Verbunden trotz Besuchsverbot

Ottobrunn/Riemerling: Seniorenheime schaffen alternative Kontaktmöglichkeiten 

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Das Lore-Malsch-Haus in Riemerling bietet Angehörigen an, Botschaften und Videos per Mail an die Heimbewohner zu schicken.

Derzeit gelten in Alten- und Pflegeheimen strenge Besuchsverbote. Doch es gibt Möglichkeiten und Wege, damit die Bewohner dennoch mit ihren Liebsten in Kontakt treten können und nicht Vereinsamen.

Ottobrunn/Riemerling – „Social distancing“ ist in Zeiten von Corona die oberste Priorität, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Soziale Distanzierung bedeutet das wörtlich übersetzt. Dieser Begriff ist aber unglücklich gewählt. Vielmehr geht es um die physische Distanzierung bei gleichzeitig sozialer Nähe und Verbundenheit. Aber eben über andere Wege und Möglichkeiten als den direkten Kontakt. Denn Isolation und Einsamkeit machen ebenso krank.

Gerade ältere Menschen haben ohnehin nur noch wenig soziale Kontakte, oft bleiben als einziges die Besuche von Kindern und Enkeln. Doch genau diese müssen nun ausbleiben. In Altenheimen herrscht ein strenges Besuchsverbot, um eine Ausbreitung des Virus in den Einrichtungen unbedingt zu verhindern. Wie gehen die Bewohner mit dieser Situation um? Inwieweit kann ein Mensch mit Demenz oder Alzheimer verstehen, dass die Welt gerade im Ausnahmezustand ist?

Im KWA Hanns-Seidel-Haus in Ottobrunn haben sich hochbetagte, demenziell erkrankte Menschen aus der Tagesbetreuung „Gute Stube“ vergangene Woche im Schatten von Corona Gedanken über das Thema Glück gemacht. Anlass war der „Welttag des Glücks“, der alljährlich am 20. März gefeiert wird.

 In gemeinsamer Runde – selbstverständlich mit dem gebotenen körperlichen Abstand von zwei Metern – trafen sich die Bewohner in der Gruppe und erzählten Geschichten aus ihrem Leben, lachten und sangen zusammen. Entstanden sind zusammen formulierte Worte zum Thema Glück (siehe unten).

Die kleine Gruppe bringt weit über 600 Lebens- und Erfahrungsjahre mit. Die Teilnehmer haben Verständnis für die aktuelle Gefährdung und bedauern die damit einhergehende Situation. Mit ihren Worten in der Zeitung wollen sie alle Familienangehörige, Freunde und Ehrenamtliche grüßen. Eine Teilnehmerin, Jahrgang 1922, meint dazu: „Denn Zeitung kann ja nicht anstecken, nur mit guten Worten.“

Auch im Lore-Malsch-Haus in Riemerling wurden Heimleitung und Mitarbeiter erfinderisch. Dort wird den Senioren eine Möglichkeit geboten, trotz Besuchsverbot den Kontakt zu den Liebsten nicht zu verlieren. Als erstes Pflegeheim der Inneren Mission hat die Einrichtung einen speziellen Mail-Service eingerichtet. Unter gruss-an-lore@hotmail.com können Angehörigen Nachrichten, Fotos oder Videobotschaften an die Heimbewohner schicken. Wenn eine E-Mail eingeht, überbringen die Pfleger diese persönlich. „Wir spielen das dann vom Handy oder vom Tablet vor“, erklärt Heimleiter Jan Steinbach.

Von einigen wurde das Angebot bereits genutzt. Eine der ersten Botschaften, die einging, war ein Ständchen mit einem italienischen Lied, das ein Enkel seiner Oma gesungen hatte. Die Heimbewohner können ebenfalls eine Botschaft zurücksenden – allerdings nur vorab aufgezeichnet. „Live-Chat geht aber aus technischen Gründen nicht“, bedauert Steinbach.

Demnächst will das Heim außerdem auf dem hauseigenen TV-Sender auch „Mutmachendes und Seelsorgerliches“ sowie Nachrichten aus dem Haus anbieten. Auch wird aufgrund des Besuchsverbot im Haus jetzt sehr viel Einzel- und Gruppenbetreuung zur Abwechslung und Ablenkung für die Bewohner angeboten.

Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie Lösungen geschaffen werden, um die seelischen Auswirkungen des Besuchsverbots auf die Heimbewohner abzufedern. Sie zeigen, dass es in besondere Situationen besondere Wege gegangen werden müssen. Und, dass es für soziale Nähe keine körperliche braucht.

Iris Janda

Worte zum Weltglückstag

Glück und Glas – wie leicht bricht das!

Jeder ist seines Glückes Schmied. Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück! Denn das Gute, das wir geben, kehrt ins eigene Haus zurück.

Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen, Gesundheit auf all deinen Wegen. Gesundheit und Frohsinn.

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde! Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen. Geben ist glückseliger als Leben. Glücklich ist, wer nicht vergisst. Und das größte Glück sind all unsere Lieben, die wir hiermit grüßen.

Unser Beisammensein ist unser schönstes Glück!

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