Kleider machen Leute – Alles Müll?

Ottobrunn: Kleidertausch - Ein voller Erfolg

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Katrin Hauck, von der CSU Ottobrunn, und Jakob Stähle, von der JU Ottobrunn organisierten kürzlich eine Kleidertauschparty. Im Frühjahr soll wieder eine stattfinden.

Die Ottobrunner CSU und JU setzen sich für Nachhaltigkeit ein, indem sie eine Kleidertausch-Party organisieren. Zwei Parteimitglieder über Umweltschutz im Alltag.

Ottobrunn – Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Nachdem nun der europäische Klimanotstand ausgesprochen wurde, bleibt keine Zeit mehr, um zu überlegen, wie man sich diesem Thema möglicherweise annehmen könnte. Es muss jetzt gehandelt werden! Die Politik wird immer wieder aufgerufen, endlich die Schritte zu gehen, die etwas schaffen, das bleibt: eine Zukunft.

Katrin Hauck, von der CSU des Ortsverbandes Ottobrunn, und Jakob Stähle, von der Jungen Union (JU) des Ortsverbandes Ottobrunn, sagen dem Konsum der Gesellschaft den Kampf an und zeigen neue Wege auf. Eine Kleidertausch-Party etwa soll eine Möglichkeit sein, sich der Wegwerfgesellschaft zu entziehen, Kleidung eine zweite Chance zu geben und damit das Klima zu entlasten. „Wir wollen das Thema Nachhaltigkeit der Bevölkerung und vor allem auch den jüngeren Menschen näher bringen. Vor allem aber wollen wir die jungen Menschen dafür sensibilisieren, dass man selber auch etwas für das Klima und die Nachhaltigkeit tun kann“, erklärt Katrin Hauck.

Jakob Stähle, der selbst der jüngeren Generation angehört, ist Nachhaltigkeit sehr wichtig: „Bei mir sieht der Kleiderschrank funktional aus, die Klamotten werden so lange getragen, bis es nicht mehr geht.“ Als Ökonom sehe er dabei jedoch ebenfalls immer die Abwägung zwischen ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit. „Kleidertausch ist eine wichtige Möglichkeit, um etwas für die Welt zu tun. 

Es wird Freude geschenkt. Second Hand ist zwar richtig, doch steckt hinter dem Tausch noch ein anderer Gedanke: Es ist mittlerweile modern, wieder die Klamotten der vorherigen Generation zu tragen. Stichwort Vintage. Und wenn man dann jedes Mal in den Second Hand Shop rennt, dann sammelt man wieder und wieder etwas im Kleiderschrank an; und man trägt es ja nicht immer. 

Oft zieht man Kleidungsstücke nur ein paar Mal an und dann verstauben sie in der hintersten Ecke im Kleiderschrank. Irgendwann zieht man sie dann wieder heraus, schaut es sich an und sagt sich ‚oh nee, wie schaut denn das aus? Das trage ich nie wieder.‘ Und dann kommt es meistens ja leider in unserer Gesellschaft in den Müll, anstatt dass es jemand anderes noch mal trägt.“

Und genau das soll verhindert werden. Um Kleidung aus Baumwolle herzustellen, sind weltweit durchschnittlich 10.000 Liter Wasser pro Kilogramm Kleidung erforderlich. Bei einer Jeans mit einem Gewicht von rund 800 Gramm macht das stolze 8000 Liter. Ganze 85 Prozent davon verbraucht allein die Herstellung der Baumwolle, mehr als die Hälfte davon fließt in die Bewässerung der Felder. Die restlichen 15 Prozent sind für alle weiteren Verarbeitungsschritte notwendig.

Auch bei Katrin Hauck ist die Nachhaltigkeit ein langer Bestandteil ihres Lebens. Noch bevor das Thema Umwelt so wichtig für die Republik und die gesamte Welt wurde, setzte sie sich dafür ein. „Ich denke an die Umwelt, seit ich denken kann. 

Warum das so ist, weiß ich nicht. In den späten 70ern, frühen 80ern wuchs ich im Allgäu auf und war ein wahrer Exot, als ich von Mülltrennung gesprochen habe. Die Leute gingen mir regelrecht auf die Barrikaden. Aber der Klimaschutz liegt vielleicht in meiner DNA.“ Das Thema liegt ihr am Herzen, keine Frage. Und dennoch gehört sie nicht den Grünen, sondern der CSU an.

Klimaschutz, Natur und Umwelt – sind ja eigentlich alles Grüne Themen, oder? Hauck aber sagt ganz klar: „Nein, weil es missverstanden wird. Nachhaltigkeit bedeutet ökonomische, ökologische und soziale Gesichtspunkte zu beachten. Ich würde sagen, dass die Grünen erst ganz spät die ökonomische Seite entdeckt haben. Und die soziale Seite war auch nicht unbedingt auf ihrer Agenda. Jetzt aber generieren sie sich als Volkspartei und schließen allmählich die Lücken.“

Gemeinsam mit Jakob Stähle erläutert sie, was Nachhaltigkeit ihrer Meinung nach bedeutet: Einen Kompromiss zwischen den drei Punkten Ökonomie, Ökologie und Soziale Gerechtigkeit zu finden. „Ich kann nicht von heute auf morgen die Kleidungsindustrie einstampfen. Es hängen Arbeitsplätze dran. Es hängen Schicksale dran.“

Nachhaltigkeit sei kein Trend, kein Wahlkampfmittel. Nachhaltigkeit sei ein Thema, das alle etwas angeht und „jeder kann seinen Beitrag dazu leisten“.

Melanie Schröpfer

Kommentar

Konsumgier schließt Nachhaltigkeit aus - Wer den Klimawandel aufhalten will, der muss auch Haltung zeigen

Mit gebeugter Haltung nehmen wir Deutschen nur widerwillig den Platz in unserer Gesellschaft ein. Zu groß ist die Angst, den Konsequenzen der eigenen Handlungen in die Augen zu blicken. Also wird die Verantwortung abgewälzt. Große Forderungen werden an die Politik gestellt. Und wehe, ihnen wird nicht gefolgt. Die Bürger, die immer nur wollen, aber nichts tun, scheinen wohl an starken Rückenschmerzen zu leiden müssen. Ein aufrechter Gang, eine gesunde Haltung, scheint ihnen unter keinen Umständen möglich, so gebeugt, wie sie durch den Alltag stapfen. Eine Hetzjagd aus dem Hinterhalt, ist die Regel. Sie besteht darin, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen. Auf die Politik. Den Nachbarn.

Die Stimmen der Fordernden sind laut. Sie hallen durch die gesamte Republik: „Schützt die Umwelt!“, rufen sie, während sie die Kippen auf den Boden schnipsen. „Rettet die Bienen“, fordern sie, während die Betonwüsten und Steinlandschaften in ihren Kleingärten wie Fliegenpilze aus dem Boden schießen.

Aber betrachten wir das Wort, um das sich alles dreht doch mal in seiner ganzheitlichen Bedeutung. In der heiligen Schrift der deutschen Rechtschreibung heißt es: „Forderung, die: Substantiv, feminin.“ Es hat folgende Bedeutung: „Nachdrücklich zum Ausdruck gebrachter Wunsch.“ Oder: „Etwas, das von einem bestimmten Standpunkt aus erforderlich scheint.“ Zweitens heißt es: „Aufforderung, sich einem Duell mit dem Auffordernden zu stellen.“

Und damit sind nicht nur die „Anderen“ aufgefordert. Auch man selbst. Es ist an der Zeit, die Brust herauszuschieben, Haltung zu zeigen, und diese auch zu wahren. 

Melanie Schröpfer

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