„Der Schock und die psychischen Folgen für das Opfer sind enorm“

Polizei warnt vor Trickbetrügern in München und Umgebung

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Auf solchen Flyern, die es für die Bürger kostenlos bei jeder Polizeidienststelle gibt, sind die wichtigsten Hinweise zusammen- gefasst, wie Bürger auf Trickbetrüger reagieren sollen.

Derzeit werden gehäuft Fälle von Trickbetrug in München und im Landkreis gemeldet. Iris Ohain vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz erklärt, welche Maschen es gibt, und wie Betroffene sich verhalten sollen.

Am 22. August wurde der Fall eines 83-Jährigen Rentners aus Solln publik, der einem angeblichen Polizeibeamten 50.000 Euro in einer Plastiktüte über den Balkon seiner Wohnung zuwarf. Das Geld ist verloren, er wurde Opfer der Betrugsmasche „Falscher Polizist“. Bei solchen Meldungen denken sich viele: „So etwas würde mir nie passieren!“ Doch weit gefehlt. „70 Prozent der Opfer solcher Trickbetrüger kennen die Masche vorher“, erklärt Kripo-Beamtin Iris Ohain vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz beim Polizeipräsidium München. Derzeit werden die Stadt und der Landkreis von sogenannten Legendenbetrügern überschwemmt, so die Expertin. Unter dem Begriff werden Maschen wie der seit einigen Jahren kursierende „Enkeltrick“, Gewinnversprechen, der „falsche Handwerker“ und eben der „falsche Polizist“ zusammengefasst. „Der Trick ist hochperfide“, stellt Ohain klar. Der Betrüger bedienen sich der Polizei – einer der Institutionen, denen die Bürger am meisten vertrauen – und nutzen eben dieses Vertrauen schamlos aus. Meistens läuft der Trick nach folgendem Muster ab: Unbekannte kontaktieren das Opfer telefonisch, geben sich als Kommissar aus und erklären, dass sie derzeit einer Einbrecherbande auf der Spur seien. Im Zuge dessen seien Unterlagen gefunden worden, die darauf hinweisen, dass bei dem Opfer bald eingebrochen werde. Ein Beamter komme in den nächsten Tagen vorbei und werde die Wertgegenstände sicherstellen. In abgewandelter Form heißt es manchmal, die Behörden seien hinter einem korrupten Bankmitarbeiter her. Deshalb müssten die bei der Bank befindlichen Wertsachen an die Polizei überführt werden. „Wenn man schon hört ,Polizei‘ und ,Geld sicherstellen‘, muss man wissen, dass es sich um Betrug handelt“, stellt Ohain klar, denn „die echte Polizei fordert nun mal kein Geld und keine Wertgegenstände.“

Die Expertin rät dringlich: „Legen Sie auf, und zwar richtig auflegen.“ Wenn das Telefon nicht richtig eingehängt wird, könnten sich die Betrüger noch in der Leitung befinden. Wer dann die Polizei anrufen will, landet wieder beim Täter. Auch sollen Betroffene nie auf die Rückruftaste drücken. Am besten ist, wenn über ein anderes Telefon die Polizei kontaktiert wird. „Wir bitten darum, dass sich jeder meldet, der so jemanden am Telefon hatte“, appelliert Ohain. „Wir können nicht überall sein, deshalb ist es so wichtig, dass uns die Bürger verständigen.“ Momentan ist diese Masche in München und Umgebung hochaktuell. Laut Behördenangaben wurden nur in der Woche vom 20. August bis zum 27. August 400 solcher Anrufe gemeldet, 80 davon allein vom 26. August auf den 27. August. In den letzten Tagen kam es zu einigen vollendeten Taten, bei denen es zu einem Schaden von mehreren 10.000 Euro kam.

Die Polizeiinspektion Unterhaching gab bekannt, dass zuletzt vor allem Bewohner in Taufkirchen und Unterhaching von den Anrufen betroffen gewesen seien. Laut Polizeiangaben erkannten glücklicherweise alle Angerufenen den Betrugsversuch und beendeten das Telefonat, sodass es zu keinem Schaden kam. Wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind, ist unklar, „die Dunkelziffer ist sicher deutlich höher“, meint Ohain. Kontaktiert werden größtenteils Senioren. „Die Kriminellen suchen in Adressbüchern gezielt nach alt klingenden Vornamen“, erklärt die Kriminalkommissarin. Die Callcenter sitzen in Osteuropa und in der Türkei, die Anrufer sprechen in der Regel sehr gutes Deutsch. An solche Callcenter im Ausland heranzukommen sei laut Ohain wahnsinnig schwierig. So wechseln diese häufig Standorte und Nummern.

Neben dem falschen Polizisten wird derzeit auch der falsche Handwerker gehäuft gemeldet. Dabei besteht persönlicher Kontakt mit dem Täter. Dieser klingelt an der Haustür und behauptet beispielsweise, im Haus oder im Nachbargebäude gebe es einen Wasserschaden und er müsse deshalb in die Wohnung. Dann lässt er das Opfer vorausgehen und lässt die Tür einen Spalt offen. Während der angeblichen Arbeiten im Badezimmer, räumt ein zweiter Täter die Wohnung aus. „Das können Handwerker oder Behördenmitarbeiter aller Art sein, Wasserableser genauso wie Heizungsmonteure. Natürlich haben diese ein entsprechendes Outfit an“, meint Ohain. „Wenn ein Handwerker ins Haus kommen soll, wird immer etwas von der Hausverwaltung ausgehängt oder man hat ihn selbst bestellt“, verdeutlicht die Expertin. Die Polizei rät daher, nie Unbekannte in die Wohnung zu lassen und Sicherheitsvorkehrungen wie einen Türspion oder eine Sperrkette anzubringen. Außerdem sollen Bürger immer den Unbekannten fragen, von wem er geschickt wurde und die Angaben telefonisch bei der zuständigen Firma überprüfen. „Meistens sind die Betrüger dann schon weg, denn Täter wollen leichte Opfer“, stellt Ohain klar.

Solche Trickdiebstahls- beziehungsweise Betrugsmaschen haben gemein, dass die Opfer überrumpelt und unter Druck gesetzt werden. Auch der Enkeltrick, bei dem ein angeblicher Verwandter wegen einer Notlage am Telefon um Geld bittet, läuft nach diesem Muster. Viele, die Opfer eines solchen Trickbetrugs sind, schämen sich dafür. „Der Schock und die psychischen Folgen für das Opfer sind enorm“, erklärt Ohain. Wenn die Geschädigten sich den Folgen erst einmal bewusst werden, gehe es bei vielen sehr schnell gesundheitlich bergab. Deshalb appelliert die Kommissarin auch an Angehörige und Bekannte, sich um ihre Großeltern oder ältere Nachbarn zu kümmern und genug Kontakt zu halten. Außerdem erhalten Bürger bei der Polizei jederzeit kleine Erinnerungskarten mit den wichtigsten Tipps, die sie sich am besten ans Telefon stellen. Denn die Expertin macht deutlich: „Am besten wäre, wenn die Opfer gar nicht erst Opfer werden.“

Iris Janda

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