Guter Start – aber etwas zu plötzlich

Resümee zur Besuchsöffnung im Ottobrunner KWA Hanns-Seidel-Haus

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Bewohnerin Herta Rexhäuser hat sich sehr auf diesen Tag gefreut, um sich endlich wieder einmal von Angesicht zu Angesicht mit ihrem Sohn Rudolf Hermann austauschen zu können.

Ottobrunn – Vergangene Woche verkündete Ministerpräsident Markus Söder die ersten Lockerungen der Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus. Darunter fällt auch die eingeschränkte Besuchserlaubnis von Alten- und Pflegeeinrichtungen. Ursula Cieslar vom Otto­brunner KWA Hanns-Seidel-Hauses zog nach dem ersten Besucherwochenende Bilanz.

Vergangenen Mittwoch wurde der Beschluss verkündet, dass die Kranken- und Pflegeeinrichtungen rechtzeitig zum Muttertag wieder für Besucher und Angehörige, beziehungsweise eine feste Kontaktperson, zugänglich sein sollen. Eine schöne Nachricht, doch bedeuteten diese Lockerungen auch viel Arbeit für das Personal. Drei Tage hatten die Einrichtungen Zeit, entsprechende Schutzmaßnahmen umzusetzen, um einen Besuch überhaupt möglich zu machen. 

Ursula Cieslar, Stiftsdirektorin des KWA-Hanns-Seidel-Hauses in Ottobrunn, erzählt, bei 220 Bewohnern hätte es über das erste Wochenende 52 Besuche gegeben; 16 davon im Bereich der Pflege und 36 Besucher im betreuten Wohnen. Cieslar sagt: „Es war kein Ansturm. Das war aber auch den Angehörigen der Bewohner zu verdanken, die Rücksicht nahmen und extra nicht am ersten Besuchswochenende kamen“, so Cieslar. Grundsätzlich halte sie die Öffnungen der Einrichtungen für Besucher für sinnvoll, dennoch hätte sie sich mehr Vorlauf für die Umsetzung der Richtlinien gewünscht. 

Caritas Vorständin Gabriele Stark-Angermeier teilte mit, dass sie die Lockerungen zwar als Schritt in die richtige Richtung sehe, doch kritisierte sie den kurzen Zeitrahmen ebenfalls als „sportlich“. Stark-Angermeier erläutert in einer Pressemitteilung: „Solch eine Umsetzung binnen drei Tagen ist eine erhebliche organisatorische Herausforderung, die mit personellem und finanziellem Mehraufwand verbunden ist.“ Den hohen Personalaufwand konnte auch Cieslar im KWA Hanns-Seidel-Haus verbuchen. 

Denn in den Hygiene-Richtlinien stünde, jeder Besucher müsse an seinen Platz geleitet werden und in die Hygiene-Richtlinien eingewiesen werden. Das war jedoch zusätzlich zum laufenden Betrieb zu stemmen. „Das heißt, wenn ich mehrere Plätze habe, brauche ich auch mehrere Mitarbeiter, die Besucher einweisen, darauf achten, dass sich sowohl Besucher, als auch Bewohner die Hände desinfizieren und nach jedem Besuch die Tische und Stühle ebenfalls desinfizieren“, so Cieslar. 

Sie verdeutlicht, dass dieser Mehraufwand ohne die große Bereitschaft ihrer Mitarbeiter nicht möglich gewesen wäre. Die 84-jährige Bewohnerin des KWA Hanns-Seidel-Hauses, Renate Süß, fühlt mit dem Personal. „Ich finde, die Lockerungen kamen zu plötzlich. Es hätte mit mehr Vorlauf geschehen sollen.“ Sie selbst halte sich strikt an die im Haus getroffenen Maßnahmen. 

Deshalb spreche sie jeden an, der keine Maske trägt. „Ich komme mir vor wie die Polizei hier im Haus“, sagt sie lachend und fügt hinzu: „Ich scheue mich nicht. Ich möchte mich ja auch weiterhin sicher fühlen hier im Haus. Das ist doch das Wichtige. Und vor allen Dingen möchte ich zufrieden sein. Und das bin ich“, ergänzt sie mit Nachdruck. Alles in allem haben die Mitarbeiter des KWA Hanns-Seidel-Hauses für einen gelungenen Auftakt zurück in ein normaleres Leben gesorgt. Bleibt also zu hoffen, dass die Zahlen der Infizierten nicht wieder in die Höhe schnellen und die zurückgewonnene Freiheit wieder eingeschränkt wird. 

Melanie Schröpfer

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