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Ottobrunner Gemeinderätin Monika Modrow-Lange im Interview

Immer im Einsatz für Kinder und Bildung

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Monika Modrow-Lange stellt sich bereits seit 40 Jahren in den Dienst der Bürger: Seit 1978 ist sie für die CSU Mitglied im Ottobrunner Gemeinderat. Seit 2002 als Dritte, seit 2008 als Zweite Bürgermeisterin.

Monika Modrow-Lange sitzt bereits rekordverdächtige 40 Jahre ohne Unterbrechung im Ottobrunner Gemeinderat. Mit 29 Jahren wurde sie Ratsmitglied für die CSU: Damals durfte man in den Gemeinderatssitzungen noch rauchen und Bier trinken, erinnert Sie sich. Über ihre weiteren Erfahrungen berichtet sie in einem Gespräch mit HALLO.

Wie sind Sie zur Politik gekommen? Mein Vater saß im Gemeinderat als Vertreter der Bürgervereinigung Ottobrunn (BVO). Ortspolitik war immer Gesprächsstoff zu Hause. Als 13-/14-Jährige hat mich mein Vater als Älteste dann zu Sitzungen mitgenommen. Wenn er einen Wortbeitrag gemacht hatte, fragte er mich hinterher nach meiner Meinung. Die Atmosphäre bei den Sitzungen fand ich damals sehr spannend. Das ist mit heute nicht zu vergleichen. Da ging es hin und wieder zu, wie beim Komödienstadl. Es gab richtige Tumulte in den Diskussionen. Ein großes Thema war damals die Altölraffinerie Zerzog. Die war ungefähr da, wo jetzt der Wertstoffhof ist. Ich bin damals mit dem Bus ins Gymnasium nach München gefahren. Wenn man dort vorbeigefahren ist, da hat es gestunken. Das hat die Anwohner natürlich sehr belastet und wurde dann zum Politikum. Die Gemeinde hat es dann geschafft, dass die schließen mussten.

Warum die CSU? 1972 fragte mich die BVO, ob ich auf ihre Liste wollte. Mir war aber klar, dass ich da nur als „Füllmaterial“ reinkomme. Damals durften ja keine zwei Personen aus derselben Familie im Gemeinderat sein. Und da mein Vater auch kandidierte, war es sowieso kein Thema. Dann hätte mein Vater den Posten übernommen und nicht ich. Mit der Zeit habe ich dann das Gefühl gehabt, dass die BVO nicht die Gruppierung ist, mit der ich mich langfristig identifizieren kann. Ich bin mit Leib und Seele Bayer. Und dieses „Heimat bewahren“ hat mich wahrscheinlich beeinflusst. Ich war auch großer Franz-Josef-Strauß-Fan. So wurde ich CSU-Mitglied und kam dann 1978 auch in den Gemeinderat. Mein Vater hatte da schon aus gesundheitlichen Gründen ein Jahr zuvor aufgehört, er war kriegsbeschädigt und es ging ihm dann nicht mehr so gut.

Wie war denn ihre Rolle als Jüngste und als Frau in so einem Gremium? Ich musste da erst langsam reinwachsen. Da waren erfahrene Männer drin und ich musste erst mal wissen, wie ich was dagegen setzen kann. Mein Mann und ich hatten überlegt, wer von uns beiden sich zur Wahl aufstellen lässt. Aber er sagte: Du hast die größere Klappe, mach du das. Er war Mathematiker und sehr emanzipiert. Er hat abends die Kinder ins Bett gebracht, wenn ich zu den Ratssitzungen ging. Aber etwa ein Jahr lang habe ich erst mal zugehört, bis ich auch das Selbstbewusstsein hatte, laut mitzureden.

Was waren ihre wichtigsten Themen? Insbesondere die Bildungspolitik und das Thema Kinderbetreuung für junge Familien. Ich war ja selber junge Mutter und hatte da einen speziellen Blickwinkel. Im Wahlkampf sprach mich eine junge Mutter an: „Es gibt hier so viel, auch für Senioren, aber nichts für junge Eltern.“ Ich war als Lehrerin berufstätig und kannte das Problem auch. Ich hörte dann von einer Krabbelinitiative in Taufkirchen, die schaute ich mir an. Bürgermeister Horst Stähler-May (CSU) sagte dann zu mir: „Kannste schon machen, aber Räume von der Gemeinde kannste dafür nicht kriegen!“ Das war schon ein Dämpfer, aber aufgeben wollte ich nicht! Der damalige Pfarrer Alexander Siebenhärl kam mir entgegen: Wir konnten dann im Souterrain des Kindergartens St. Magdalena einen Raum benutzen. Und der Bauhof hat vor den Fenstern das Gelände angeböscht, so dass man einen Notausgang machen konnte. Zuerst ging es nur darum, die Kinder abgeben zu können, bei Notfällen, wie Arztbesuch und dergleichen. Später fragten die Mütter an, ob man die Kinder auch zweimal die Woche bringen könnte. Und dann erweiterten wir zu maximal drei Tagen pro Woche. Natürlich gab es da Widerstände von den Männern, auch aus meiner CSU-Fraktion. Ein Fraktionskollege meinte: „Da bringen junge Mütter ihre Kinder hin und gehen dann Tennis spielen oder zum Frisör!“ Das waren diese Männer vom alten Schlag, die der Meinung waren, die Frauen gehören in die Küche, in die Kirche und ans Klavier. Und ich entgegnete: „Na und wenn schon. Dann sind sie wenigstens ausgeruht, ausgeglichen und können sich umso liebevoller und intensiver um ihr Kind wieder kümmern!“ Nachdem die Mehrheit des Gemeinderates der Idee zustimmte, hatte er verspielt. Diese Männer konnten die Entwicklung nicht aufhalten.

