Pfarrer Rainer Liepold ist Seelsorger im Riemerlinger Lore-Malsch-Haus

Die Hochbetagten bleiben gelassen

Pfarrer Rainer Liepold ist Seelsorger im Lore-Malsch-Haus in Riemerling.
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Pfarrer Rainer Liepold ist Seelsorger im Lore-Malsch-Haus in Riemerling.

Wie geht es den Menschen, die nicht zur Risikogruppe gehören, sondern sogar zur Hoch-Risikogruppe? HALLO hat bei Pfarrer Rainer Liepold nachgefragt, der in Riemerling im Lore-Malsch-Haus für hochbetagte Menschen da ist.

Für gewöhnlich geht Pfarrer Rainer Liepold im Lore-Malsch-Haus von Station zu Station. Doch um das Risiko zu minimieren, wird das Personal des Lore- Malsch-Hauses derzeit nur noch auf einer Station eingesetzt. „Ich beschränke mich auf Einzelbesuche bei den wenigen Bewohnern, die in der finalen Sterbephase sind“, sagt der Pfarrer. Natürlich sei ihm das einerseits schwer- gefallen, nicht mehr für alle Bewohner Ansprechpartner sein zu können. Andererseits war er auch ein Stück weit erleichtert, denn wer überall in so einem Haus tätig ist, kann nun mal zu einem potenziellen Verbreiter des Virus werden. Gottesdienste hält der Pfarrer in der leeren Hauskappelle. „Per Haus-TV werden meine Andachten auf die Zimmer übertragen“, so Liepold. „Doch ich weiß natürlich, dass so ein Gottesdient eigentlich von der Nähe lebt.“ Und auf eben diese Nähe müssen wir alle momentan verzichten. Doch wie fühlt es sich für hochbetagte Menschen an, wenn ihre Angehörigen sie nicht mehr besuchen dürfen? „Im Lore-Malsch-Haus haben wir schon früh Vorsichtsmaßnahmen getroffen, bevor es überhaupt offiziell gefordert wurde“, so der Pfarrer. „Für einen Bewohner, dessen Ehepartner oder Tochter täglich zu Besuch kam, ist dies ein harter Einschnitt.“ Doch der Seelsorger spürt auch, dass die Hochbetagten mit „Altersweisheit und Altersabgeklärtheit“ auf die derzeitige Situation reagieren. „Sie nehmen das Risiko mit Gelassenheit hin.“ Das liege aber auch daran, dass sich die Mitarbeiter des Lore-Malsch-Hauses, so gut es irgendwie geht, um Normalität bemühen. „Wer gerne in der Frühlingssonne sitzt oder Musik hört, kann dies auch weiterhin tun.“ Die Hoch-Risiko- gruppe sei nicht ängstlich, beobachtet der Seelsorger. Damit der Kontakt trotz Besuchsverbot aber nicht abreißt, hat das Riemerlinger Pflegeheim einen E-Mail-Service eingerichtet. „Diese Idee heißt ,Gruß an Lore‘. Die Angehörigen schicken uns Grußbotschaften, die wir unseren Bewohnern zeigen. Auch Video- und Audiobotschaften werden geschickt. „Als ich noch mehr Kontakt zu den Bewohnern haben durfte, zeigte ich einer Dame eine solche Gruß-Botschaft ihrer singenden Enkeltöchter. Die Dame war so gerührt, dass sie den Computer gestreichelt hat“, erzählt Liepold und fügt hinzu: „An solchen Reaktionen merkt man, dass die Grußbotschaften das Beste sind, was man machen kann.“ Menschen mit einer Demenz-Erkrankung zu vermitteln, warum derzeit kein Besuch für sie komme, sei schwer. „Dennoch ist die Stimmung dank der Mitarbeiter des Hauses nicht gekippt“, so der Pfarrer. „Niemand resigniert, mit allen Kräften wird versucht, Normalität zu gewährleisten. In der Pflege kann man nun mal nicht auf Distanz gehen.“ Pfarrer Liepold darf in diesen Tagen nur für die wenigen Menschen im Lore-Malsch-Haus da sein, die im Sterben liegen. „Ich nehme mir viel Zeit, bin einfach da, lese etwas vor, spreche ein Gebet.“ Menschen in diesem finalen Lebensabschnitt dürften auch unter Einhaltung von strikten Regeln von ihren Angehörigen besucht werden, so Pfarrer Liepold. Doch auch dies klappe gut, es gäbe wenig Klärungsbedarf.

Verena Rudolf

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