Rechnung geht nicht auf

Ottobrunner Verwaltung lehnt Echtzeit-Anzeigen ab

Wenn es nach Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer geht, könnte es zumindest am Bahnhof Echtzeit-Anzeigen an den Bushaltestellen geben.
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Wenn es nach Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer geht, könnte es zumindest am Bahnhof Echtzeit-Anzeigen an den Bushaltestellen geben.

Rote Ampeln, Stau oder Verzögerungen beim Einstieg – es kommt nicht selten vor, dass sich Busse verspäten. Dank Echtzeit-Anzeigen wissen ­Fahrgäste, wie lange sie noch warten müssen. Dennoch lehnt Ottobrunn eine Installation solcher Anzeigen an den Haltestellen ab.

Ottobrunn – „Das Geld sollten wir uns sparen“ – dieses Fazit zog Otto­brunns Bürgermeister Thomas Loderer zur Ausstattung der örtlichen Bushaltestellen mit Echtzeit-Anzeigen. Hintergrund des Tagesordnungspunkts im jüngsten im Planungs- und Umweltausschuss war eine Aufforderung des Landratsamts an die Gemeinden, die bereits Mitte März erfolgte. 

Darin wurden die aus Sicht des MVV ortsspezifisch geeigneten Haltestellen vorgeschlagen, an denen digitale Tafeln, die in Echtzeit die Busankunftszeit anzeigen, angebracht werden können. Das Amt forderte in dem Schreiben eine verbindliche Zusage der Gemeinde zur Kostenübernahme. Denn die Kommunen müssen sowohl die Investitions- als auch die Betriebskosten übernehmen. Die Wartung soll in einer Verbundlösung geregelt werden.

Für Ottobrunn wurden 29 Anzeigetafeln an zwölf Haltestellen ermittelt. Trotz Fördersatzes von 30 bis 40 Prozent belaufen sich die Investitionskosten zwischen 218.000 und 254.000 Euro. Hinzu kommen Personalkosten für Beschaffung und Einbau sowie die jährlichen Betriebskosten in Höhe von 45.000 Euro. Auf zehn Jahre gerechnet könnten so bis zu 700.000 Euro zusammenkommen.

Diese Kosten-Nutzen-Rechnung gehe derzeit nicht auf, heißt es von Verwaltungsseite. Außerdem sind aufgrund der Corona-Pandemie Einbrüche bei den Steuereinnahmen zu befürchten. „Das Thema ist damit nicht ein für alle Mal besiegelt“, erklärte der Bürgermeister, aber „aus Haushaltssicht ist der Mehrwert nicht da“.

Loderer selbst finde immer alles gut, was den Alltag der Bürger erleichtert. In den vergangenen Jahren hielt er aus diesem Grund auch immer die Installation der Echtzeit-Anzeigen für wünschenswert. Schließlich diskutiere man im Mobilitätsausschuss des Kreistags schon seit zwölf Jahren darüber. Aber früher sei ihm noch nicht die rasante technische Entwicklung durch die Smartphones bewusst gewesen. 

Mittlerweile verfüge ein immer größer werdender Teil der Menschen über mobilen Geräte, mit denen von überall die aktuellen Ankunftszeiten abgerufen werden können. Ohnehin sei es das Ziel, dass die Busse pünktlich kommen. Außerdem sei Ottobrunn mit regelmäßig fahrenden Bussen gesegnet, teilweise im Fünf-Minuten-Takt. „Braucht es dann wirklich noch Echtzeit?“, fragte der Rathaus­chef das Gremium.

Grünen-Rätin Doris Popp wunderte sich über diesen Sinneswandel des Bürgermeisters. „Sie hatten im März die Echtzeit-Anzeigen noch in Ihrem Wahlkampf-Programm drin“, erklärte sie ihr Erstaunen. Weiter wollte Popp wissen, an welchen Haltestellen die Anzeigentafeln vorgesehen waren. Gerade für den Bahnhofsplatz halte sie diese für hilfreich. „Man kommt nachts mit der S-Bahn an und weiß nicht, wann der Bus kommt, weil man die Aushänge schlecht lesen kann“, erklärte sie.

Loderer erklärte, dass unter anderem am Bahnhofsplatz an verschiedenen Stellen, in der Ortsmitte, beim Phönixbad und entlang der Ottostraße Anzeigen vom MVV vorgesehen seien. Er stimmte zu, dass für den besonders Bahnhofsplatz Echtzeit-Anzeigen nützlich seien. Für diese Haltestelle könne der Sachstand getrennt von der Aufforderung durch das Landratsamt betrachtet werden. 

Auch wenn Loderer momentan generell für eine Verschiebung der Thematik sei, schlug er dem Gremium als Kompromiss vor, die Installation von Echtzeit-Anzeigen am Bahnhofsplatz überprüfen zu lassen. Bis das erfolgt ist, wird der Tagesordnungspunkt vertagt.

Iris Janda

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