„Ich träume von Floßfahrten und Hochzeiten“

Riemerlinger Musiker Robert Landinger sehnt sich nach Auftritten

Bei einem Bühnenauftritt spielt Robert Landinger auf seiner Gitarre und singt.
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Der Riemerlinger Musiker Robert Landinger bringt mit Online-Unterricht und einen Akkord-Kalender das Gitarrespielen in die eigenen vier Wände.

Für Künstler und Musiker war das Jahr 2020 besonders düster. Da Auftritte seit dem Frühjahr abgesagt sind, mussten viele umdisponieren. So auch der Riemerlinger Gitarrist Robert „Landy“ Landinger. Mit einem Akkord-Kalender will er das Gitarrelernen erleichtern und Musikgeschichte näher bringen.

Hohenbrunn - „Ohne Instrument weiß ich nicht, wie es mir gehen würde“, erzählt der Riemerlinger Robert „Landy“ Landinger. Zumindest für sich selbst Musizieren und Üben zu können, ist eines der wenigen Dinge, die dem Profi-Musiker und Gitarrenlehrer derzeit übrig bleiben. Denn Veranstaltungsverbote, Kontaktreduzierung und Reisebeschränkungen, das alles widerspricht dem Naturell des in Landshut geborenen 51-Jährigen zutiefst.

„Ich bin Bühnen- und Rampensau“, sagt Landy lachend. Und das glaubt man ihm aufs Wort. Zahlreiche Piercings und Tunnel im Ohr, Glatze und langer Bart, Tattoos und lackierte Nägel – Landinger fällt schon allein optisch auf. Aber der Gitarrist lässt sich in keine Schublade zwängen. Er komme zwar von der Punkmusik, habe sich aber mit der Zeit immer mehr umorientiert. „Für mich ist Punk ein Kasten Bier und ein umgefallener Aschenbecher. Heute ist das ganz anders“, erklärt er mit breiten bayerischem Dia-

lekt. Über die Jahre hatte er verschiedene Bands, spielte auf Hochzeiten und Floßfahrten genauso wie auf Oktoberfesten im Ausland. Von Punks sei er dafür schon mal schräg angeschaut worden. „Aber mir ging es da viel weniger um die Feste, als um die persönlichen Begegnungen“, so Landinger. Unter anderem in Kambodscha, Japan und Viet­nam trat er auf Oktoberfesten auf und lernte so Land und Leute von einer ganz anderen Seite kennen, als er es als gewöhnlicher Tourist erlebt hätte.

Es ging ihm auch darum, nicht nur die andere Kultur kennenzulernen, sondern auch die eigene zu vermitteln. „Wenn man ins Ausland fährt, ist man natürlich auch ein bisschen Botschafter“, meint der Künstler. Ungefähr 2500 Auftritte habe er seit 1990 gespielt. Seine Umtriebigkeit hatte aber auch seinen Preis: „Wenn du in einer Hochzeitsband bist, kannst du Freitag oder Samstag nie privat etwas machen, weil du immer bei Auftritten bist“, erzählt er rückblickend.

„Es war eine schöne Zeit, aber ich bin auch froh, dass es vorbei ist“, sagt Landy und fügt zögernd hinzu: „Wobei momentan träume ich wieder von Floßfahrten und Hochzeiten. Ich will einfach wieder spielen.“

Seit 2014 hat Landinger sich zu den Auftritten ein zusätzliches Standbein aufgebaut und arbeitet als Gitarrenlehrer. Vor Ausbruch der Corona-

Pandemie hatte er ein bis zwei Auftritte pro Woche und daher weniger Zeit zu unterrichten. Nun hat er gezwungenermaßen umdisponiert, unterrichtet viel über das Internet und gibt auch in Zusammenarbeit mit der Vhs Kurse. Die Umstellung auf digital fiel dem Riemerlinger glücklicherweise nicht schwer: „Ich gebe schon länger Online-Unterricht mit Banjo in Gitarre auch für Schüler in Österreich und anderen Bundesländern.“

Daher wusste er, dass es gut funktionieren kann. Trotzdem sei es nicht vergleichbar mit dem Unterricht vor Ort. „Natürlich ist präsent viel besser, weil man alles im Blick hat. Je nachdem, wie die Kamera steht, sieht man zum Beispiel manchmal die Hände nicht richtig.“

Auch wenn Landinger die finanziellen Ausfälle durch den Wegfall der Auftritte so kompensieren könne, merkt er es im Geldbeutel. „Mir fehlt es momentan fünfstellig“, stellt der Profi-Musiker fest. Viel mehr vermisse er es aber, die Leute wieder mit seiner Musik zu entführen. „Es ist auch etwas ganz Anderes, die Musikerkollegen live zu hören“, erzählt er. „Wenn wir wieder spielen dürfen, werden wir vermutlich in Tränen ausbrechen vor Freude.“

Für Corona-Leugner habe er überhaupt kein Verständnis. „Die habe ich alle aus meinem Umfeld rausgeschmissen“, so Landinger und erklärt: „Mit jeder Querdenker-Demo rutscht es weiter nach hinten, dass wir wieder live auf die Bühne dürfen.“ Das Jahr 2020 ist vor allem auch für die Musik- und Kulturszene ein düsteres. Darum freut sich der Gitarrist umso mehr über seinen „Lichtblick“ in diesem Jahr: seinen „Guitar Chord Calendar“. Seit drei Jahren schon wird an dem Projekt gearbeitet, in diesem Jahr konnte es fertiggestellt werden.

Entstanden ist ein ewiger Kalender mit 365 Akkorden, für jeden Tag des Jahres einen. Landinger hat darin seine langjährige Erfahrung als Profi-Musiker und Gitarrenlehrer einfließen lassen. „Es soll ein Nachschlagwerk sein“, erklärt Landy die Idee. Schon als Profi finde er selbst die klassischen Bücher zum Gitarrelernen sehr unlogisch in ihrem Aufbau. Er wollte das anders machen. Ganz nebenbei will er außerdem Wissen zur Musikgeschichte vermitteln.

Der Kalender enthält zwölf Collagen zu einem Gitarrenstil und an jedem Tag ist der Geburtstag eines berühmten Gitarristen oder Komponisten eingetragen. „Dann schaut man vielleicht, wer am eigenen Geburtstag auch Geburtstag hat, und beginnt, in der Musikgeschichte zu stöbern“, meint Landinger.

Zugeordnet sind die Akkorde dem Caged-System. Bei diesem grafischen System kann das Spielen intuitiver erlernt werden. Gerade in den 1950er und -60er-Jahren hätten viele amerikanische Musiker auf dieses System zurückgegriffen. „Damit kann man sich die Gitarre einfacher machen“, verdeutlicht der Riemerlinger Musiker.

Der Kalender ist als Nebenprodukt zu einem Buch entstanden, das Landinger derzeit zum Caged-System schreibt. Mit dem Kalender will er beim Gitarre Lernen helfen und einen Überblick schaffen, „aber vor allem soll er auch Spaß machen.“

Iris Janda

Weitere Informationen zu Robert Landinger und dem Guitar Chord Calendar gibt unter www.rock-me.de.

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