„Nicht unerhebliche Realisierungsprobleme“

Ottobrunner Planungsausschuss zeigt Uni-Tram die Rote Karte

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Keine Einigkeit besteht in der verkehrsinfrastrukturellen Zukunftsfrage um die Uni-Tram zwischen den Gemeinden Neubiberg und Ottobrunn.

Unwirtschaftlich und zu langsam wäre laut Gutachten eine Uni-Tram zwischen Neuperlach-Süd, der Bundeswehr-Uni Neubiberg, Ottobrunn und dem Gewerbegebiet Brunnthal-Nord. Die FDP-Fraktion hatte beantragt, diese Verbindung zu realisieren, was der Ottobrunner Planungsausschuss mit großer Mehrheit ablehnte.

Der Bau einer Straßenbahn nach Ottobrunn ist auf den ersten Blick eine charmante Idee, birgt jedoch nicht unerhebliche Realisierungsprobleme“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Ottobrunner Planungs- und Umweltausschuss. Die FDP-Fraktion hatte das eigentlich schon ad acta gelegte Projekt wieder auf die Tagesordnung gebracht und beantragt, die sogenannte „Uni-Tram“ zu realisieren. Die könnte zwischen Neuperlach-Süd, Bundeswehr-Uni Neubiberg, Ottobrunn und Gewerbegebiet Brunnthal-Nord verkehren. Ein Arbeitskreis des Münchner Verkehrs- und Tarif-Verbunds (MVV) hatte sich zwischen 1997 und 2004 damit beschäftigt, zudem gab das Landratsamt München eine Verkehrsuntersuchung zu einer Schienenverbindung Ottobrunns bei der Firma Intraplan Consult GmbH in Auftrag, deren Ergebnisse im November 2014 veröffentlicht wurden. Intraplan kommt zum Fazit, dass „das Verkehrspotenzial nicht ausreichend und nicht gebündelt genug ist, um eine Schienenanbindung zu rechtfertigen“. Zudem liege die Uni Neubiberg abseits der favorisierten Hauptachse Neuperlach Süd — Ottobrunn, was deren Anschluss ausschließe.

Zwei Strecken führt die FDP in ihrem Antrag aus. Alternativ zur oben erwähnten ab Neuperlach Süd schlägt die FDP die Verlängerung der Tram 17 ab dem Giesinger Schwanseeplatz vor. Diese Trasse würde zwar die Bundeswehr-Uni und Otto- brunn erschließen, ließe aber den wichtigen Umsteigebahnhof Neuperlach Süd außer Acht. Problematisch sieht Ottobrunns Bauverwaltung auch die räumliche Führung der Tram durch die Gemeinde. Verkehrlich sinnvoll und förderwürdig sei ein zweigleisiger Gleiskörper, für den im Minimum eine Breite von 6,65 Metern notwendig sei. Hinzu kämen noch die unverzichtbaren Strommasten, für die jeweils 0,4 Meter benötigt würden. Das ist auf Ottobrunns Burgfrieden nur schwer umsetzbar. Beispiel Haidgraben: Die Straßenbreite schwankt hier zwischen 13 und 15 Metern, mit Eingriff in die Grünstruktur käme man teilweise auf 17,50 Meter. Wegen der im Westen fehlenden Bebauung und damit geringer Fahrgastzahlen wäre aber die Trasse über den Haidgraben problematisch. Auch in die Fahrbahn der Rosenheimer Landstraße wären Tramgleise nicht einfach zu integrieren, denn überbreiten Fahrbahnen im Mittelabschnitt stehen wesentlich schmäleren im Süden und Norden gegenüber. Nur durch weniger Parkplätze, Bäume und Grüninseln könnte Platz für die Gleise geschaffen werden. Rund 10,1 Millionen Euro würde ein Kilometer Gleiskörper kosten, was bei der Trasse Haidgraben mit 24,22 Millionen und bei der Rosenheimer Landstraße mit 36,32 Millionen zu Buche schlagen würde. Zwar müsste die Gemeinde nicht selbst zahlen, wenn der vorgegebene Kosten-Nutzen-Faktor zur Ausschüttung von Fördergeldern erreicht wird – laut Gutachten liegen beiden Tram-Varianten aber deutlich unter diesem Wert. Weil die Tram erheblich langsamer wäre, als bisher vorhandene Verbindungen inklusive Umsteigen, gehen die Gutachter von geringen Fahrgastzahlen aus. „Im Saldo aller Effekte ist die Straßenbahn in beiden untersuchten Varianten gesamtwirtschaftlich nicht sinnvoll“, so das Fazit. Das sahen auch Mitglieder des Planungsausschusses so und lehnten den FDP-Antrag mit großer Mehrheit ab. 

Weitere Informationen finden Sie hier.

gm

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