„Das hat nicht nur den Magen, sondern auch das Herz gefüllt“

Ottobrunner Nachbarschaftshilfe verteilt Weihnachtspäckchen

Elke Schiller von der AWO Ottobrunn mit den drei ehrenamtlichen Helferinnen in der Päckchenstation.
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Elke Schiller (links) mit ihren ehrenamtlichen Teilzeit-Engeln, die Weihnachtspäckchen für rund 80 Empfänger füllten.

Zum 17. Mal packten und verteilten die Ehrenamtlichen der AWO-Nachbarschaftshilfe Ottobrunn, Hohenbrunn und Neubiberg die Weihnachtspäckchen für Hilfsbedürftige. „Weihnachten in der Schachtel“ heißt die Aktion, die viel mehr ist, als eine Übergabe zwischen Überbringer und Empfänger. 

Ottobrunn - Draußen ist es kalt, in der AWO Nachbarschaftshilfe Ottobrunn warm. Das liegt vor allem an der Wärme, mit der die ehrenamtlichen „Teilzeit-Engel“ die Weihnachtspäckchen für Bedürftige zusammenstellen. Mit dem Eintreten in den Raum, die Packstation, fällt der Blick zunächst auf 70 aufeinander gestapelte Kartons. „Edelpäckchen“, wie Elke Schiller von der AWO Nachbarschaftshilfe in Ottobrunn verrät. Alles Spenden, die ein großes Unternehmen eigentlich den Mitarbeitern zugetan hatte. Diese aber gaben sie an die AWO weiter.

Auf den vier zusammengeschobenen, hölzernen Tischen, steht ein weiterer Karton, der gefüllt ist mit vielen kleinen Geschenken. Alle weihnachtlich verpackt. Diese Geschenke sind für die Kinder, die eine eigene Tüte geschenkt bekommen. Mit in dem Säckchen sind nebst dem Geschenk, das zum Teil dem genauen Wunsch des beschenkten Kindes entspricht, ein Nikolaus aus Schokolade und zwei weitere Zückerchen.

Der Blick wandert weiter nach links und bleibt an mehreren, ebenfalls übereinander gestapelten Tragekisten hängen. Das ist die Packstraße. Die Ehrenamtlichen nehmen sich eines der roten, mit glitzernden Sternen versehenen Pakete und gehen dann Kiste an Kiste diese Straße entlang, um das Weihnachtspäckchen zu füllen. Bei vielen Paketen wissen die Ehrenamtlichen, was den Empfängern besonders gut schmeckt. Das haben sie sich über das Jahr aufgeschrieben und achten beim füllen der Weihnachtspäckchen darauf.

Die Kisten der Packstraße sind sortiert und tragen Schilder mit der jeweiligen Aufschrift wie: Kaffee, Süßigkeiten oder Nussmischung. In diesem Jahr bekommen die Bedürftigen einheitliche Weihnachtspäckchen. Früher waren es Schuhkartons, in denen die Spenden ihren Platz gefunden haben. Die Schuhkartons hatten natürlich unterschiedliche Größen und so musste in den vergangenen Jahren viel gebastelt werden, um alle Spenden unterzubringen.

In diesem Jahr ist das anders. Die einheitlichen Kartons und die Einführung der Packstraße bringt das Hygienekonzept mit sich. Die Ehrenamtlichen sagen, dass der Ablauf so um einiges einfacher sei. In Zwei-Stunden-Schichten sind maximal zwei haushaltsfremde Ehrenamtler eingeteilt und packen Päckchen für Päckchen. Dabei erhält jeder die gleichen Dinge, aber trotzdem abgestimmt auf individuelle Vorlieben. In einem Päckchen, das für eine Person gedacht ist, sind beispielsweise Kaffee, Weihnachtsnaschereien oder auch Körperpflegeprodukte.

Elke Schiller erzählt, wie gut auch die weihnachtlichen Servietten ankommen. Einmal habe eine Dame sich gemeldet und erzählt, sie habe sich sehr darüber gefreut, auf dem Tisch Servietten auslegen zu können und somit ein schönes, dekoriertes Weihnachtsessen mit ihrer Enkelin genießen zu können. Für uns seien Servietten etwas alltägliches. Ein bis zwei Euro kosten sie – aber wenn man wenig Mittel im Monat zur Verfügung hat, werde eben genau daran gespart. „Und dann ist das schon etwas besonderes“, so Schiller.

Lokale Firmen, die ebenfalls von der Spendenaktion wussten, gaben ebenfalls etwas dazu. Auch eine Empfängerin der Päckchen wollte etwas dazu tun. Sie bemalte die vielen Weihnachtskärtchen, die jeder Empfänger der Päckchen erhält. Malerische Unterstützung gab es auch von fleißigen Kindergartenkindern. Insgesamt vier bis fünf Wochen Arbeit stecken in der Vorbereitung. Generell sei zu beobachten, dass die Hilfs- beziehungsweise Spendenbereitschaft der Bürger besonders in diesem Jahr sehr groß war.

