Ein Frühaufsteher im Namen der Bürger

Ayings Bürgermeister im HALLO- Interview

Peter Wagner (CSU) ist seit dem 1. Mai Ayings neuer Bürgermeister. Im Interview spricht er über die bisherigen Hürden und welchen Einfluss das Amt auf sein Leben nimmt.
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Peter Wagner (CSU) ist seit dem 1. Mai Ayings neuer Bürgermeister. Im Interview spricht er über die bisherigen Hürden und welchen Einfluss das Amt auf sein Leben nimmt.

Aying – Peter Wagner (CSU) ist Ayings neuer Bürgermeister. Ein Mann, der sich treu geblieben zu sein scheint. Im HALLO Interview spricht er über seine bisherige Amtszeit.

HALLO: Herr Wagner, Sie sind nun seit dem achten August 100 Tage im Amt als neuer Bürgermeister Ayings – und das unter besonders schweren Umständen. Haben Sie sich schon gut eingelebt?

Peter Wagner: Die einen sagen, man benötigt 200 Tage, um sich einzugewöhnen, die anderen sagen, man benötigt ein ganzes Jahr und länger. Der Welpenschutz, den man anfangs noch genießt, der hat ungefähr nach zwei Monaten aufgehört. Ich muss sagen: Ich habe sehr viel gelernt in den ersten 100 Tagen. Es war keinen Tag langweilig, immer war etwas los.

Sind Sie glücklich in Ihrem neuen Aufgabenfeld?

Ja, voll und ganz. Ich möchte auch nicht tauschen! Als Bürgermeister hat man ja keine Probezeit (lacht), wie bei einem normalen Berufswechsel. Natürlich gibt es Tage, an denen man sagt: ‚Heute war es schon stressig‘, aber das hat man ja in jedem Beruf. Es war jedoch noch nie so, dass ich dachte, ich hätte mich falsch entschieden. Dass mich das Amt glücklich macht und ich froh darüber bin und ich mich auf jeden neuen Tag freue, kann ich genau so unterschreiben.

Also vermissen Sie nicht manchmal Ihren alten Beruf als Kälte­anlagenmeister?

Nein! (lacht) Fast zu meinem Entsetzen. Ich habe meinen alten Beruf, den ich knapp 17 Jahre ausgeführt habe, gerne gemacht. Vermisst habe ich ihn allerdings keinen Tag. Ich freue mich wirklich sehr über die neuen Aufgaben, die ich jetzt als Bürgermeister habe.

Was gefällt Ihnen am Bürgermeisteramt am meisten?

Aufgrund der Corona-Krise habe ich das ganze Spektrum natürlich noch nicht gesehen, denn ich fahre derzeit nicht raus, um Besuche abzustatten. Ich denke, das, was mir am meisten gefällt, ist den Bürgern da zu helfen, wo man kann. Schön ist auch, wenn Positives in der Gemeinde erreicht wurde oder ich etwas Positives über die Gemeinde lese.

Wie würden Sie Ihren Alltag als Bürgermeister beschreiben?

Ich bin ein Frühaufsteher und fange jeden Tag zwischen viertel nach sieben und halb acht an zu arbeiten. Davor habe ich zu Hause schon die Lokalpresse gelesen. Im Büro angekommen führe ich viele Gespräche und Telefonate – auch mit den Mitarbeitern – um zu besprechen, wo es hingeht und was ansteht. Die Vorbereitung auf die Sitzungen, das Einlesen in Thematiken oder Besprechungen gehören auch dazu. Und dann gibt es auch welche von der Zeitung, die anrufen und etwas wissen wollen (lacht).

Wie viele Stunden hat Ihr Tag?

Je nachdem, wann der letzte Termin war, endet er ungefähr zwischen 17 und 19 Uhr. Coronabedingt finden derzeit leider gar keine Abendveranstaltungen statt. Ich würde gerne auf Vereinsversammlungen und Feste gehen. Diese Zeit habe ich aber genutzt und bin länger im Büro, um mich in Sachverhalte einlesen zu können.

Wie ist das, wenn Sie auf der Straße sind? Werden Sie oft von Bürgern angesprochen?

Ja, als Bürgermeister steht man mehr in der Öffentlichkeit als davor. Natürlich war das am Anfang ungewohnt. Ich bin allerdings keiner, der in der Gemeinde unbekannt war, weil ich ja davor auch schon Mitglied im Gemeinderat war und auch nach wie vor Vorstand im Schützenverein. Jetzt ist es aber nicht mehr so, dass es heißt: ‚Da steht der Herr Peter Wagner‘, sondern ‚da steht der Herr Bürgermeister‘. Aber daran gewöhnt man sich sehr schnell.

