Die Planungen werden konkreter

Seniorenzentrum in Neubiberg nimmt Fahrt auf

+
Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie, die mit einem Powerpointer an die Wand projiziert wurden, zeigen die möglichen Konturen des neuen Seniorenzentrums an der Hauptstraße 12.

Jahre hat es gedauert, mancher ältere Mitbürger Neubibergs war ob der drangvollen Enge im alten Zuschnitt bereits am Verzweifeln. Seit Montag aber scheint die Umsetzung eines erweiterten Seniorenzentrums an der Hauptstraße 12 auf gutem Weg.

Einstimmig verabschiedete der Gemeinderat die weitere Projektvorbereitung auf Basis einer Machbarkeitsstudie der Architekten Uli Gassner und Peter Zarecky. Die Realisierung des Bauvorhabens mit Seniorenzentrum und Wohnen soll möglichst mit der Baugesellschaft München Land (BML) betrieben werden. Auch hierfür gab es eine breite Mehrheit im Rat. Lediglich die Grünen im Schulterschluss mit CSU-Gemeinderat Michael Jäger votierten dafür, bei der Ausgestaltung weitere Alternativen zu prüfen. Durchsetzen konnten sie sich nicht. Dafür wäre anders als mit der BML eine europaweite Ausschreibung und ein umfassendes Vergabe-Szenario nötig, welches das Projekt zeitlich zurückwerfen würde. Dagegen soll die BML das Projekt übernehmen und auch die beiden Architekten in die weitere Projektplanung einbinden. Eigentümer des neuen Anwesens soll die Gemeinde selbst sein. Fragen warf auch die künftige Stellplatzregelung auf. Bereits früher hatte sich der Gemeinderat mit Blick auf die Senioren und einer schwierigen Zuwegung für die älteren Menschen gegen eine Tiefgaragenlösung unter einem erweiterten Seniorenzentrum ausgesprochen. Mit großer Mehrheit blieb das Gremium auch jetzt bei dieser Einschätzung. Für baurechtlich notwendige, aber vor Ort aufgrund der räumlichen Enge nicht mögliche KFZ-Stellplätze „soll im Weiteren das Rathausareal vorgesehen werden“. Forderungen wie jene von Eva-Nicola Gehringer (CSU), im Zuge der Parkplanungen nicht den Maibaumparkplatz zu belasten, sollen in die weitere Projektplanung einbezogen werden. „Im Umgriff eines neuen Seniorenzentrums wird sich auch eine Parklösung finden“, versicherte Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler Neubiberg & Unterbiberg).

Ob das neue Zentrum „der große Wurf“ ist, den Elisabeth Stettmeier (FW) in ihrer Doppelfunktion als Gemeinderätin und Vorsitzende des Seniorenzentrum-Beirates definierte, muss sich im weiteren Verlauf noch weisen. Relativ festgezurrt kommt aber eine ehrgeizige Planung daher, die möglichst ab 2020 in eine einjährige Bauphase münden soll. Neu im Zuschnitt: Neben dem Seniorenzentrum mit einer fast verdoppelten Nutzfläche von 402 Quadratmetern (bisher gleicherorts 229 Quadratmeter) soll auch nach Vorgabe der BML eine Wohnnutzung mit acht Einheiten auf 429 m2 entstehen.

Sorgen verursachte der Blick manches Gemeinderates auf die Bausumme. Anstelle der bisher angesetzten 5,46 Millionen Euro lesen sich jene auch von den beiden Architekten für möglich erachteten, bis zu 7,5 Millionen Euro deutlich höher. „Da ist ein Kostenpuffer von 40 Prozent eingearbeitet“, so der Rathauschef. Zum einen bekomme man mit der zusätzlichen Wohnnutzung „auch mehr“, zum anderen wolle man diesen Puffer „nicht ausschöpfen“, hoffte Heyland.

Baulich soll das neue Ensemble in Form von zwei Normal- und zwei Dachgeschoßen daher kommen. Das Seniorenzentrum soll die Flächen im Erdgeschoß erhalten — mit einem mittels Lichtgraben natürlich beleuchteten Souterrain-Untergeschoß. Zusätzlich sollen im Erdgeschoß Mitarbeiterräume untergebracht werden. Zum Gartenbereich nach Süden, wo der alte Baumbestand erhalten bleiben wird, soll ein Gruppenraum, sanitäre Räume und eine Küche entstehen. Im Untergeschoß sind Kreativ- und Bewegungsräume sowie „dienende Räumlichkeiten“ mit Technik, WC und Abstellräumen geplant. Im Obergeschoß und den beiden Dachgeschoßen sollen acht Gemeindewohnungen entstehen. Wer hier einzieht, scheint noch offen. Neben Senioren, die den barrierefreien Zuschnitt des Ensembles begrüßen dürften, soll hier unter Umständen der Neubiberger Kriterienkatalog zur Wohnraumvergabe angewendet werden. Um ein für alle Nutzer ausreichendes Flächenangebot zu generieren, sollen Unter- und Erdgeschoß mit einem rückwärtigen Anbau erweitert werden.

„Bauchschmerzen“ verursachte die Vorstellung bei Grünen-Gemeinderat Kilian Körner, die Senioren auch „im Keller unterzubringen“. Von einem „Keller-Zuschnitt“ könne nicht die Rede sein, entgegnete Bürgermeister Heyland. Vielmehr werde eine lichtdurchflutete Souterrain-Lösung geschaffen. Elisabeth Stettmeier fasste die offensichtliche Zufriedenheit diverser Senioren auf den Zuschauerbänken positiv zusammen. „Sehr gute Raumplanung und Raumaufteilung“ attestierte sie den Planern. „Ein Meisterzeugnis“ der Architekten sogar. Wenn jetzt auch noch der Kostenrahmen samt Parkplatzlösung passt, könnten an der Hauptstraße 12 in einigen Jahren doch noch alle glücklich werden. 

Harald Hettich

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare