Im Verkehrschaos des Speckgürtels

SPD-Themenabend „Unterbiberg im Blickpunkt“

Basispolitik: Ruhig und sachlich stellte sich Neubibergs zweiter Bürgermeister Volker Buck (re.) beim SPD-Themenabend auch kritischen Bürgernachfragen.
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Basispolitik: Ruhig und sachlich stellte sich Neubibergs zweiter Bürgermeister Volker Buck (re.) beim SPD-Themenabend auch kritischen Bürgernachfragen.

Wichtige Ortsthemen standen beim Themenabend „Unterbiberg im Blickpunkt“ im Saal der Sportgaststätte Minoa im Fokus. Dazu eingeladen hatte die örtliche SPD. Doch: Nur wenige Neubiberger folgten der Einladung.

Den Anfang des SPD-Themenabends machte der zweite Bürgermeister Volker Buck mit einem Vortrag zu den Brandthemen Verkehr und Gewerbehaus in Unterbiberg. Kritisiert wurde eine aus Sicht der SPD allzu starre Haltung des Nachbarn Bundeswehr in mancher Sachfrage. Von Polemik und Parteienstreit war dabei allerdings nichts zu spüren: Thematisiert wurde die Ortsplanung als vornehmlich überparteiliche Aufgabe – auch wenn der tatsächliche Handlungsspielraum der Gemeinde ähnlich gering wie der Publikumsandrang beim SPD-Abend sein dürfte. Beim Thema Gewerbehaus-Planung an Zwergerstraße auf der Brachfläche zwischen Marktplatz und Haupttor der Bundeswehr (HALLO berichtete) plagt sich der nunmehr dritte Bauherr mit der inzwischen 14. Teiländerung des Bebauungsplans vergeblich ab, das für die Gemeinde so wichtige, aber ob des Umfelds eher passive Gewerbe auch wirklich dort unterzubringen. „Seit sieben Jahren dauert dieser Prozess an, man kommt nicht wirklich voran“, räumte Volker Buck ein. Mit seinen Ratskollegen Gregor Röslmaier, Tobias Heberlein und Maria Weiß sowie Vertretern aus dem Ortsverein war er ebenso ratlos in der Sache wie auch der Gemeinderat. Der hatte im Frühjahr einer generellen Wohnwidmung zugestimmt — und lediglich die bauplanerischen Rahmenbedingungen auch für künftige Gewerbeanstrengungen belassen.

Kontrovers wurde es, als ein Unterbiberger die Frage aufwarf, warum es dort kein weiteres Café geben könne? „Es wurde alles versucht“, erklärten Buck und seine Parteikollegen. „Wir haben nur ein Café weit und breit, dafür aber einen Verkehr wie am Stachus“, entgegnete ein Anwohner des Marktplatzes. „Ich bin nicht einverstanden, dass den Bürgern wenig zugetraut wird – man muss sie mehr fragen“, befand er. Ihm komme es so vor, dass im Gemeinderat der „große Klüngel“ herrsche.

Eine Behauptung, der der SPD-Ortsvorsitzende Heberlein energisch entgegen trat: „Wir arbeiten im Rat kontrovers, aber ordentlich zusammen: Das muss man sich im zeitintensiven Ehrenamt nicht gefallen lassen“, rief er dem Mann zu. Der nahm seinen Vorwurf umgehend zurück, stellte gar seine Gastro-Forderung in Frage. Die Einladung, sich doch selbst mal im Gemeinderat ein Bild zu machen, nahm der Mann an.

Wenig Gastronomie, aber Verkehr wie am Stachus 

Beim Thema Verkehr in und durch Unterbiberg war bei den Teilnehmern der Veranstaltung viel Einmütigkeit, aber auch Hilflosigkeit zu spüren. „Das Dilemma ist die Südanbindung Perlach, die eigentlich das neue Wohngebiet Vivamus in Unterbiberg ans Verkehrsnetz anschließen sollte und nach über 30 Jahren der Diskussion nicht realisiert wird“, fasste Buck zusammen. Weil der große Nachbar München nun vor allem Wohnbau entwickeln müsse und sich nicht mit den Anwohnern im neuen Neuperlach anlegen wolle, liege die Südanbindung (SAP) auf Eis. „Endgültig“, schallte es aus dem Saal. „Die Stadt hat sich nicht an die Absprachen gehalten“, so Buck. Folge: Der Verkehr zwischen Unterhachinger Straße und Carl-Wery-Straße in Perlach und nach Neubiberg werde vorrangig über Unterbiberg abgewickelt — falsche Autobahn-Ausfahrtsbeschilderung inklusive.

Die Gemeinde könne nur im kleinen Stil an den kleinen Stellschrauben drehen. Zwar werde laut Buck im eigenen Rathaus am „eigenen Strukturkonzept“ gebastelt. Doch während die Stadt München mit der sukzessiven Umwandlung des riesigen Löwenbräu-Areals entlang der Unterhachinger Straße neue Wohn-, Gewerberealitäten und damit auch Verkehrsrealitäten schaffen wird und Neubiberg als Grundeigentümer dort eher Juniorpartner ist, bleibt den Vorstädtern laut Buck lediglich Schadensbegrenzung: Der wechselweise Einbau und Abbau von Straßenverengungen („Nasen“) und deren gutachterliche Betrachtung über die Auswirkungen auf den mehr oder minder gehemmten Verkehrsfluss etwa.

Verkehrliche und Emissionsbelastungen am Hachinger Bach bleiben vielerorts, der Marktplatz ist weit von einer Verkehrsberuhigung entfernt. „Die Bundeswehr ist nicht bereit, sich zu bewegen“, kritisierte Heberlein im vergrößerten Zusammenhang. Das gemeinsam angestoßene Projekt, künftig mehr Uni-Pkw-Verkehr über ein aufgewertetes Osttor an Unterbibergs Kern vorbeizuleiten, komme nicht so recht in Gang. „Eine Sauerei“ sei dies, so Heberlein. Zumal sich die derzeitige Verkehrsdrittelung – Anwohner, Bundeswehr, Durchgangsverkehr – aufgrund weiterer Bundeswehr-Ausbauten wohl deutlich in Richtung Bundeswehr verschiebe. Von der Bundeswehr komme da aber nichts, so das Fazit. Schwierig sei die Lage auch im Osten. Denn rund um die Bundeswehr entstehe neue Wohnbebauung. Von einem möglichen Parkhaus „Auf der Haid“ wusste Buck zu berichten.

Klingt nicht nach verkehrlicher Entlastung auf Dauer. Unterbiberg steckt im Verkehrschaos des Speckgürtels einer rasch wachsenden Millionenstadt und einer künftig als Cyber-Zentrum agierenden Bundeswehr fest. 

Harald Hettich

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