„Uns treibt die Hoffnung an“

Riemerling: Impfstart im Lore-Malsch-Haus

Eine Mitarbeiterin der Johanniter impft eine Pflegeheimbewohnerin im Lore-Malsch-Haus
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Das Impf-Team der Johanniter führte am Sonntag die ersten Impfungen im Lore-Malsch-Haus in Riemerling durch.

Im Riemerlinger Lore-Malsch-Haus fanden am 27. Dezember die ersten Impfungen gegen das Corona­virus statt. Die Erleichterung ist bei Heimleitung, Mitarbeitern und Bewohnern groß.

Am vergangenen Sonntag fanden im Lore-Malsch-Haus in Riemerling als eines der ersten Pflegeheime in Deutschland die ersten Impfungen gegen das Coronavirus statt. „Das war ein emotionaler Moment. Wir haben ein paar Tränchen gesehen, bei Mitarbeitern, bei mir selbst und bei Bewohnern“, erklärt Einrichtungsleiter Jan Steinbach.

Die große Erleichterung über den Impfstart ist nachvollziehbar, schließlich arbeiten Pflegemitarbeiter seit Ausbruch der Pandemie über die Belastungsgrenze hinaus. „Wir hoffen, dass die Impfung nach und nach Druck aus den System nimmt. Die letzten Monate waren wir in ständiger Sorge, dass es einen Fall bei uns gibt, und es zum Kollaps kommt“, verdeutlicht Steinbach.

Dass es im Lore-Malsch-Haus noch keinen Corona-Positiven gab, sei der Grund, warum in der Einrichtung bereits am Sonntag mit dem Impfen begonnen werden konnte. So wären die nötigen Kapazitäten vorhanden gewesen, um das Haus schnell an den Start zu bekommen. Auch wenn das ebenso viele Überstunden für die Mitarbeiter bedeutet hat, über die Feiertage und am Wochenende.

Denn auch wenn die Regierung den Impfstoff bereitstellt, die Organisation eines Planes, wann wer geimpft wird, die Prüfung von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Erkrankungen, das Verteilen von Aufklärungsbögen, das Einholen der Einverständniserklärung – all das müssen die Heime neben der regulären Arbeit vor Impfstart selbst übernehmen. Ein „zusätzlicher Kraftakt“ war und ist das, erklärt Leiter Steinbach, aber „uns treibt die Hoffnung an“.

Eine enge Zusammenarbeit sowohl im eigenen Team als auch mit den Johannitern, die die Impfungen im Lore-Malsch-Haus durchführen, ist das Gebot der Stunde. Das sei nun auf allen Seiten viel learning by doing, erzählt der Einrichtungsleiter. Denn niemand habe mit einer Impf­aktion dieser Art bereits Erfahrung.

20 Bewohner und fünf Mitarbeiter wurden am 27. Dezember im Lore-Malsch-Haus geimpft. Das Heim legte selbst eine Impf-Reihenfolge fest, die verschiedene Variablen berücksichtigte. „Einer der ersten war unser 102-jähriger Bewohner“, erzählt Steinbach. 90 Prozent der Bewohner möchten sich impfen lassen, bei den Mitarbeitern sind es 45 Prozent. „Das bedeutet aber nur, dass sich diejenigen Mitarbeiter jetzt zu Beginn nicht impfen lassen wollen“, so Steinbach.

Unter ihnen gebe es Sorgen vor möglichen Nebenwirkungen und Spätfolgen wie derzeit überall. „Es ist mir ganz wichtig, dass die Impfung freiwillig ist“, betont er. Den Mitarbeitern, die sich nicht impfen lassen wollten, drohten keinerlei arbeitsrechtliche Konsequenzen oder dergleichen. „Es muss jeder für sich selbst entscheiden. Darum geht es uns“, so Steinbach weiter.

Der Impfbeginn vergangenen Sonntag war erst der Startschuss für einen wahren Impfmarathon. Wann genau alle der 180 Impfungen in dem Heim durchgeführt werden, ist beim Telefoninterview am Montag noch nicht klar. Das alles sei derzeit sehr dynamisch abhängig von der Verfügbarkeit des Impfstoffs, meint Steinbach. Am 29. und 30. Dezember wollte man weiter impfen, wenn möglich 70 pro Tag. „Wir würden uns wahnsinnig freuen, wenn im alten Jahr alle ersten Impfungen abgeschlossen sind“, erzählt Steinbach. Drei Wochen später gehe es dann mit der zweiten Dosis weiter.

Damit dieses ambitionierte Vorhaben gelingen kann, haben sie sich für den nächsten Impftag bereits einen optimierten Plan überlegt. Alle Bewohner, die transportfähig sind, werden von Heimmitarbeitern in einen speziellen Impfraum gebracht. So müssen die Impf-Teams nur für rund 20 Personen auf die einzelnen Zimmer. Dadurch wird wertvolle Zeit gespart.

Und Steinbach ist gedanklich schon einen Schritt über die Impfung hinaus: „Unsere nächste Aufgabe ist klar zu stellen, dass die Impfung kein Freifahrtschein dafür ist, die AHA-Regeln nicht mehr zu beachten.“

Iris Janda

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