Sprechen die Bürger Sie auch in Ihrer Freizeit auf Berufliches an?

Ja, man ist ja der Bürgermeister. 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Aber ich glaube, wenn man ein Problem damit hätte, sollte man sich nicht für das Amt aufstellen lassen. Ich nehme das auch auf, was die Bürger an mich herantragen. Auch wenn mir am Wochenende jemand eine WhatsApp-Nachricht schreibt, bekommt die Person eine Antwort.

Das Bürgermeisteramt nimmt sicherlich viel Einfluss auf Ihr Privatleben. Wo machen Sie da den Unterschied zwischen dem Privatmann Peter Wagner und dem Bürgermeister Peter Wagner? 

Den Unterschied kann man, glaube ich, gar nicht machen. Ich persönlich sage schon, ich gehe hier jetzt nicht als Bürgermeister zum Essen, sondern gehe als Privatmann zum Essen, zum Stammtisch, oder treffe mich mit Freunden. Mein Gegenüber identifiziert mich aber immer als Bürgermeister. Ich glaube, es wäre ein falsches Signal zu sagen: ‚Nein, jetzt nicht. Sie können mich dann morgen anrufen‘. Das würde nicht funktionieren.

Sie haben gerade angesprochen, dass Sie vor Ihrem Amtsantritt im Gemeinderat saßen. Wie ist es, die Seiten zu tauschen? 

Als Bürgermeister sieht man bestimmte Dinge anders. Im Gegensatz zu meiner Funktion als Gemeinderat habe ich als Bürgermeister vielleicht ein paar Hintergründe mehr oder beschäftige mich vielleicht auch noch mal intensiver mit Sachverhalten. Besonders in Bezug auf rechtliche Angelegenheiten. Als Gemeinderat sagt man oft: ‚Das könnte man doch so und so machen‘. Aber als Bürgermeister muss ich Dinge, die ich gerne abwickeln würde, ablehnen, weil die Gesetzeslage oder die Vorschriften es einfach nicht zulassen. Doch sowohl als Gemeinderat als auch als Bürgermeister ist das oberste Ziel, die Gemeinde voranzubringen und das Beste für die Bürger zu erzielen.

Was würden Sie sagen, war bisher in den 100 Tagen die schwierigste Hürde? 

Gerade wenn man Leute kennt, die von Corona betroffen waren und man auch weiß, was die mitgemacht haben, ist es schon schwierig zu sagen: ‚Welche Maßnahmen werden getroffen oder hätten getroffen werden sollen, wie geht man vor – auch finanziell‘. Die Gemeinde hat jetzt schon massive Einbußen gehabt, gerade weil die Steuerkraft halt nicht mehr so da war.

Wie sah das im Detail aus?

Die ersten drei, vier Wochen habe ich jeden Tag in der Früh mit meinem Kämmerer gesprochen und gefragt, was es Neues gibt, wie die Finanzlage aussieht. Da war in den ersten Wochen schon viel los und es gab einiges, das schwer zu schlucken war. Schwer war zu beobachten, wie schnell uns bereits ein Drittel der Gewerbesteuern allein durch Stundungen gefehlt hat. Wir haben besprochen, wie wir das kompensieren und wie wir handeln können. Das war eigentlich die größte Schwierigkeit; die Frage ,Wie geht es jetzt weiter?‘

Und wie sieht es jetzt aus? 

Wir haben natürlich schon mit Haushaltssperren angefangen. Das waren die ersten Schritte, die ich gegangen bin. Größere Ausgaben müssen erst mal über meinen Tisch gehen, bevor Geld ausgegeben wird. Jetzt mittlerweile – ich würde nicht sagen, dass ich es entspannter sehe – aber man hängt da jetzt einfach schon ein bisschen länger drin. Wir werden sehen, was das nächste Jahr bringt.

Wie gehen Sie grundsätzlich mit der Krise um? 

Das ist immer noch die Glaskugel, in die wir hineinsehen. Aber es wird irgendwie weitergehen. Und irgendwie findet man auch eine Lösung. Also das habe ich zumindest gelernt. Im ersten Moment bist du davor gestanden und hast dir gedacht: ‚Oh, wie machst du das jetzt?‘ Meistens, wenn man eine Nacht oder zwei drüber geschlafen hat, kommt man schon auf einen Weg, den man gehen kann, und dann wird das schon.

Ist Aying gerüstet für die zweite Welle? 

Ja, die Vorbereitungen für die zweite Welle laufen schon. Bei der ersten Welle sind wir wirklich kalt erwischt worden. Niemand wusste, was Sache ist. Jetzt sind wir durch die Erfahrungen der ersten Welle besser gewappnet für die zweite Welle.

Interview: Melanie Schröpfer

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