Unsicherheiten überwiegen

Putzbrunner Gremium gegen Planungen zu neuem Autobahnanschluss

Stockender Verkehr und Staumeldung auf der A99 Richtung Salzburg.
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In Putzbrunn wurde der Antrag von Freien Wählern und FDP abgelehnt, im Rahmen des Ausbaus der A99 einen zusätzlichen Autobahnanschluss am Gewerbegebiet Ost zu schaffen.
  • vonIris Janda
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Sowohl Verkehrsausschuss als auch Gemeinderat in Putzbrunn haben Planungen zu einem Autobahnanschluss des Gewerbegebiets Ost abgelehnt. Die Auswirkungen des Anschlusses auf die Verkehrsströme seien nicht absehbar.

Einen eigenen Autobahnanschluss für Putzbrunn – mit diesem Ansinnen ist die Fraktionsgemeinschaft aus Freien Wählern und FDP sowohl im Vekehrsausschuss als auch im Gemeinderat gescheitert. Zu groß war die Unsicherheit bei der Mehrheit der Gemeinderäte, wie sich eine zusätzliche Anschluss auf die Verkehrsströme im Ort auswirken würde. Untersuchungen dazu liegen nicht vor.

„Das sind alles nur Spekulationen“, meinte Josef Jakob, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Um das sicher zu sagen, bräuchte es Gutachten. Er zeigte sich über das Ablehnen des Antrags enttäuscht. Schließlich ging es dabei lediglich um einen Antrag an die Autobahndirektion Südbayern, einen zusätzlichen Autobahnanschluss beim Gewerbegebiet Ost in das Planfeststellungsverfahren des achtspurigen Ausbaus der A99 mit aufzunehmen. „Das heißt noch lange nicht, dass der dann auch gebaut wird und wir den kriegen“, betont Jakob.

Für ihn liegen die Vorteile eines Putzbrunner Anschlusses an die Autobahn auf der Hand: das eigene Gewerbegebiet im Osten der Gemeinde sowie die Nord-West Umgehungsstraße könnten direkt an die A99 angebunden werden. Dadurch könnte der Ort von Schwerlastverkehr entlastet werden. Es würde nicht großräumig bestehender Flur durchschnitten werden und nur geringfügig Fläche versiegelt.

Nun sei die letzte Möglichkeit, an dieser Stelle einen zusätzlichen Anschluss zu errichten. Bereits Anfang der 2000er-Jahre habe es für diese Idee eine Mehrheit im Gremium gegeben und 2004 eine Genehmigung der Bundesverkehrsbehörde. 2006 wurden die Pläne dann allerdings wieder ad acta gelegt.

Weil laut Josef Jakob im Ausschuss nicht ausreichend dargestellt wurde, dass es sich lediglich um eine Aufnahme in die Planung handle, beantragte seine Fraktion eine Nachbehandlung im Gemeinderat. Obwohl die Chancen auf ein anderes Stimmungsbild gering waren, sei es ihm wichtig, das Thema ebenso im Gemeinderat zu behandeln. „Uns geht es nur darum, dass darüber noch einmal in großer Grunde diskutiert wird“, so Jakob.

Doch auch da fiel das Urteil nicht anders aus. Unsicherheit bestand weiter darin, wie sich die Verkehrsströme verändern würden. Es war außerdem unklar, was mit dem Hohenbrunner Anschluss geschehen würde, wenn in Putzbrunn ein zusätzlicher entstehen würde. Sollte der Hohenbrunner Anschluss geschlossen werden, würde der Verkehr aus dem Hohenbrunner Gewerbegebieten nach Putzbrunn kommen, was die Problematik mit durchfahrenden Lkws im Ort noch verschärfen würde.

„Das soll natürlich auf keinem Fall passieren“, stellte Michael Schultz (FDP) klar. Ein zusätzlicher Anschluss in Putzbrunn wäre von überregionaler Bedeutung und würde den Putzbrunner Ortskern entlasten. Die Waldperlacher könnten über die Umgehungsstraße dorthin gelangen, das zukünftige Gewerbegebiet Grasbrunn wäre angeschlossen und auch die Kreuzung von Wasserburger Landstraße und B471 in Haar könnte entlastet werden.

„Ich habe jetzt nur Grasbrunn, Haar und Waldperlach gehört“, wandte Eduard Bogner (CSU) ein. Aus seiner Sicht bringe der Anschluss keine Entlastung, sondern genau das Gegenteil, „da holen wir uns die Verkehrsströme erst Recht her!“. Walter Hois (GPP) schloss sich dem an: „Wir wollen einfach keine zusätzlichen, unkontrollierten Verkehrsströme haben. Unsere aktuellen Probleme wird es nicht lösen.“

Die Gemeinde müsste für die Analyse von Zu- und Abfahrtströmen finanziell in Vorleistung gehen, führte Bogner außerdem an. Für Putzbrunn werde sich diese Investition nicht lohnen. „Für mich ist es ein wichtiger Grund, vor allem in der jetzigen Situation dafür kein Geld auszugeben.“

Martin Adler (FW) glaubte nicht, dass die Gemeinde bereits jetzt für ein Verkehrsgutachten zahlen müsse, wenn sie lediglich die Aufnahme in die Planungen beantrage. Die Hoffnungen, die in den möglichen Bau einer Autobahnparallele gesteckt werden, konnte er nicht teilen. „Ob eine Parallele weniger Verkehr bringt, wage ich noch zu bezweifeln“, so Adler.

Je nachdem, was die Machbarkeitsstudie zur Autobahnparallele B471 ergibt, könnte eine Autobahnanschluss in Putzbrunn womöglich doch wieder eine Option sein. Zumindest gab das Grasbrunner Gremium dem Landratsamt als Anregung mit, die Verlegung der Anschlussstelle von Hohenbrunn nach Putzbrunn in die Machbarkeitsstudie zur Parallele mit aufzunehmen. Anders als es im Antrag der Freien Wähler in Putzbrunn behauptet wird, sei die Nachbargemeinde aber kein Befürworter einer solchen Verlegung, wie Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) ausdrücklich betont.

„Ich bin weder dafür noch dagegen und kann nicht behauptet, dass es bei uns eine Mehrheit dafür gibt“, so der Rathauschef. Auch von der Parallele sei er kein glühender Verfechter, aber er brauche bei der B471 wie bei der Anschlussstelle erst Informationen, um Entscheidungen zu treffen und mitreden zu können. Daher die Bitte um Aufnahme in die Studie.

In Putzbrunn ist das Thema derweil erst einmal vom Tisch. Das Gremium lehnte den Antrag von Freien Wählern/FDP mit 17 zu vier ab.

Iris Janda

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