Dann haben Sie da schon einiges angestoßen... Ja. Auch durfte man damals Babys nicht ins Hallenbad in Ottobrunn mitnehmen. Zumindest an den Rand hätte man sie ja in ihrer Tragetasche stellen können. Aber ich hatte von einer Untersuchung gelesen, dass man auch Erwachsenen durchaus Urin im Becken nachweisen konnte. Und ich habe dann einfach einen Antrag gestellt, der dann glatt durchging.

Wie war die Stellung der CSU in Ottobrunn? Die Partei hatte eine ganze Weile die absolute Mehrheit. Der erste Bürgermeister nach dem Krieg war noch parteifrei, das war Anton Wild, dann kamen bereits mit Ferdinand Leiß (1966 bis 1977) und Horst Stähler-May (1977 bis 1989) CSU-Bürgermeister.

Aber gab es da nicht mal einen Wechsel zu Sabine Kudera von der SPD? Ja, das war dann 1989. Aber das war eher eine Anti-Stähler-May-Wahl. Der war durchaus eine etwas spezielle Persönlichkeit und hat sich auch im Gemeinderat gelegentlich etwas ungeschickt verhalten. So hat er es auch schon mal fertig gebracht, während der Sitzung sichtbar Zeitung zu lesen. Und er hatte manchmal recht flapsige Sprüche drauf. Ich denke, die Wähler wollten ihm einen Denkzettel verpassen. Und der ist heftiger ausgefallen, als geplant. Aber dann war es halt so.

Da hat nicht der Skandal um die geplante Aufführung des „Stellvertreters“ von Rolf Hochhuth mit reingespielt, die von Stähler-May und Pfarrer Siebenhärl wohl rigoros abgelehnt wurde? Mag sein. Aber ich weiß nicht, ob das überhaupt ganz Ottobrunn so mitbekommen hat. Wobei, ja, ich fand die Ablehnung damals gar nicht so verkehrt. Wir hatten das Wolf-Ferrari-Bürger-Haus vorher kirchlich weihen und segnen lassen und dann kommt dieses Stück, was den Papst „verunglimpft“, sag ich jetzt mal. Dass da die CSU was dagegen hatte, das lag in der Natur der Sache. Das Stück wurde später ja trotzdem aufgeführt, die SPD hatte das dann als Privat-Veranstaltung eingekauft. Aber inzwischen ist der Paragraph der Gotteslästerung überhaupt nicht mehr anzuwenden, weil großzügig die künstlerische Freiheit gewährt wird. Jedenfalls hatten sich die Mehrheiten danach schon verschoben. Wir hatten dann keine absolute Mehrheit mehr. Die SPD-Bürgermeisterin Sabine Kudera wurde dann nach drei Amtsperioden (1989 bis 2007) vom jetzigen Amtsinhaber Thomas Loderer (CSU) abgelöst.

Ihr Sohn ist auch im Gemeinderat? Ja, die Tradition der Familie wird fortgesetzt. Meine Tochter sagte damals, wenn ich zu Sitzungen ging: „Wenn ich groß bin, werde ich auch Gemeinde-Rätchen.“ Doch jetzt lebt sie mit ihrer Familie in der Schweiz. Aber mein Sohn Daniel ist mit Leib und Seele Otto- brunner, so wie ich auch. Er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr früh eingetreten und war bei St. Albertus-Magnus Ministrant und Pfarrjugendleiter. Seit 2008 ist er auch im Gemeinderat für die CSU. Und damals ging das schon, dass auch zwei aus einer Familie Ratsmitglieder sein dürfen. 

Interview: Claudia Engmann

Das ist Monika Modrow-Lange:2018 erhielt Monika Modrow-Lange die kommunale Verdienstmedaille in Silber für ihre kommunalpolitisches Engagement verliehen. Sie ist Mitglied im Ottobrunner Haupt-, Kultur- und Werkausschuss, Mitglied im Schulverband der Carl-Steinmeier-Mittelschule Riemerling sowie als Schulreferentin bei Schulbeiratssitzungen dabei. Zudem ist sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende des Ortsverbands CSU und seit 2002 Dritte, seit 2008 Zweite Bürgermeisterin. Bei der kommenden Wahl wird sie wieder antreten, das ist dann ihre achte Amtsperiode.

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