„Am Montag ist Corona wieder vorbei“

Ottobrunner Tagesmutter über den neuen Alltag

Seit Mitte Mai dürfen Kindertagespflegen wieder öffnen.
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Seit Mitte Mai dürfen Kindertagespflegen wieder öffnen.

Ottobrunn – Basteln, malen, toben. All das dürfen die Kinder nun seit dem 11. Mai wieder bei ihrer Tagesmutter. Groß war die Sehnsucht der Kinder nach Normalität. Auch wenn sie noch nicht ganz zurückgekehrt ist, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Kindertagespflege durfte als erste Betreuungsform nach der bisherigen Notbetreuung wieder die Türen für ihre kleinen Kindergruppen öffnen, in der bis zu fünf Kinder von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreut werden. 

Für alle weiteren Einrichtungen gilt bisher noch ein Betreuungsverbot, ausgenommen die Notbetreuung, Waldkindergärten und die Großtagespflegen. Angela Giunta ist Tagesmutter in Ottobrunn und betreut aktuell drei Kinder im Ersatzbetreuungsstützpunkt der AWO-Kindertagespflege des Kreisverbandes München-Land e.V. Normalerweise werden die Kinder von den Tagesmüttern oder Tagesvätern zu Hause betreut, doch nimmt Giunta das Angebot des Stützpunktes gerne an, um ihre eigene Familie während der Corona-Krise zu schützen.

Der Alltag wird sensibel gestaltet 

Morgens um acht kommen die drei Kinder nacheinander. Wenn die Erwachsenen aufeinandertreffen und bei der Übergabe des Kindes der Abstand unterschritten wird, ist eine Maske zwingend notwendig. „Überraschenderweise hatten die Kinder aber gar keine Angst vor den Masken. Ich wollte die Kinder erst langsam daran gewöhnen, in dem ich die Maske vor ihnen aufsetze, aber sie haben das von Anfang an gut angenommen“. 

Auch in der Pflege, sprich beim Wechseln der Windel, trägt die Tagesmutter einen Mund-Nasen-Schutz und Einweghandschuhe. Ich hatte die über das Internet bestellt. Die waren wahnsinnig teuer, zwischen 14 und 16 Euro habe ich für eine Packung bezahlt.“ „In unserer Berufsgruppe beziehungsweise in der Kinderbetreuung im Allgemeinen kann man sich einfach ganz schlecht schützen. Wir haben keine Plexiglaswände“, berichtet die Tagesmutter. 

Im Umgang mit Kindern könne auf den körperlichen Kontakt nur schwer verzichtet werden. Zu groß ist der Schmerz im kleinen Kinderherz, wenn es sich verletzt. Da hilft nur eins: Trösten. Und das geht nun mal nicht mit einem Mindestabstand von anderthalb Metern. Dafür sind die Hygieneauflagen um so wichtiger: Spielerisch waschen sich die Kinder zuallererst die Hände und singen dabei fröhlich zwei Mal hintereinander „Happy Birthday“. 

Kitzelt mal der Blütenstaub in der Nase, soll in die Armbeuge geniest werden. „Dafür habe ich ein Bild (siehe Foto) aufgehangen, das zeigt, wie man richtig niest. Jedes Mal, wenn eines der Kinder niesen muss, zeige ich darauf und erinnere sie daran.“ Die Kinder würden Corona und die notwendigen Maßnahmen akzeptieren. „Weil ich den Kindern die Regelungen spielerisch nahe bringe, ist das ganz lustig für sie.

Die Kleinen nehmen mit viel Spaß an dem neuen Alltag teil und freuen sich auch sehr, dass sie sich wieder treffen können“, erzählt die Tagesmutter. Angela Giunta hat den Eindruck, die Kinder wären sehr stabil, Fragen zu der aktuellen Situation würden kaum gestellt werden. „Die Kinder kennen Corona ja zum Teil von zu Hause schon. Die Mutter eines Kindes ist im Einzelhandel tätig. Somit ist Corona Zuhause Gesprächsthema“, so Giunta. Die kindliche Vorstellung würde jedoch durchkommen. „Die Kinder fahren so gerne Bus. Früher sind wir so in die Spielgruppe gefahren. 

Danach wurde natürlich wieder gefragt, aber das geht momentan natürlich nicht. Da haben sie gesagt, dass Corona am Montag wieder vorbei ist, damit sie wieder Busfahren können“, sagt Giunta lachend. Angela Giunta hat als Tagesmutter viel Verantwortung. Sie ist selbstständig. Insofern sei das Vertrauen in die Eltern wichtig, dass keine kranken Kinder gebracht werden. Daran würden sich die Eltern aber auch halten. „Ein Schnupfen ist in der momentanen Situation einfach schwer einzuschätzen.“ Doch auch die Eltern bringen der Tagesmutter Vertrauen entgegen, indem sie die Kinder in ihre Obhut geben. 

„Es ist wirklich sehr wichtig, dass die Kinder sich nicht untereinander anstecken. Deshalb halte ich es für extrem wichtig, natürlich zum einen die Auflagen in unserem Alltag umzusetzen.“ Weiter sagt sie: „Ich denke aber auch, dass wir, die in der Kinderbetreuung tätig sind, darauf angewiesen sind, dass wirklich viel getestet wird, wenn ein Kind krank ist – damit diese Infektionsketten früh aufgedeckt werden. Wichtig wäre auch, dass die Kassen das dann bezahlen.“ Angela Giunta bleibt weiter vorsichtig: „Aktuell sind die Infektionszahlen zwar nicht so hoch, aber wer weiß, wie es im Herbst wird“. Es gehe auch um die eigene Gesundheit und Existenz – und die der eigenen Familie. Denn in der Kinderpflege gebe es einfach kaum eine Möglichkeit, auf Distanz zu bleiben. 

„Es gibt also keinen anderen Weg, als es frühzeitig aufzudecken“, sagt die Tagesmutter. 

Alles muss sehr gründlich desinfiziert werden 

Nicht nur zum Ende des Tages wird alles gründlich desinfiziert auch immer wieder zwischendurch. „Das ist jetzt schon aufwendiger. Um wirklich alles zu desinfizieren, brauche ich ungefähr eine halbe Stunde“, so Angela Giunta. 

Alles in allem bietet die Kindertagespflege in ihrem kleinen, überschaubaren Rahmen den Eltern wie den Kindern eine sichere und qualitative Betreuungsmöglichkeit. Informationen zur Kindertagespflege gibt es bei der AWO-Kindertagespflege unter der Telefonnummer 72 63 20 57 oder per E-Mail unter kindertagespflege@awo-kvmucl.de. 

Melanie Schröpfer

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