Ein Herzensprojekt, das zusammenschweißt

So sieht das neue Fahrzeug des Athene Racing Team der Bundeswehr-Uni Neubiberg aus

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Das Athene Racing Team präsentiert stolz sein neuestes Fahrzeug „Hyperion“.

Neubiberg – Der Geruch, der Sound, die Fahrzeuge, aber auch das Mitfiebern und die Emotionen – all das fasziniert Marie Görg, Studentin an der Bundeswehr Universität Neubiberg, schon seit Kindheitstagen am Motorsport. Diese Leidenschaft wurde ihr quasi in die Wiege gelegt: „Meine Mutter bekam 1996 die Wehen, während sie mit meinem Vater das Qualifying zum Großen Preis von Australien

in Melbourne im Fernsehen schaute.“ Die Nähe von Görgs Heimatort zum Nürburg­ring machte es dem Vettel-Fan außerdem möglich, regelmäßig Rennen zu besuchen.

Da ist es kaum verwunderlich, dass die Studentin dem Athene Racing Team der Uni Neubiberg beigetreten ist. Der eingetragene Verein wurde 2011 gegründet und hat derzeit ungefähr 40 Mitglieder. Die Studenten fertigen jedes Jahr in Eigenregie einen Formelrennwagen, mit dem sie im Rahmen der Formula Student, einem internationalen Konstruktionswettbewerb für Studenten, antreten. Die junge Frau ist aber nicht nur Mitglied, sondern auch die Teamkapitänin. In dieser Funktion hielt sie Mitte November eine Rede zur feierlichen Präsentation des neuen Fahrzeugs „Hyperion“.

Eine begrüßenswerte, aber in einer männerdominierte Branche ungewöhnliche Position für eine Frau. Das habe zum Teil ganz simple Gründe, erklärt Görg: „Es gab nicht viele, die den Posten übernehmen wollten. Man ist der Ansprechpartner für die Sponsoren und muss viel Organisatorisches machen. Und man trägt die Verantwortung.“ Vorteilhaft sei, dass die Sportwissenschaftlerin anders als viele im Team kein Technikerin ist. „Dadurch fällt es mir leichter, mich auf das Organisatorische zu konzentrieren. Aber deshalb ist es auch sehr wichtig, dass ich mich voll und ganz auf unseren Fahrzeugleiter Marvin Scharf verlassen kann.“

Die Mitglieder von Athene Racing stecken jede freie Minute in das Projekt. Alle Arbeiten werden neben dem Studium erledigt. Einige hätten sogar auf ihren Urlaub verzichtet. „Da wird schon mal mehr Zeit mit dem Team als mit dem Freund oder Freundin verbracht“, erzählt Görg lachend. Als Arbeit sehe das allerdings keiner: „Das ist unser Hobby, unser Herzblutprojekt.“ Und das schweißt natürlich auch zusammen, betont die 23-Jährige: „Wir sind immer für einander da, auch wenn jemand außerhalb des Projektes Probleme hat. Wir sind viel mehr als nur Kameraden, wir sind gute Freunde geworden.“

Ganz nebenbei sammeln die Studenten durch das Projekt wichtige Erfahrungen. „Die Ingenieure bekommen dadurch unheimlich viel Praxis, die es sonst so im Studium nicht gibt“, erklärt die Teamkapitänin. Aber nicht nur das: „Willensstärke und Kampfgeist werden gefördert. Man lernt sich selbst in Extremsituationen kennen und lernt, zu Improvisieren.“

Improvisation – dass das im Rahmen des Projektes immer wieder nötig war, macht Maschinenbaustudent Scharf deutlich: „Da kann man auch schon mal beim Lenken das Lenkrad in der Hand haben.“ Das Team hatte mit einigen Zeitverzögerungen, unter anderem wegen Lieferengpässen von Materialien, zu kämpfen. Letztendlich wurde dennoch alles rechtzeitig fertig. Mit Hyperion stellten die Studenten nun einen 130 km/h schnellen, voll funktionsfähigen Rennwagen vor, der den Regularien der Formula Student folgt. TÜV gibt es dafür nicht, trotzdem sei natürlich alles für die Fahrer sicher, erzählt Werkstattleiter André Otto. Auch das Fahren bei den Rennen übernehmen die Studenten, derzeit sitzen Lukas Hohn und Philipp Czasch am Steuer. Unterstützung erhalten die Studenten von der Uni und Sponsoren, die mit Material, Fachwissen und Fertigungsqualitäten weiterhelfen. Mit Hyperion will die Mannschaft Ende Juli 2020 beim nächsten Wettkampf antreten.

Dabei steht aber nicht der Wettstreit, sondern die Leidenschaft für die Fahrzeuge im Vordergrund. „Es gibt bei den Turnieren überhaupt keinen Konkurrenzkampf. Die Teams helfen sich gegenseitig und geben sich Tipps. Ganz anders als in der Formel 1, wo alles streng geheim gehalten wird“, erzählt Görg. Die junge Frau bleibt voraussichtlich noch bis September 2021 an der Bundeswehr-Uni. Derzeit schreibt sie an ihrer Bachelorarbeit. Danach geht es für sie als Flug­lotsin zur Herresfliegertruppe an einen anderen Standort. Auch wenn sie spätestens dann das Amt der Teamkapitänin weitergeben muss – die Leidenschaft für den Motorsport wird ­bleiben.

Iris Janda

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