„Wir sehen das als selbstverständliche Hilfe“

Ayinger Privatbrauerei erlässt Pachten für April

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Die Privatbrauerei Aying zeigt sich in Zeiten der Krise großzügig.

Neben den Kulturschaffenden haben es die Gastronomen während der Corona- Krise besonders schwer. Die Privatbrauerei Aying setzt sich für ihre Pächter ein.

Aying – Eine leckere Brotzeit und ein kühles Blondes in der Sonne zu genießen, ist seit mehr als einem Monat undenkbar. Die Corona-Krise hält besonders die Gastronomen in Atem. Die Biergärten können nicht öffnen, die Gaststätten bleiben geschlossen. Und damit auch die Haupteinnahmequelle der Wirte: die Getränke. Es gibt keine Laufkundschaft, keine Stammgäste, die sie bewirten können. Und dennoch laufen die Fixkosten weiter. Wie sollen Mitarbeiter und Pacht bezahlt werden, wenn kein Umsatz gemacht wird? Für viele Gastronomen lohnt es sich nicht, die Wirtschaft für ein, zwei Kunden am Tag zu öffnen, denn einige der Kunden befinden sich in Kurzarbeit.

Die Politik steht unter enormen Druck, die wirtschaftliche Schlinge zieht sich mehr und mehr zu. Doch wäre es noch zu riskant, um zum unbeschwerten Leben zurückzukehren. Zu groß wäre die Gefahr einer erneuten Infektionswelle, dessen Ausmaße wohl noch drastischer wären als die bisherigen. Einige Freiberufler kämpfen schon jetzt um ihre Existenzen. Dabei steht nicht nur ihre eigene auf dem Spiel, auch die ihrer Mitarbeiter. Aus diesem Grund hat die Privatbrauerei Aying jüngst eingegriffen. Franz Inselkammer Junior (Foto) hat sofort reagiert, als er selbst gesehen hat, welche dramatischen Auswirkungen die Corona-Krise schon nach kurzer Zeit mit sich bringt.

Franz Inselkammer Junior

Ihm war klar, dass durch die Einschränkungen eigentlich so gut wie kein Umsatz mehr möglich ist. „Als sich unsere Wirte bei uns gemeldet haben und uns gesagt haben, dass sie direkt Probleme haben, sind wir durchgegangen, wie wir unseren Wirten am effektivsten helfen können.“ Inselkammer habe gesehen, dass die Pacht eine der größten Kostenblöcke ist. „Und auf den haben wir Einfluss“, sagt der Traditionsfortführer. Das Familienunternehmen wollte direkt, schnell und unbürokratisch helfen und entschied sich dazu, den Wirten die Pacht für den April zu erlassen. Es sei ein Geschenk, die Wirte müssen es auch nicht später zurückzahlen.

„Das bedeutet, dass etwas Geld im Geldbeutel der wirklich sehr geplagten Gastronomen bleibt“, sagt Franz Inselkammer Junior. Und das, obwohl die Brauerei selbst bereits Kurzarbeit angemeldet hat. Inselkammer sei derzeit enorm in der Krisenbewältigung gefragt. Dabei müsse er auch darauf achten, dass die eigene Liquidität passt, denn die Gehälter müssen weiter bezahlt werden. Trotz der Krisen-Stimmung sei es Inselkammer aber wichtig, seine Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber zum Ausdruck zu bringen.

„Und man muss schauen, dass im Betrieb trotzdem alles rund läuft – wir brauen ja immer noch.“ Die Nachfrage nach Flaschenbieren sei im Handel weiterhin gegeben, sogar gestiegen: „Wir merken schon, dass die Leute daheim auch ein bisschen trinken. Natürlich nicht im selben Ausmaß wie sonst“. Für den Familienbetrieb heißt es nun warten. „Wir schauen, dass wir alles möglichst glimpflich hinkriegen und in der jetzigen Situation so viel abfedern wie möglich.“

Alles blickt gespannt dem 30. April entgegen. Hoffnung gebe es, dass es zu Lockerungen der Ausgangsbeschränkung kommt. Dennoch rechne Inselkammer nicht damit, dass im Mai schon wieder voller Betrieb herrschen würde. Und dann wäre da noch der drohende Produktionsstopp, den viele kleinere Brauereien bereits bekannt geben mussten, weil die Hopfenernte für das Bier wegen der fehlenden Erntehelfer, die nicht einreisen dürfen, ausfällt. Inselkammer aber mache sich um einen Betriebsausfall derzeit keine Sorgen: „Wir haben von unserer Hopfenbauerngenossenschaft die Aussage gekriegt, dass sie unsere Verträge erfüllen können.“

Und Inselkammer bleibt positiv, auch den anderen Brauereien gegenüber: Ich denke, dass Lösungen gefunden werden. Wie zu Beispiel, dass vielleicht doch teils die Saisonarbeiter reingelassen werden.“ Weiter sagt er: „Ich denke mir, das wird hoffentlich mit einem blauen Auge ausgehen, aber ich bin kein Hopfenbauer, deswegen kann ich es natürlich nicht wirklich prognostizieren“.

Inselkammer Juniors Mutter, Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern, gibt ihrem Sohn „ab und zu die Wasserstandsmeldungen aus der Politik“ durch. Dadurch kriege er mit, dass sehr stark daran gearbeitet werde, damit die Situation wieder für alle besser wird. Sollte diese Besserung jedoch wider Erwarten verzögern, ist Inselkammer Junior weiter bereit, seinen Gastronomen zu helfen. „Wenn das Geschäft ein bisschen hochgefahren werden sollte, könnte man möglicherweise eine anteilige Pachterhebung überdenken. Weiter sagt er: Und wenn gar kein Geschäft laufen kann, dann überlegt man eben wieder ganz darauf zu verzichten. Inselkammer versichert: „Wir werden auf alle Fälle unseren Gastronomen helfen, falls es nicht normal weitergeht. Wenn man helfen kann, dann tut man das.“

Melanie Schröpfer

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