Das größte Bauprojekt in Neubibergs Geschichte nimmt Gestalt an

Prämierte Planskizzen und deutliche Konturen

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Der Wettbewerbssieger Jan Spreen (links) erklärte unter anderem Bürgermeister Günter Heyland (rechts, unten) seine Vorstellungen.

Wie soll das „Bürgerzentrum Neubiberg 2022“ aussehen? Nach Bürgerbeteiligung und Architektenwettbewerb schälen sich die Konturen für das laut Bürgermeister Günter Heyland „wohl größte Projekt der Gemeindehistorie“ immer deutlicher heraus. Das Interesse der Neubiberger ist groß. Bei einer Infoveranstaltung drohte der große Saal im Haus für Weiterbildung (HFW) einmal mehr aus allen Nähten zu platzen.

Angesichts der vielen interessierten Gäste und der 17 ausgestellten Architektur- entwürfe wurde die Not einmal mehr offenkundig: Neubiberg braucht mehr Raum für sein gemeindliches Leben, für Gemeindeangestellte wie Besucher gleichermaßen. Man ist auf dem Weg dorthin. Auf die drei Preisträger des städtebaulichen Wettbewerbs fokussierte sich nicht nur das Interesse an diesem Abend. Aus den Modellen und skizzenhaften Entwürfen der siegreichen Architekten soll in den kommenden Jahren das Endprodukt mit erweitertem Rathaus, saniertem und modernisiertem HfW und einer zentralen Tiefgarage „gezimmert“ werden. Die Entwurfsplanungen kamen bei den Bürgern insgesamt gut an. Kritische Fragen hangelten sich einmal mehr an bekannten Neubiberger Problemaspekten von Parkplatzstreit bis zur Kostenfrage entlang. Insgesamt gut 20 Millionen Euro könnte das Gesamtprojekt nach Erhebungen der Gemeinde kosten.

Im Mittelpunkt standen die Architekten-Arbeiten. Das 13-köpfige Preisgericht hatte sich dabei für einen ersten und zwei dritte Preise ausgesprochen. „Damit soll auch gezeigt werden, dass der Siegerentwurf in der Beurteilung deutlich voran liegt“, betonte Architekt und Preisgerichts-Vorsitzender Herbert Meyer-Sternberg. Ein deutlicher Fingerzeig in Richtung des Siegerentwurfs des Münchner Büros Spreen Architekten gemeinsam mit terra.nova-Landschaftsarchitektur. Vieles in deren Skizzierung dürfte wohl auch die neue Rathaus-Peripherie prägen.

Die Rathaus-Erweiterung, den Freiraum rundherum und die Anbindung einer 110-Plätze-Tiefgarage galt es dabei zu überplanen. Spreens Sieger-Entwurf sieht südlich vom alten Rathaus versetzt nach Osten einen länglichen Baukörper vor, der sich in der bereits vorhandenen Bauform in den Bestand einfügt und wie das alte Rathaus über eine gleichartige Satteldachkonstruktion verfügt.

„Zeitgemäße Architektursprache“ 

„Die Anbindung an das Rathaus mit dem eingeschossigen Verbindungsbau lässt nach Süden einen klar definierten Platz entstehen und überzeugt nach Norden mit der Übernahme der vorhandenen Gebäudekante“, lobte Meyer-Sternberg. „Zeitgemäße Architektursprache“ sei hier verwirklicht worden. Harmonie bestehe dennoch mit Altbau und Umgebung. Gefallen konnte auch die eingeschossige Verbindung zwischen Bestand und Erweiterung mit einem völlig unabhängig nutzbaren Rats-Sitzungssaal im Kern.„Gute Belichtung“ und „schöne Ausblicke ins Grüne“ überzeugten die Preisrichter. Auch die barrierefreie Erschließung von der Tiefgarage bis unters Dach des dreigeschossigen Neubaukomplexes konnte punkten. „Einfach, klar und wirtschaftlich“ erschlossen sei der Baukomplex geplant. Zudem lasse das Konzept nach Osten weiteren Bauraum frei. Laut Preisgericht bestens geeignet für eine später mögliche oder aufgrund Neubiberger Wachstums womöglich dringend notwendige zusätzliche Erweiterung.

