Brummendes Leben am Friedhof: pietätlos odersinnvoll?

Ottobrunner Ausschuss diskutiert über Nutzung von alter Urnenwand als Insektenhotel

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Insektenhotels aus Holz, Ziegeln und Halmen helfen, die Artenvielfalt zu erhalten. Ob sie auch bald am Ottobrunner Friedhof Bienen und Co. beherbergen, sorgte jüngst für Diskussionen.

Ob in Parkanlagen, Privatgärten oder an Straßen­zügen: Insektenhotels sind immer häufiger aufzufinden. Aber ist ein Friedhof der richtige Ort dafür? Diese Frage stellte sich jüngst in Otto­brunn. Die Grünen allerdings stimmten gegen den Antrag.

Ottobrunn – Friedhöfe dienen als letzte Ruhestätten. Doch das gilt nicht für die Ewigkeit – zumindest im Fall des Ottobrunner Parkfriedhofs am Haidgraben. Dort wurde die Urnenmauer im südöstlichen Bereich, dem sogenannten Erweiterungsbau, bereits geleert. Durch die Entwidmung des Areals, das langfristig nicht mehr als Friedhof genutzt werden soll, können Gebühren gespart werden. Der Teil des Friedhofs soll anderweitige Verwendung finden. Im Haupt-, Kultur und Werkausschuss wurde nun ein Antrag der CSU zur Nachfolgenutzung diskutiert.

Dieser sieht unter anderem vor, in die ausgelassene Urnenmauer Insektenhotels einzubauen. Außerdem soll der Bereich des Friedhofs zum Gesundheitsgarten umgestaltet werden. Dazu werden im Antrag als Beispiel der Gesundheitsgarten im fränkischen Retzbach erwähnt und verschiedene Möglichkeiten für Ottobrunn genannt. So seien ein Duft- und Kräutergarten, ein Generationen-Spielplatz mit Boccia-Bahn und ein Pavillon denkbar.

„Pietätlos“ nannte Erika Aulenbach von der Bürgervereinigung Ottobrunn (BVO) diesen Vorstoß. Sie war entsetzt über die Idee, dass dort, wo Verstorbene geruht haben, nun Insekten untergebracht werden sollen. Da fände sie es weniger unangebracht, wenn die Urnenmauer abgerissen werde. „Insektenhotels können gerne irgendwo anders hin“, erklärte Aulenbach. Ihr Alternativvorschlag: eine Weidenkirche, eine Art offenes Kirchengebäude aus Weidenruten.

„Also diese Pietätsthematik haben wir so gar nicht gesehen“, zeigte sich CSU-Mann Georg Weigert überrascht. Seine Parteikollegin und zweite Bürgermeisterin Monika Modrow-Lange war regelrecht schockiert: „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass das Emotionen betrifft.“ Klar sei, so Weigert, dass nach der Entwidmung nur zwei Optionen bleiben: Abreißen oder einem neuen Zweck zuführen. Axel Keller (FDP) erklärte, er könne nicht beurteilen, ob das Abreißen oder Insektenhotels pietätloser seien, „aber die Insektenhotels würden zumindest die Mauer begrünen“. 

Ruth Markwart-Kunas warb dafür, dass dieses hochemotionale Thema der Bevölkerung auch gut vermittelt werden müsse. „Gerade, dass durch die Entwidmung der Fläche eine Gebührenreduzierung entsteht, sollte hervorgehoben werden.“ Mit Blick auf die Finanzen beurteilte sie auch die Frage nach dem Umgang mit der Urnenwand: „Ich will nicht die

Kosten für das Abreißen tragen.“ SPDler Konstantin Diederichs warf andere Bedenken ein. Er fand es fraglich, dass wirklich der gesamte Bereich neu genutzt werden solle. Gerade für Baumbestattung sollte ein Teil des Areals beibehalten werden. Bürgermeister Thomas Loderer stimmte zu, bis zur heutigen Gemeinderats­sitzung prüfen zu lassen, ob der Baumbestand auf der Friedhofsfläche für Baumbestattungen ausreichend sei.

„Ich finde, wir sollten die Chance nutzen, die Fläche dort zu gestalten“, erklärte Loderer.

Widerstand gegen die Insektenhotels kam bei der Sitzung aus gänzlich ungewohnter Ecke: Grünen-Mitglied Elisabeth Eckerskorn möchte nichts an dem Areal ändern. „So wie es jetzt ist, ist es eigentlich sehr schön. Wir haben dort Füchse, es wurden Grünspechte gesichtet und sogar einen Dachs soll es geben“, verdeutlichte die Biologielehrerin. Außerdem seien Insektenhotels aus biologischer Sicht an diesem Standort nicht sinnvoll. Parteikollegin und Bürger­meisterkandidatin Tania Campbell pflichtete ihr bei: „Wenn aus der ganzen Mauer ein Insektenhotel gemacht werden soll, bräuchte man zusätzlich auch noch viele Blühwiesen. Dafür fehlt der Platz.“ 

Außerdem passe ein Gesundheitsgarten, wie er im Antrag der CSU beschrieben ist, nicht zu Insektenhotels. Umwelt- und artenfreundlicher sei es, das Areal verwildern zu lassen, anstatt einen Garten anzulegen. Eckerskorn und Markwart-Kunas machten deutlich, dass sie keinen Spielplatz oder eine Boccia-Bahn auf dem Areal wollen.

Markus Porombka (BVO) schlug vor, dass es einen Ideen­wettbewerb geben soll, bei dem die Nachfolgenutzung des Bereichs geplant werden könne. Mit dieser Option gab sich auch die CSU-Fraktion im Ausschuss zufrieden. Bei der Abstimmung gab es lediglich zwei Gegenstimmen: Von beiden Grünen-Rätinnen. Sie stimmten damit gegen jegliche Veränderung an dem Friedhofsbereich – auch gegen die Insektenhotels.

Iris Janda

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