Fake News und das interaktive Whiteboard

So sieht die digitale Zukunft für bayerische Schulen aus

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Wer kennt heute noch Schiefertafeln und Griffel? Den meisten Schulkindern dürften sie keine Begriffe mehr sein. Dabei schrieben noch bis Mitte der 1960er Jahre viele Grundschulkinder mit einem sogenannten Griffel auf einer kleinen Tafel. Das Geschriebene ließ sich mit einem kleinen Schwamm schnell wegwischen und schon konnte die Tafel neu beschriftet werden. Eine preisgünstige Alternative zu Stift und Papier. Nicht zu vergessen die große Kreidetafel, auf der Lehrer ihre Tafelbilder aufzeichneten. Diese kennen viele Schüler auch heute noch. Doch wie einst die Schiefertafel und der Griffel wird wohl auch die Ära der Kreidetafel zu Ende gehen, denn die digitale Schule von morgen steht schon in den Startlöchern. Das erklärten Kultusminister Bernd Sibler und Medien- und Digitalminister Georg Eisenreich, als sie die digitalen Pläne für bayrische Schulen präsentieren. Beide machten deutlich, dass das digitale Klassenzimmer nicht mehr bloße Zukunftsvision ist. „Der Stadtrat hat entschieden, in den kommenden Jahren 50 Millionen Euro in die Ausstattung bayerischer Schulen zu investieren“, sagt Eisenreich. „Ziel ist es, möglichst schnell 50.000 digitale Klassenzimmer und möglichst flächendeckend gleiche Standards zu haben.“

50 Millionen Euro werden investiert 

Was zu so einem digitalen Standard gehört, ist zum Beispiel ein interaktives Whiteboard. Viele Klassenzimmer hat die digitale Tafel bereits erobert und es werden noch mehr. Whiteboards sind mit einem Computer verbunden und lassen sich per Fingerdruck oder mit einem kabellosen Stift steuern. In Sekundenschnelle kann der Lehrer so mathematische Formeln und Graphen auf das überdimensionale Touchpad projizieren. Die Welt wird eben schneller und mit ihr auch der Unterricht.

Aber das ist längst nicht alles. Die Minister stellten auch die digitale Lernplattform mebis (Medien Bildung Service) vor. Die Plattform gibt es schon seit zehn Jahren und sie wird stetig verbessert. Auf dieser können Lehrer in Bayern multimediale Inhalte wie Filme, Podcasts oder Simulationen in den Unterricht integrieren. Schüler können sich in Foren über verschiedene Unterrichtsinhalte austauschen oder gemeinsam Projekte planen. Und die Zukunftsvisionen gehen immer weiter. Sogar der Einsatz von „Virtual-Reality-Brillen ist bereits vorstellbar. Damit könnten zum Beispiel komplexe Unterrichtsinhalte anschaulich vermittelt werden.

Auch wenn es immer noch Skeptiker gibt, was die Verwendung digitaler Hilfsmittel in Schulen betrifft, die digitale Welt gehört längst zur Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen. „Als ich kürzlich in einer vierten Klasse war, hatten 18 von 20 Viertklässler ein Handy“, sagte Bernd Sibler. Kindern die richtigen Kompetenzen im Umgang damit an die Hand zu geben, ist nach Ansicht des Kultusministers Aufgabe der Schule. „Dabei geht es auch darum, zu vermitteln, was sich im Hintergrund einer App abspielt und wie sie programmiert wird.“ Auch das Thema „Fake News“ soll behandelt werden. Denn nicht alles, was im Internet kursiert, ist vertrauenswürdig.

Das Handy auch mal weglegen 

„Das alles setzt aber auch voraus, dass die Lehrer sich mit den Systemen auskennen“, sagte Sibler. Um Lehrer auf ihre neue Rolle als Medienvermittler vorzubereiten, wird in der Lehrerakademie in Dillingen ab Januar 2019 in einer Fortbildungsoffensive auf das Erlernen von Kompetenzen in Sachen IT und Digitalisierung gesetzt. Neben der bloßen Technik sind auch die Themen „Datensicherheit“ und „Ethik“ wichtig. Denn die Schule hat auch die Aufgabe, auf die Gefahren der digitalen Welt hinzuweisen. Dabei spielen auch Themen wie zum Beispiel Urheberrecht beim Teilen von Bildern eine Rolle. „Und nicht zuletzt muss man Kindern auch zeigen, dass es Zeiten geben muss, in denen man das Handy mal weglegt“, sagte Sibler.

Letztlich ist aber laut dem Kultusminister wichtig, bei aller Euphorie über das Fortschreiten der Digitalisierung eines nicht aus dem Blick zu verlieren. „Die ganzen Techniken sollen in erster Linie dazu dienen, den Unterricht zu verbessern, auf keinen Fall sollten sie zum Selbstzweck in den Mittelpunkt rücken.“ Wie schon damals, als Kinder noch mit Schiefertafel und Griffel arbeiteten, sollen grundlegende Kompetenzen wie Rechnen, Lesen und Schreiben immer noch im Mittelpunkt des Lehrplans stehen.

Lydia Wünsch

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