Streit der Ottobrunner Fußballer eskaliert

Es rumort gewaltig im Fußballreich am Ottobrunner Haidgraben. Während die erste Mannschaft des TSV aussichtsreich im Meisterschaftsrennen liegt und den Aufstieg in die Bezirksliga anstrebt, der Jugendfußball mit 415 Nachwuchskickern rund um das Trainingsgelände mitsamt des neuen Kunstrasens prosperiert, scheppert es hinter den Kulissen gewaltig. Die Konfrontation zwischen führenden Vereinsvertretern ist jetzt an einem Höhepunkt angekommen: Eine Gruppe um Jugendleiter Edmund Schmidt hat dem Verein die Gefolgschaft aufgekündigt und einen neuen Club aus der Taufe gehoben: ab 1. Juli will der neu gegründete FC Ottobrunn 2012 an den Ligastart gehen.

Doch die Konfrontation reißt nicht nur Gräben im örtlichen Fußball – die heftigen Eruptionen sind mittlerweile auch im Ottobrunner Rathaus angekommen. In einem offenen Brief an die handelnden Akteure in diesem Ränkespiel spricht sich Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) mit deutlichen Worten für eine Entschärfung der Situation aus. Ein Krisengipfel an diesem Montag im Ottobrunner Rathaus mit Bürgermeister Loderer und Vertretern der Streitfraktionen brachte aber offenbar eine Annäherung der Streitparteien. „Es wurden Lösungsmodelle vorgestellt, der Dialog soll noch intensiviert werden", verlautete vonseiten des TSV. Es ist zudem geplant, in drei Wochen nach Ostern ein weiteres Treffen durchzuführen. Bürgermeister Loderer war am Dienstag vorab für eine Stellungnahme jedoch nicht zu erreichen. Tiefe Gräben Doch der Reihe nach: Im Winter hatte eine Gruppe um Jugendleiter Edmund Schmidt versucht, die Abteilungsleitung mit Oliver Laumeyer an der Spitze im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zu stürzen, war aber an Quorum und Satzung gescheitert. Nach Meinung der Abtrünnigen werde die Jugendabteilung des Vereins nicht ausreichend finanziell ausgestattet, Überschüsse des Nachwuchses zudem für den Erwachsenenbereich abgeschöpft. Gesamtvereinsvorstand Franz Gerhard hatte damals versucht, die Wogen zu glätten. Am Ende vergeblich: auf Nachfrage von HALLO ging Schmidt davon aus, dass sich 75 bis 80 Prozent der TSV-Fußballjugend die Kickerstiefel ab 1. Juli für den neuen Verein schnüren. Doch die Antwort, wo der neue Verein seine Trainingseinheiten und Spiele künftig ausrichten möchte, bleibt dieser Tage offen. Schmidt hält eine friedliche Koexistenz der beiden Vereine auf dem gleichen Gelände bei der Aufteilung der Kosten und Trainingszeiten für möglich, ja geboten. „Wenn der TSV 75 Prozent seines Nachwuchses verliert, werden Kapazitäten frei, die vergeben werden müssen.“ Eine andere Sichtweise herrscht beim TSV vor: „Uns werden nicht so viele Kinder und Jugendliche verlassen“, glaubt Laumeyer. „Die wollen schließlich spielen – und für die Plätze garantieren wir.“ Zudem: „Wir haben einen seit 2011 bestehenden 17-Jahresvertrag mit der Sportpark GmbH, in dem alle Details zu Trainingszeiten und Spielen fix festgelegt sind – daran kann auch Herr Schmidt nicht rütteln“, betont der Fußball-Chef Laumeyer. „Fakt ist, dass Verhandlungen über die Plätze und deren Vergabe über uns zu laufen haben.“ Ein Entgegenkommen sei derzeit (noch?) nicht abzusehen. „Ich wüsste nicht, warum, nachdem Herr Schmidt und seine Mitstreiter massive Abwerbung betreiben.“ Vereinsvorstand Gerhard sieht dies ebenso: „Die Plätze sind ausschließlich an den TSV vermietet“. Mehr noch: „Wir wollen vereinsschädigendes Verhalten wie das von Herrn Schmidt nicht auch noch würdigen“, kündigt sich von der TSV-Spitze eine harte Gangart an. Finanzielle Vorwürfe Edmund Schmidt macht für das Vorgehen seiner Gruppierung aus seiner Sicht massive Gründe ausschlaggebend. „Der Überschuss von 30- bis 40.000 Euro, den die Jugendabteilung erwirtschaftet, wird für die Deckung der Defizite im Erwachsenenbereich verwandt“, will Schmidt den Rechenschaftsberichten von Kassiererin Susanne Süß entnommen haben. „Die Abteilung zahlt wiederum Erfolgsprämien von rund 20.000 Euro an die Spieler der ersten Mannschaft – und das aus dem Etat eines gemeinnützigen Vereins.