Grenzenlos reisen, arbeiten und lieben

Planspiel „Europa im Rathaus“ in Kirchheim

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Wollen Europa dem Bürger durch ein Planspiel näher bringen (von links): Professor Stefan Rappenglück, Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl, Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller, Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder, Planeggs zweiter Bürgermeister Peter Heizer sowie Landrat Christoph Göbel.

Auch wenn Brüssel sehr weit weg scheint: Europa- politik betrifft nicht nur Länder, Unternehmen oder Verbraucher, sondern insbesondere auch die lokale Politik. Wie dies konkret geschieht können interessierte bei einem besonderen Planspiel aus erster Hand erfahren.

Verordnungen, Richtlinien oder Beschlüsse: Inzwischen nehmen rund 70 bis 80 Prozent der Entscheidungen, die auf EU-Ebene getroffen werden, Einfluss auf die Kommunen. Um die Bedeutung der Europäischen Union und die Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf das Leben der Bürger vor Ort zu veranschaulichen, hat der Landkreis München das Planspiel „Europa im Rathaus“ initiiert. Bei dem Projekt schlüpfen die Teilnehmer in die Positionen von Entscheidungsträgern und setzen sich in diesen Rollen mit europapolitischen Vorstellungen auseinander — am 10. Mai auch in Kirchheim.

Denn die Gemeinde ist eine von fünf Landkreiskommunen, die sich an diesem Planspiel beteiligt. „Grenzenlos reisen, grenzenlos arbeiten, grenzenlos lieben. Daran haben wir uns längst gewöhnt“, erklärte Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl bei der Vorstellung des Projekts. Europa sei eine Selbstverständlichkeit und Grenzen „schon so weit weg“. Dabei sei in Wirklichkeit viel Arbeit, auch in den Kommunen selbst, erforderlich, um diese „Selbstverständlichkeit“ zu erhalten.

Einen Beitrag dazu erhofft der Bürgermeister sich von dem Planspiel. Dabei geht es Böltl , der nach seinem Abitur in Praktikum im Europäischen Parlament absolviert hat, durchaus um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Europa“. Als Negativ-Beispiel nannte er die EU-weiten Ausschreibungen etwa bei Baumaßnahmen. Diese führten zu Kostensteigerungen bei den Projekten. Doch darüber dürfe man die positiven Seiten nicht vergessen, mahnte er. Schließlich hätten nicht irgendwelche Handynetz-Betreiber die Roaming-Gebühren abgeschafft, sondern europäische Politik. Im Zentrum solle deshalb die Frage stehen: Wie viel Europa macht Sinn?

Stefan Rappenglück, Professor für European Studies an der Hochschule München und Veranstalter von „Europa im Rathaus“, betonte in seinem Statement, dass Europa keine Selbstverständlichkeit sei. Erst beim Blick von außen erkenne man den Wert Europas. Diesen den Bürgern vor Ort, direkt in den Kommunen, nahe zu bringen sei Zeil seines Planspiels. Spielerisch sollten sich dabei alle Bevölkerungsschichten mit der EU, ihrer Politik und ihren Entscheidungen auseinandersetzen und so auch ein Gespür für Zwänge und Notwendigkeiten entwickeln.

Eine „aktivere Sensibilisierung“ der Bevölkerung für Europa und die bevorstehende Europawahl wünscht sich Landrat Christoph Göbel. Sein Verhältnis zu Europa schilderte er sehr persönlich. Er habe Vorfahren unter anderem aus England und Sachsen, sei deutscher und schweizer Staatsbürger. Eine Zusammenarbeit auf „unserem Kontinent“ sei dringend erforderlich. „Wir als Europäer müssen zusammenhalten“, erklärte der Landrat. Es dürfe keinen Rückschritt in nationale Egoismen geben, forderte er, hob gleichzeitig aber auch die große Bedeutung kommunaler Selbstverwaltung hervor. Fünf Kommunen aus dem Landkreis München nehmen am Planspiel „Europa im Rathaus“ teil. In Kirchheim findet es am 10. Mai statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, es können 40 Bürger ab 15 Jahren teilnehmen. Interessierte können sich per E-Mail an carina.steger@kirchheim-heimstetten.de oder telefonisch (089-90909-5108) bis spätestens 29. April anmelden. Carina Steger ist die Ansprechpartnerin für das Projekt und beantwortet gerne Fragen.

Eine gemeinsame Abschlussveranstaltung der beteiligten Kommunen im Juni bildet den Abschluss des Programms. 

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