen Mauthausen. Dass er überlebte, verdankte Wolf seinen handwerklichen Fähigkeiten – und vielen glücklichen Zufällen.

Er hat den Holocaust und die Hölle des Dritten Reichs überlebt – und es dann doch geschafft, nach 1945 ein halbwegs normales Leben zu führen. Er hat den Verbrechern ins Auge geschaut, den Geruch verbrannter Leichen in den Konzentrationslagern geatmet – und es doch geschafft, keinen Hass gegen die Deutschen zu empfinden. 1960 kehrte er ins Land der Täter zurück, heiratete dort, bekam einen Sohn. „Ich wollte keine Rache, ich wollte Gerechtigkeit im Sinne Simon Wiesenthals“, sagt der KZ-Überlebende Salo Wolf. Die Sätze im Kasino der Neubiberger Bundeswehruniversität sind von einer bedrückenden Klarheit. Wolf spricht sie in einem warmen, fast geschmeidigen Tonfall, dem man das häufige Erzählen anhört. „That’s my story“, beendet er nach einer Stunde den Vortrag ein wenig verlegen angesichts der Stille, die sich im Saal ausbreitet. Die Schilderungen des Mannes mit der schwarzen Hornbrille und den spärlichen grauen Haaren – sie könnten direkt aus der Hölle stammen. Wenn das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte in den Schulen aufgeschlagen wird und Zeitzeugen dort ihre Lebensgeschichte schildern, dann könnte kein Geschichtsunterricht besser vermitteln, was damals geschehen ist. Alles gerät in den Strudel eines bangen Entsetzens: Es ist, als würde ein Stück Apokalypse unvermittelt in die Normalität hineingetragen. Die Nazi-Gräuel sind auch 65 Jahre nach Kriegsende so unfassbar, dass das Nachdenken darüber regelrecht religiöse Züge angenommen hat, wie Dietrich Schwanitz in seinem berühmten Buch „Bildung – alles, was man wissen muss“, geschrieben hat. Einer der Zeitzeugen ist der 84-jährige Wolf: Auf Einladung der Initiative „Studentischer Konvent“ und des „Deutsch-Israelischen-Arbeitskreises“ der Neubiberger Bundeswehruniversität schilderte der 84-Jährige im Kasino seine Erlebnisse in der Hitler-Zeit. Eigentlich hätte die 81-jährige KZ-Überlebende aus Israel, Halina Birenbaum, sprechen sollen, sie musste jedoch wegen Krankheit absagen. Fünf Jahre Todesangst Das Martyrium des 1925 in Oberschlesien geborenen Juden beginnt am 1. September 1939, als die deutschen Truppen in Polen einfallen. Die Familie flüchtet noch am gleichen Tag, zuerst geht es nach Ostpolen an die russische Grenze, dann zurück nach Krakau im Westen. Der Vater glaubt, dass es „schon nicht so schlimm werden wird“, wie Wolf erzählt. Schließlich war man mit deutscher Kultur aufgewachsen: Im Land von Goethe, Schiller und Beethoven, so dachten viele, würden menschliche Bestialitäten keinen Nährboden finden. Eine folgenreiche Fehleinschätzung, wie der damals 14-Jährige bald zu spüren bekommen sollte: „Der Entschluss war das Todesurteil für meine Familie.“ Es folgten fünf Jahre der systematischen Erniedrigung und Demütigung: Wolf musste mit ansehen, wie im KZ Plaszów bei Krakau Tausende seiner Landsleute ermordet wurden. Dessen Leitung hatte der berüchtigte und aus dem Film „Schindlers Liste“ bekannte SS-Mann Amon Göth inne. Wolf selbst hatte Glück im Unglück: Dank seiner handwerklichen Fähigkeiten wurde er in einem „Instandsetzungsbetrieb“ als Schreiner eingesetzt und musste Möbel reparieren. Am 8. Juni 1943 wurden seine Eltern und seine beiden Brüder deportiert. Sie starben noch am gleichen Tag in der Gaskammer. Im August 1944 wurde der Sohn zusammen mit rund 100 anderen Häftlingen in einen Viehwaggon gepfercht und ins Konzentrationslager Mauthausen in Österreich transportiert. Dass er dort, wie so oft, die zahllosen Torturen überleben würde, hatte auch viel mit Glück zu tun. So sollte der von Peitschenhieben schwer verletzte und deswegen arbeitsunfähige Häftling eigentlich in einem Fass mit kaltem Wasser ertränkt werden. Wolf stand schon in der Reihe vor den Bottichen und wäre als Nächster drangekommen. Da öffnete sich die Tür zur Baracke, der Blockälteste trat ein und pfiff die SS-Männer mit dem Hinweis zurück, dass Wolf vermutlich noch arbeiten könne. Ein Trick des Mannes, wie sich später herausstellen sollte – um ihn vor dem Tod zu bewahren. In mehrtägigen Fußmärschen geht es über Linz nach Niederösterreich, wo der inzwischen völlig ausgehungerte Wolf in einem Kraftfahrzeugbetrieb eingesetzt werden sollte. Inzwischen – es war Anfang Mai 1945 – hatten die Amerikaner die meisten österreichischen Städte erobert. Wolf brach am 5. Mai vor Erschöpfung auf einem Feld zusammen und wachte am 8. Mai, dem Tag der Befreiung Hitler-Deutschlands, in einem Krankenhaus wieder auf. Er wog 39 Kilo. Rafael Sala

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