“ Laumeyer sieht sich von solchen Anwürfen verunglimpft, weist Anschuldigungen als haltlos zurück spricht gar von Verleumdung. „Wir haben alle Zahlen offen gelegt, nach Studium der Rechnungsprüfer wurde die Abteilung am 30. Juni 2011 entlastet.“ Schmidt versäume es aus Laumeyers Sicht zudem, den Verein als Gesamtkonstrukt zu begreifen. „Geld fließt hier in alle Bereiche – die Jugend hat erst zuletzt auf ausdrücklichen Wunsch Schmidts eine neue Fußballtennisanlage für 2.500 Euro bekommen“, rechnet er vor. Punkteprämien für die erste Mannschaft seien im Umkehrschluss in der Kreisliga „legitim und normal“. TSV-Kritik an der Gemeinde Vereinschef Gerhard sieht den Vorstoß der Abtrünnigen schlecht vorbereitet und in der Art der Geheimhaltung bis zuletzt auch als „verwerflich und vereinsschädigend“. Dennoch hat er auch einen weiteren Schwarzen Peter ausgemacht. „Die Gemeinde betreibt mit Blick auf die Fußballer des TSV nur Mangelverwaltung – Zuschüsse auf der einen Seite werden von den umfangreichen Abgaben an die Kommune zurück fast aufgefressen“, geht er mit der Politik im Rathaus scharf ins Gericht. Im Rathaus verstünden einige Herrschaften nicht, dass der Verein mit seiner Jugendarbeit auch aktive Sozialarbeit betreibe und eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe erfülle. „Das wird nicht gewürdigt!“ Stattdessen habe der TSV noch zusätzlich an der gewaltigen Kostenbeteiligung beim Kunstrasen in Höhe von 70.000 Euro zu knabbern. „Die schlechte Finanzausstattung ist ein Problem, das endlich angegangen werden muss“, so Gerhard. Rathaus-Reaktion „Die öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen bezüglich der Verteilung der zur Verfügung stehenden Finanzmittel innerhalb der Abteilung Fußball des TSV Ottobrunn schaden dem Ansehen des Ottobrunner Sports“, schreibt Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) in einem offenen Brief, der auch an die Redaktionen im Landkreis versandt wurde. „Die größten Verlierer dieser Auseinandersetzung sind jedoch die Fußball spielenden Kinder und Jugendlichen, um deren Wohl es Ihnen doch allen geht“, verlieh Loderer seiner Hoffnung auf ausreichende Berücksichtigung der jungen Menschen Ausdruck. „Ich appelliere eindringlich an Sie, die öffentliche Auseinandersetzung zu beenden und sich zu einem Gespräch zusammen zu finden mit dem Ziel aus der aktuellen, verfahrenen Situation herauszukommen (…).“ Gespräche laufen nun offensichtlich - vielleicht auch in die richtige Richtung. Fehlende Kommunikation scheint jedoch nicht das einzige Problem des TSV Ottobrunn in diesen Tagen zu sein. Reichlich Gespräche – überschaubare Hoffnung Immerhin: TSV-Boss Gerhard hatte indes zum Informationstreffen eingeladen: Beruhigung der Spieler-Eltern stand auf dem Programm. Schließlich leiden Eltern und Fußballerkinder am allermeisten unter dem Zerwürfnis mit unsicherer Zukunftsperspektive für viele. Die Gaststätte Walfino war zwar am Freitag voriger mit 200 Besuchern prall gefüllt. Konkrete Ergebnisse, geschweigedenn eine Schlichtung und Verhinderung der Spaltung war dort nicht in Sicht. Immerhin: Wie eingangs erwähnt scheint das Tischtuch zwischgen den Handelnden Atkeuren noch nicht völlig zerschnitten. Weitere Gespräche sollen ausloten, wie eine Spaltung des Vereins noch zu verhindern wäre. Für Diskussionsthemen dürfte reichlich gesorgt sein, die Gräben sind tief. Weiterhin gilt: TSV gegen FC - Derbystimmung einmal anders. Harald Hettich

Auch interessant:

Kommentare