MVG-Räder – sinnvoll oder einfach nur teuer?

Mietradsystem wieder auf die Tagesordnung der Planungsausschuss-Sitzung in Ottobrunn

Die MVG-Räder sorgten in Ottobrunn für Diskussion. Eine Entscheidung konnte trotzdem nicht getroffen werden.
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Die MVG-Räder sorgten in Ottobrunn für Diskussion. Eine Entscheidung konnte trotzdem nicht getroffen werden.

Ottobrunn – Dass Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) von den MVG Rädern nicht viel hält, ist kein Geheimnis. Nun wurden jedoch die Stimmen der Opposition wieder lauter. Für den Ottobrunner SPD-Kreisrat Florian Schardt ist diese ablehnende Haltung nicht nachvollziehbar: „Die Räder werden genutzt, die teilnehmenden Gemeinden und der Landkreis sind sehr zufrieden“, erklärte Schardt. Darüber hinaus kritisierte er die als Argumentation dienende Kostenkalkulation Loderers, welcher er jüngst anstellte: „Woher die 83.500 Euro an jährlichen Kosten kommen sollen, ist mir völlig schleierhaft. Unterhaching hat deutlich mehr Stationen als Pullach, aber weniger als 50 Prozent an jährlichen Kosten.“ 

Eine erste Jahresbilanz zur Nutzung des Mietradsystems veröffentlichte nun das Landratsamt München. So seien die 1100 MVG-Räder 2019 im Landkreis 74.300 Mal ausgeliehen worden. Dies bedeutet, dass jedes Rad knapp 68 Mal ausgeliehen wurde. Dies veranlasste die SPD und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Dringlichkeitsantrag für die bevorstehende Planungsausschuss-Sitzung zu stellen. Dadurch wollte man das Thema MVG-Räder nochmal aufgreifen und genauere Zahlen zu Investitions- und Betriebskosten, den möglichen Zuschüssen, wo und welche Stationen in Frage kämen sowie Möglichkeiten zur Mitfinanzierung durch Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden oder Firmenbeteiligungen betrachten. 

Für Loderer zeige die Jahresbilanz jedoch, dass das System nur eingeschränkt erfolgreich sei. Während der Landrat diese Zahlen so deutet, dass mehr als jeder fünfte Landkreisbürger das System einmal benutzt hat, argumentiert die Ottobrunner Verwaltung wiederum, dass jedes Fahrrad rund 5,4 Tage steht, ehe es ausgeliehen wird. Aber auch wenn Loderer die Argumente für die objektive Dringlichkeit des Antrags in keinster Weise sehen konnte, gab er dem Antrag dennoch statt, da er sich der Diskussion trotzdem nicht entziehen wollte. 

Es folgte ein hitziger Schlagabtausch. Während Sabine Athen (SPD) verärgert die Kompetenz des Bürgermeisters in Frage stellte, einen Antrag richtig lesen zu können, verglich dieser wiederum im späteren regelrechten Wortgefecht das Mietradsystem mit einer „Kannibalisierung des Busangebots“. 

Die von der Bauverwaltung Ottobrunns präsentierte Ko­stenaufstellung konnte die SPD nicht überzeugen. Die Zuschüsse von Bund und Landkreis seien nicht mehr aktuell und die Kosten für die Stationen nicht genügend recherchiert worden. Trotz alledem sind aus Sicht des Bürgermeisters die Kosten unverhältnismäßig bezogen auf den Nutzen in Ottobrunn. Gleichzeitig betonte er aber, dass das Mietradsystem nicht für alle Zeiten ausgeschlossen sei. 

„Wenn im Zuge von neuer Bebauung der Nutzen für die Räder zu sehen ist und sich punktuell eine neue Situation ergibt, dann kann ich mir vorstellen in ein bis zwei Jahren nochmal darüber zu reden“, räumte Loderer ein. Schlussendlich führte die Abstimmung zum Beschlussvorschlag, das Mietradsystem weiterhin nicht einzuführen, zu einem Gleichstand, sodass eine weitere Abstimmung in der Gemeinderatssitzung erfolgen soll. Dort, prophezeite Loderer, wird es wohl keinen Patt geben. 

Jens Verhey

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