Vom Pilz befallen

Umkämpfte Linden gefällt

+
Das Monitoring-Team, unterstützt durch Suchhund Isa, untersucht die gefällte Linde an der Kaiserstraße. Sie fanden keine verdächtigen Hinweise auf ALB-Spuren.

Es hat alles nichts genützt! Keimte vergangene Woche die Hoffnung, zwei ältere Linden in der Kaiserstraße und der Josef-Kyrein-Straße vor einer Fällung wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) in Neubiberg bewahren zu können, mussten sie dann doch gefällt werden.

Gerade die Linde in der Kaiserstraße Ecke Tannenstraße sollte wegen ihres markanten Standorts und ihres Alters erhalten bleiben. Ihre Eigentümergemeinschaft war anfangs auch bereit, die Kosten für das wöchentliche Monitoring aufzubringen: etwa 11.000 Euro pro Jahr, mindestens vier Jahre lang. Aber das zuständige Landesamt für Landwirtschaft (LfL) teilte dann mit, dass es diesen Baum, als auch die Linde in der Josef-Kyrein-Straße nicht als „besonders schützenswerte Einzelbäume“ einstufen könne, was die entscheidende Voraussetzung für ihren Erhalt gewesen wäre. Da nützte auch die Bitte der Gemeinde und des Landratsamts nichts, beide Linden als „ortsbildprägend“ anzuerkennen.

Die Betroffenen schütteln zu den Vorgängen den Kopf. Erst seit dem 9. Juni stehen die Linden auf der ALB-Fällliste. Weltweit wurden zwar Linden mit ALB-Einbohrlöchern gefunden, „aber aus keiner Linde bohrte sich je ein fertiger Käfer heraus“, klagen die Baum-Eigentümer. Dies bestätige sogar das Bundesforschungsinstitut Julius Kühn.

Besonders bitter für die Besitzer der Linde in der Josef-Kyrein-Straße: Der Baum stand nur zwei Meter innerhalb der Nachfällzone! Eine weitere Linde im Garten durfte daher stehen bleiben; und von der Haselnusshecke fiel nur gut ein Meter den Sägen zum Opfer. Das betroffene Ehepaar Bruch stellte in leidenschaftlicher Korrespondenz mit der LfL den Sinn des Fällens wegen fehlender ALB-Ausbohrlöcher in Frage: „Als die LfL-Vertreter behaupteten, in der Schweiz sei eine Linde mit Ausbohrloch gefunden worden, fragten wir in der Schweiz nach. Die Eidgenössische Forschungsanstalt verneinte dies aber und verwies auf einen möglichen Fund im Elsass“, berichtet Guido Bruch. Eine klärende Aussage dazu habe er nicht erhalten. Zudem sei auch der Ablauf der Fällung nicht korrekt verlaufen: So hätten Bruchs den Fällbescheid wegen falscher Adressierung, „aber mit Datum der ersten falschen Zusendung“ erst am Freitag vor Fällung erhalten. Dass die Fällung durchaus nötig waren, bekräftigt jedoch Gerhard Kraus, Sprecher der LfL: „Mittwoch früh wurde ihre etwa 60 bis 70 Jahre alte Linde gefällt. Der von Ästen befreite Reststamm der Linde in der Kaiserstraße leistete zunächst Widerstand, vom Tragkorb des Manitou-Baggerkrans umgestoßen zu werden. Doch plötzlich lag er binnen einer Sekunde. Die Linde war etwa 50 Jahre alt und hatte deutlichen Pilzbefall an den Druckzwieseln am Stamm.“ Insgesamt hätten „alle größeren Bäume mehr oder weniger ausgeprägte Fäulnis-Befallsherde am Stamm oder in der Krone“, so Kraus weiter, „wegen der man die Bäume aus verkehrstechnischen Gründen ohnehin hätte fällen müssen“. Laut LfL wurden bei 180 gefällten Gehölzen „drei Proben mit ins Labor genommen wurden. Sie betreffen sowohl den östlichen Bereich (Josef-Kyrein-Straße) als auch den westlichen Bereich (Kaiserstraße/ Tannenstraße) des Fällgebiets“. Nicht aber die zwei gefällten Linden

ola

Auch interessant:

Meistgelesen

Windkraft: Für Kritiker nur Waldzerstörung und Landschaftsverschandelung
Windkraft: Für Kritiker nur Waldzerstörung und Landschaftsverschandelung
Den Verkehr zusammen planen: „Allianz München Ost“
Den Verkehr zusammen planen: „Allianz München Ost“

Kommentare