Nejmi Ölmez sagt: „Islam heißt für uns Frieden“

Riemerling: Kultur- und Bildungsverein Kasrik zog in altes Polizeigebäude

Der Kuluturverein bietet eine große Bandbreite an Aktivitäten. Auch für Kinder, die sich zum Spielen treffen.
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Der Kuluturverein bietet eine große Bandbreite an Aktivitäten. Auch für Kinder, die sich zum Spielen treffen.

Riemerling – „Wenn ich kein Muslim wäre und den Islam nur über die Medien verfolgen würde, hätte ich vielleicht auch Angst“, erklärt Nejmi Ölmez. Der Diplominformatiker, der vor 40 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, engagiert sich für den Kasrik Kultur- und Bildungsverein München und Umgebung. Die Organisation ist bereits vor einigen Monaten in das alte Polizeigebäude im Gewerbegebiet Riemerling-West gezogen, seitdem wird renoviert. „Das Gebäude ist sehr sanierungsbedürftig, deshalb dauert der Umbau so lange“, verdeutlicht Ölmez. Der Verein mit zirka 120 Mitgliedern wurde 1999 gegründet und traf sich bisher in der Implerstraße in München. 

Mit steigender Mitgliederzahl wurden die Räume dort zu klein, daher nun der Umzug nach Riemerling. Als die anliegenden Anwohner erfuhren, dass in ihrer unmittelbaren Nähe ein islamischer Kulturverein einzieht, machte sich Verunsicherung breit. Diese wurde mehrfach an Hohenbrunns Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) herangetragen, wie dieser in der Bürgerversammlung im Oktober berichtete (HALLO berichtete). Außerdem berichteten Bürger bei der Versammlung, dass sich Lärm- und Verkehrsaufkommen durch den Verein erhöht haben und sich die ohnehin schwierige Parkplatzsituation in dem Bereich zuspitzen könnte. 

Ölmez kann diese Beschwerden nicht nachvollziehen: „Unsere Aktivitäten finden ausschließlich im Gebäude statt. Wir haben auch keine laute Musik an und beachten die Ruhezeiten. Und wir haben auch extra darauf geachtet, in ein Gewerbegebiet zu kommen. Deshalb war der Standort so attraktiv für uns.“ Bei den Parkplätzen ist die Situation sogar umgekehrt, erzählt der gebürtige Türke: „Der Verein hat 39 eigene Stellplätze. Wir haben eher das Problem, dass andere auf unseren Parkplätzen an der Vorderseite des Gebäudes parken.“ Dass Verunsicherung entsteht, wenn in eine kleine Gemeinde ein Verein mit muslimischem Hintergrund einzieht, könne Ölmez verstehen. 

Da seien sie etwas blauäugig an die Sache ran gegangen: „Vielleicht hätten wir vorab schon informieren sollen, um den Menschen so ihre Sorgen zu nehmen. Das war uns so vorher nicht bewusst. Dahingehend wurden wir nun sensibilisiert.“ Unter der Woche bietet der Verein Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe und Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche an. Am Wochenende treffen sich dann hauptsächlich die Familien zum gemeinsamen beisammensein.

„Uns geht es darum, die Jugendlichen von der Straße zu holen. Integration ist ein wichtiges Thema, aber kann auch sehr schwierig sein. Zu diesem Zweck schlossen sich Eltern mit Migrationshintergrund vor 20 Jahren zusammen, die besorgt waren, dass sich ihre Kinder nicht richtig integrieren“, erzählt Ölmez. Neben Nachhilfeangeboten sei aber auch die Kulturpflege ebenso wichtig. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund ist es oft nicht leicht, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, wie Ölmez verdeutlicht: „Unsere Kinder sollen sich nicht in zwei Welten, sondern mitten in der Gesellschaft bewegen. Doch für die Kinder ist es schwierig, sich zu orientieren, weil sie sich sowohl zur deutschen als auch zu ihrer ursprünglichen Gesellschaft nicht 100 prozentig zugehörig fühlen. Wir wollen diesen Zwiespalt lösen, dafür geben wir die Umgebung.“ 

Jungen Menschen Orientierung bieten, das ist gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig: „Ein Mensch, der selbstbewusst ist, weiß wohin er gehört und was er ist. Wenn jemand orientierungslos ist, ist er leicht manipulierbar und gerät auf den falschen Wege.“ Junge Menschen, die vom richtigen Weg abgeraten und sich radikalisieren – genau darum drehen sich oft die Sorgen, die hierzulande mit dem Islam in Verbindung gebracht werden. Ölmez stellt ganz klar heraus, dass sein Verein nichts mit Radikalismus zu tun hat: „Islam bedeutet für uns Frieden. Radikalismus ist nicht der Weg des Islam. Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Wenn Gott den Menschen die Freiheit lässt, so zu leben, wie sie es für richtig halten, dann soll jeder auch so frei leben können.“ 

Als Kasrik einzog, gab es aus der Bevölkerung auch Befürchtungen, der Verein wolle im alten Polizeigebäude eine Art Moschee errichten. Das stimme so nicht, betont der Informatiker: „Das bei uns ist keine Moschee. Aber gläubige Muslime müssen fünfmal am Tag beten. Um sich dafür zurückzuziehen, haben wir einen extra abgetrennten Raum im Gebäude. Aber die anderen Räume sind alle für unsere anderen Angebote.“ Es ist auch weder Voraussetzung Muslim zu sein, noch Migrationshintergrund zu haben, um bei Kasrik mitzumachen. „Wir sind offen für jedermann!“, sagt Ölmez mit einem Lächeln. 

Wenn erst einmal alle Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, möchte der Verein auch größere Veranstaltungen für alle Gemeindemitglieder organisieren. So können sich die Riemerlinger selbst einen Eindruck machen und um mit Vorbehalten aufräumen. Aber erst, wenn alles fertig ist: „Wenn wir Gäste einladen, sollen die sich auch wohlfühlen. Und wir wollen auch stolz zeigen können, was wir aus den Räumen gemacht haben“, erzählt der gebürtige Türke. Ölmez hat sich selbst in Deutschland immer willkommen gefühlt und noch nie offene Anfeindungen erfahren. Aber er weiß auch, dass diese immer wieder vorkommen. Er wirbt daher für Toleranz: „Wir sind auch Menschen, die Sorgen haben, die versuchen sich in dieser Welt zu orientieren und ein friedvolles Leben zu leben.“ 

Iris Janda

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