Denn für Jugendliche gibt es keine Grenzen

Putzbrunn soll attraktiver für junge Menschen werden

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Waghalsiges Manöver oder Jugendkultur? Um zu verstehen, was die Jugend in Putzbrunn braucht, müsste Jugendsozialarbeiter Viet Nguyen sie erst einmal finden.

Was macht ein mobiler Jugendarbeiter, wenn er keine Jugendlichen findet? Im Falle Putzbrunns wendet er sich an den Gemeinderat.

Viet Nguyen heißt der ambitionierte Streetworker aus Neuperlach, der bei seinem Halbjahresbericht in der Gemeinderatssitzung eine klare Botschaft oder besser eine Frage hatte: „Wo sind die Jugendlichen?“ In Putzbrunn jedenfalls nicht. Der Grund dafür liegt seiner Meinung nach auf der Hand. „In der Gemeinde gibt es keine Hot Spots für Jugendliche.“ Will heißen: Der Ort ist für junge Menschen offensichtlich nicht attraktiv genug.

Eine schlechte Infrastruktur und mangelnde Straßenbeleuchtung, würde nicht dazu beitragen, dass junge Menschen, die noch kein Auto haben, sich gut fortbewegen können. Aber vor allem gebe es in Putzbrunn offensichtlich nicht genug interessante Orte auf der Straße, die junge Menschen zum verweilen anlocken würden. „Einige Putzbrunner treffe ich im Dirtpark in Oedenstockach oder auf dem Skatepark am Florianseck und vereinzelt vor dem MK Supermarkt“, so Nguyen. Natürlich gebe es da auch das Jugendzentrum Time Out an der Hohenbrunner Straße 3, aber mobile Jugendarbeit bestehe eben darin, die jungen Menschen auf der Straße zu finden. „Für jugendliche gibt es keine Grenzen“, so der Streetworker und wenn es ihnen an einem Ort nicht gefällt, gehen sie eben woanders hin. So würde Putzbrunn einige Jugendliche an die Landebahn in Neubiberg oder den Skatepark „Im Gefilde“ in Neuperlach verlieren. Der Jugendarbeiter hat allerdings auch Lösungen parat, wie man die Gemeinde im Sinne der Jugend aufwerten kann. So wartet der Skatepark am Florianseck dringend auf seine Erweiterung und auch der langersehnte Jugendpavillon an diesem Ort könnte wieder mehr junge Menschen anlocken. Diese Notwendigkeit sehen nicht alle Räte. „Wenn wir hier keine Jugendlichen auf der Straße haben, bedeutet das auch, dass es derzeit keine Brennpunkte gibt, und das ist doch ein gute Zeichen“, meint Willibald Hackl (FDP). Und Eduard Boger (CSU) fragt, ob der Jugendpavillon oder eine Skateparkerweiterung ein Garant für Erfolg seien. „Können wir uns sicher sein, dass das dann auch von den Jugendlichen angenommen wird? Nicht, dass wir da Geld reinstecken und dann geht keiner hin?“

Klar könne auch der Steetworker nicht sagen, ob die Jugendlichen die neuen Orte annehmen, ein Versuch sei es allerdings wert, glaubt Nguyen, der sich vor allem als Schnittstelle zwischen Gemeinde und Jugend versteht. „Ich wurde von ein paar Jugendlichen aus Putzbrunn angesprochen, dass sie zumindest die Erweiterung des Skateparks gerne hätten.“ Auch der Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) gibt zu, dass es im Moment sehr ruhig in Putzbrunn ist, gibt aber zu bedenken, dass sich das auch schnell wieder ändern kann. Und Nguyen erklärte, dass es besser sei, die Jugendlichen an einem Ort zu haben, damit er mit ihnen arbeiten kann. „So eine Arbeit besteht aus einem Vertrauensverhältnis zwischen mir und den Jugendlichen. Wenn ich keinen Ort habe, wo ich sie aufsuchen kann, kann ich auch nicht herausfinden, wo die Probleme liegen.“ Jugendliche haben die meiste Freizeit und die wollen sie nutzen, darum tue eine Gemeinde seiner Meinung nach gut daran, sich um ihre Jugend zu kümmern. „Es wächst immer etwas nach und von einem Moment auf den anderen kann es mit der Ruhe vorbei sein. In so einem Moment möcht ich die jungen Leute auffangen“, betont der ambitionierte Streetworker.

Klostermeier bestätigt gegenüber HALLO, dass die Vorschläge des Streetworker bereits in die Bebauungspläne aufgenommen wurden. Wenn es im November zum Beschluss kommt, können die Jugendlichen bereits im Frühjahr mit der Erweiterung des Skateparks rechnen und auch der Jugendpavillon ist in greifbarer Nähe. Per Beschluss ist der Standort am Florianseck schon festgelegt. Allerdings arbeitet die Gemeinde noch an dem Bebauungsplan. Das wird noch dauern, doch der Bürgermeister bemühe sich um eine Ausnahmegenehmigung, um vor Rechtskraft des Bebauungsplanes bereits den Pavillon errichten zu können. 

Lydia Wünsch

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