Der Gesellschaft vorangehen

In Ottobrunn wird der katholische Pfarrverband vergrößert

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Pfarrer Stefan Scheifele in St. Albertus Magnus in Ottobrunn vor einem Wandteppich mit dem brennenden Dornbusch.

Pfarrverbandsleiter Pfarrer Stefan Scheifele lädt ein, am Sonntag, 17. März, um 10.30 Uhr in St. Magdalena Ottobrunn die Errichtung des neuen Pfarrverbandes „Vier Brunnen – Ottobrunn“ zu feiern. Anlass für ein Gespräch.

Warum werden die Pfarreien zu immer noch größeren Pfarrverbänden zusammengelegt? 

Pfarrer Stefan Scheifele: Das klassische Modell war früher ein Dorf, eine Kirche und ein Pfarrer. 1970 gab es den ersten Pfarrverband, eine große Welle dann vor 15 Jahren. Im Erzbistum Berlin und auch in Trier ist man den Weg gegangen, die Pfarreien zusammenzulegen und die Kirchen zu schließen. In Berlin wurden sogar Kirchen abgerissen. Um mal Zahlen zu nennen: In der Diözese Trier sind von ursprünglich 974 Pfarreien nur noch 35 übrig geblieben. Das war aus falscher Euphorie gedacht, man kann alles zusammenschmeißen. Das gab Wunden. Heute geht man eher von Teams aus.

Wie wird es jetzt organisiert? 

Die Diözese hier geht mit dem „Münchner Sondermodell“ einen anderen Weg: 752 Pfarreien sollen zu etwa 200 Pfarrverbänden zusammengelegt werden. Hier in Ottobrunn sind das gut 15.000 Gläubige. Dabei sollen die einzelnen Pfarreien ihre Eigenständigkeit behalten. Das steht auch so in den Gründungsakten des Verbandes. Lediglich die Administration soll zentral erfolgen und es gibt ein Team für die Sakramente. Das Leben vor Ort aber ist den einzelnen Pfarreien überlassen. Es ist auch kein Problem, wenn zwei verschiedene Pfarreien aus dem gleichen Pfarrverbund am gleichen Wochenende ihr Sommerfest feiern wollen. Allerdings für beispielsweise die Erstkommunion haben die Pfarreien immer eigene Termine in der eigenen Kirche.

Was sind die wichtigen Säulen, die bleiben sollen? 

Eine feste Gottesdienststruktur in der eigenen Kirche. Die Menschen fahren nicht in die Nachbargemeinden. Und wenn die Zeiten sich ständig ändern, dann wissen nur noch Eingeweihte Bescheid. Außerdem gibt es in den Pfarrbüros vor Ort feste Ansprechpartner. Und schließlich verbleibt die Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit in der einzelnen Gemeinde. Niemand muss etwas abgeben, wenn er nicht will. Die Gemeinden können entscheiden, was wollen wir gemeinsam machen, was will jeder einzeln machen.

Wie erleben Sie die Gemeinden? 

Das Schöne in Ottobrunn und Umgebung ist, dass es eine lebendige Ehrenamtlichkeit gibt. Und auch die Verwaltung der vier Kindergärten wird direkt von der Erzdiözese in München aus erledigt. Das wären sonst weitere 20 Wochenarbeitsstunden für einen Pfarrer. Das entlastet enorm. Außerdem gibt es ein großes Pastoralteam mit Pfarrvikaren, einer Pastoral- assistentin, einem Referenten, nebenamtlichen Diakonen und Ruhestandspriestern, die einspringen können.

Warum entscheiden sich immer weniger Männer dazu, Pfarrer zu werden? 

Die jungen Menschen werden heute dazu erzogen, sehr flexibel zu sein und bei uns ist man ja „lebenslänglich“. Aber ich erlebe auch junge Menschen, die suchend sind. So gibt es in Perlach beispielsweise eine Gruppe Jugendlicher, die Sonntag nachts alle drei Wochen ein Nachtgebet „Time to pray“ von 22 bis 24 Uhr nachts machen.

Wie lange bleiben Sie hier? 

Meine Aufgabe war, die Gründung des Pfarrverbandes zu begleiten. Es war von Anfang an klar, dass ich nur einen begrenzte Zeit bleibe und dann weiterziehe. Ich wohne auch nicht hier. Die Stelle wird jetzt demnächst ausgeschrieben. Ich denke, es wird für die Gemeinden gut weitergehen. Ottobrunn gilt für Bewerber als sehr attraktiv.

Was sagen Sie dazu, dass immer mehr Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche ans Licht kommen? 

Ich bin sehr froh über die Offenlegung. Das ist wie eine Eiterwunde im Körper der Kirche, die vergiftet alles. Der öffentliche Umgang damit ist Kardinal Reinhard Marx hoch anzurechnen, er hat eine Vorreiterrolle. Nur durch die Offenlegung kann eine Heilung geschehen. Die Kirche geht meiner Meinung nach der Gesellschaft voran. Das Problem ist ja kein rein kirchliches. 

Interview: Claudia Engmann

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