„Es herrscht ein anderes Bewusstsein durch Corona. Durch die zweite Welle, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Früher waren es viele Ja-Produkte; dieses Jahr Bio-Produkte“, und insgesamt seien die Spenden viel hochwertiger ausgefallen. „Die Motivation, Organisation und Spendenbereitschaft beflügelt einen sehr“, sagt eine der Ehrenamtlichen. Schiller sagt, das Schöne für die Empfänger sei, dass gar nicht mal das Geschenk an sich im Vordergrund stehe, sondern „dass da jemand ist, der an einen denkt.“

Kerstin Domabyl bei der Übergabe eines Weihnachtspäckchens.

Dass an sie gedacht wird, bekommen einige Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Ottobrunn nicht nur jetzt zur Weihnachtszeit zu spüren. Denn ihre zwei Engel sind bereits seit Mai für sie im Einsatz. Kerstin und Nadine Domabyl verteilen nicht nur die Weihnachtspäckchen, sondern bringen seit Mai einmal im Monat Lebensmittelkisten an Hilfsbedürftige. Sie beliefern fünf Haushalte im dem Gebäude mit der kostenlosen Kiste, die mit frischen Obst und Gemüse gefüllt ist. Außerdem sind immer auch individuelle Produkte dabei, für die das Geld im Alltag selten reicht. Der Besuch des Mutter-Tochter-Gespanns wird immer heiß ersehnt – umso überraschender ist, dass sie dieses Mal mittwochs statt freitags an der Haustür klingeln. Die Freude über den Besuch ist aber nicht weniger groß.

„Für mich ist es echt ein Segen“, erklärt eine Mutter freudestrahlend. Sie ist Schmerzpatientin und konnte vor allem in der Anfangsphase der Pandemie das Haus kaum verlassen. „Das gab uns das Gefühl, nicht ganz verloren zu sein in dem ganzen“, so die Frau weiter. Deshalb war es ihr immer wichtig, auch etwas den fleißigen Helferinnen zurück zu geben. In einem Beutel hat sie den Domabyls für ihre Hilfe immer ein kleines Dankeschön hinterlassen. Durch diese zwischenmenschliche Nähe in einer Zeit der Unsicherheit sei die Lieferung viel mehr als nur die Lebensmittel gewesen. „Das hat nicht nur den Magen, sondern auch das Herz gefüllt“, sagt die Bewohnerin ergriffen.

Auch Mutter und Tochter gehen die Worte sichtlich nahe. Zwischen ihnen und den Hilfeempfängern ist über die Monate eine liebevolle Beziehung entstanden. Sie haben zu jedem Empfänger warme Worte. „Die Dame mag ich so gerne“, meint etwa Nadine Domabyl oder ihre Mutter schwärmt: „Die Frau ist immer so lieb zu uns und freut sich jedes Mal total, wenn wir kommen.“ Auch freudestrahlende Gesichter, als bei einer Familie im zweiten Stock geklingelt wird.

„Das ist eine ganz große Hilfe, wir können uns gar nicht oft genug bedanken“, sagen eine Mutter und ihre jugendliche Tochter. Ein Herr, dessen Frau normalerweise die Kisten im Empfang nimmt, aber gerade nicht zu Hause ist, erklärt überschwänglich: „Das ist eine große Bereicherung. So ein freundlicher Service, den man gar nicht bezahlen kann.“ Aus der Stadt, in der er viele Jahre gewohnt habe, kenne er solch nachbarschaftliches Engagement nicht.

Kerstin Domabyl ist seit Anfang an bei der Aktion „Weihnachten in der Schachtel“ dabei. Doch dieses Jahr ist die Päckchen-Übergabe besonders schön. Denn anders als in den letzten Jahren kennen sie und ihre Tochter diesmal die Empfänger persönlich. „Es ist sehr schön, eine Beziehung zu den Leuten aufgebaut zu haben“, erklärt Tochter Nadine mit strahlenden Augen. Sie bringen den Menschen nicht nur Essen, sondern haben auch ein offenes Ohr. Ohne die Corona-Pandemie wäre das so nie zustande gekommen. Etwas Positives, das aus der Krise entstanden ist.

Das größte Geschenk haben die Domabyls den Päckchen-Empfänger dann noch mündlich überbracht: Dank der großen Spendenbereitschaft der Mitbürger können die Lebensmittelkisten noch weitere sechs Monate verteilt werden.

Melanie Schröpfer/Iris Janda

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