Kritik gab es aber auch am ersten Preis. Das Raumprogramm sei eher knapp. Manche Räume würden fehlen, andere seien zu klein konzipiert, schrieben die Preisrichter dem Siegerteam ins Aufgabenbuch. Einige Sichtachsen müssten überarbeitet werden, dazu die Tiefgaragenzufahrt an der Hauptstraße überarbeitet werden. Chance auch für die beiden Drittplatzierten. Denn aus dem Siegertrio soll in den anstehenden Verhandlungen die exakte Realisierung entwickelt werden. Aus dem Entwurf des Münchner Büros Hammer und des Landschaftsarchitekten Thomas Schmidt könnte ein Ensemble und eine Abfolge von kleinen Plätzen zwischen Hauptstraße und Rathaus entstehen. Der Entwurf gefiel auch durch die „Bescheidenheit“ seines zweigeschossig geplanten Anbaus. Auch Details des anderen Drittplatzierten könnten einfließen. Das Berliner Büro Scheidt Kasprusch überzeugte mit einem dreigeschossigen, allerdings steil nach hinten abfallenden Dachansatz auch aus Raumgründen. Punkte sammelte dieser Entwurf ebenso wie der Sieger mit dem unabhängig konzipierten Sitzungssaal. Spannend zu sehen sein dürfte, in welcher Verflechtung die drei Wettbewerbs-Favoriten im tatsächlichen Ausbau berücksichtigt sein werden. 2022 schließlich soll alles fertig sein.

Harald Hettich

Das beschäftigt die Neubiberger

„Ist denn der künftige Gesamtkomplex barrierefrei?“, wollte Ralf Trotter vom Behindertenbeirat des Landkreises wissen. „Der gesamte Neubau ist barrierefrei und der Altbau über diesen ebenso barrierefrei zu erreichen wie die Verbindung mit der Tiefgarage“, so die Antwort von Fachseite. Laut Trotter sei der geplante Wegfall der oberirdischen Parkplätze zwischen Hauptstraße und Rathaus ein Problem für Behinderte. „Hier könnten innerhalb der Freiflächen Behindertenparkplätze ausgewiesen werden“, so Preisträger Spreen. Alle Verantwortlichen betonten, man sei schließlich erst im „Vorentwurfsstadium“. Diverse Bürgerfragen zum Kostenpaket blieben auch deshalb unbeantwortet.

Die Sorgen einer Bürgerin von der aus ihrer Sicht „zu nahen Tiefgaragenausfahrt“ an der Wittelsbacher Straße gleich neben einer Kita versuchte Bauamtsleiter Einzmann zu zerstreuen. „Durch eine breite Rampe getrennt“ seien beide Bereiche. Die Nutzbarkeit des Kindergartens sei „nicht eingeschränkt“. Eingeschränkt sehen sich die Gegner einer weitgehenden Streichung oberirdischer Parkflächen. Max Lilge von der Jungen Union kritisierte, zugunsten von 110 Tiefgaragenplätzen die oberirdischen Parkmöglichkeiten am Rathaus zu streichen. Wieviele Tiefgaragenparkplätze werden wohl dauerhaft der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, wenn das Gros von den Mitarbeitern des Rathauses und des HfW benötigt werde? Einzmann erklärte: In der Tiefgarage seien elf Parkplätze hierfür vorgesehen. Hinzu komme der Umstand, dass außerhalb der Rathaus- und HfW-Öffnungszeiten auch viele andere Tiefgaragen-Stellplätze zur Verfügung stünden. „Bis zu 90“, so Einzmann je nach Tag und Stunde. Michael Roth vom Gewerbeverein überzeugte die reine Hochrechnung nicht. Gerade für die Kunden brauche man weiterhin oberirdisches Parken. „Was passiert denn, wenn ältere Herrschaften zur Apotheke wollen und keinen Parkplatz finden“, fragte er. „Die fahren sicher nicht in die Tiefgarage, sondern 300 Meter weiter zur nächsten Apotheke.“ Genauso verhalte es sich in anderen Branchen, befürchtete er Kundenverluste. Preisgerichtschef Meyer-Sternberg erinnerte an die frühe Planungsstufe. Gleichwohl seien nicht alle Vor-Ort-Wünsche zu erfüllen. Birgit Merz kam die Anzahl der geplanten Tiefgaragenplätze „sehr hoch“ vor. Anstelle des hohen Individualverkehraufkommens solle die Gemeinde E-Bike-Leasing und ÖPNV fördern. „Den Bedarf im Vorfeld genau bilanziert“ habe die Gemeinde, so Einzmann. In Wechselnutzung seien die 99 Plätze notwendig.

hh

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