Bosbach: „Am Esstisch ist Politik tabu“

Ottobrunn: CDU-Politiker Wolfgang Bosbach zu Gast

V.l.: Wolfgang Bosbach mit Rudolf Denzel und Inge Geißler von der Mittelstandsunion sowie Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer.
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V.l.: Wolfgang Bosbach mit Rudolf Denzel und Inge Geißler von der Mittelstandsunion sowie Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer.

Ottobrunn – Wolfgang Bosbach zählt zu den bekanntesten Gesichtern der CDU. Er ist regelmäßig Gast in Talkshows und hält Vorträge. Der Rheinländer war von 2000 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der Union-Bundestagsfraktion und von 2009 bis 2016 Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages.Der Vater von drei Töchtern gab 2013 bekannt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. 2017 beendete er seine Arbeit im Bundestag, ist aber trotzdem noch viel beruflich unterwegs.

Bosbachs älteste Tochter Caroline hat sich mehrfach in der Öffentlichkeit dazu geäußert, dass ihr Vater in ihrer Kindheit nie für sie da war. Im Rahmen einer Veranstaltung der Mittelstandsunion München-Land hielt der Politiker Anfang Dezember im Otto­brunner Wolf-Ferrari-Haus einen Vortrag zum Thema „Deutschland und Europa im Zeichen von Globalisierung und Digitalisierung“. Im Gespräch mit HALLO erzählt er vom Verhältnis zu seinen Töchtern und den Tischgesprächen im Hause Bosbach.

Wieso kommen Sie ausgerechnet nach Ottobrunn? Lohnt sich der Weg in kleine Gemeinden?

Ein weiter Weg, das stimmt wirklich. Aber wenn sich der Veranstalter und mit ihm viele Gäste auf diesen Abend freuen und wenn man auf ein interessiertes Publikum trifft, ist kein Weg zu weit. Ottobrunn kann ja nichts dafür, dass ich 570 Kilometer entfernt wohne.

2017 haben Sie Ihre Arbeit im Bundestag aufgegeben, unter anderem um ihre Kräfte für den Kampf gegen den Krebs zu schonen. Trotzdem sind Sie regelmäßig Gast bei Talkshows, halten Vorträge und engagieren sich in mehreren Vereinen. Wäre jetzt nicht eigentlich die Gelegenheit, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen?

Das tue ich auch, na ja, jedenfalls versuche ich das. Ich muss ja nicht mehr 22 Wochen am Stück in Berlin sein, bin also öfter zu Hause. Zumindest tagsüber. Abends bin ich dann irgendwo in der Republik im Einsatz. Und ich mache mehr Urlaub, manchmal sogar eine ganze Woche lang!

Ihre Tochter Caroline sagt, Sie wären in ihrer Kindheit wegen der Arbeit nie zu Hause gewesen. Wie ist Ihr Verhältnis mittlerweile zueinander?

Ganz großartig. Ich verbringe gerne viel Zeit mit den drei Töchtern, die ihrerseits gerne mit Papa unterwegs sind. Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, dass Papa nicht mehr der wichtigste Mann in ihrem Leben ist ....

Caroline ist nun selbst in die Politik gegangen. Wie sieht ein typisches Gespräch am Esstisch aus? Reden Sie miteinander lieber über Privates oder über Politik?

Am Esstisch ist Politik tabu, dafür sorgt schon meine Frau. Aber unter vier Augen ist bei Caro und mir Politik natürlich immer ein Thema. Ich freue mich ja auch von Herzen darüber, dass unsere Älteste in der JU politisch stark engagiert ist .

Was sind politische Streitthemen untereinander?

Wenn das mal passieren sollte, sage ich Bescheid! Bis jetzt frotzeln wir uns höchstens mal beim Thema soziale Medien, da bin ich ja überhaupt nicht unterwegs. Für Caro lebe ich quasi noch im Neandertal.

Der Klimaschutz ist derzeit in aller Munde. Auch die Union hat immer mehr „grüne Themen“ auf der Agenda. Der Berliner Kreis, dem Sie angehören, stellt unter anderem die Förderung von erneuerbaren Energien und Elektromobilität infrage. Wie positionieren Sie sich?

Weder das eine noch das andere wird vom BK abgelehnt, aber die grenzenlose Euphorie, die völlig unkritische Begeisterung wird in dieser Form nicht geteilt. In Deutschland gibt es zirka 1000 Bürgerinitiativen gegen einen weiteren Ausbau der Windenergie. Es ist schon ein Unterschied, ob man in Berlin-Mitte vom Ausbau schwärmt – also dort, wo man überhaupt nie betroffen sein wird –  oder ob man in Schlagschatten riesiger Windräder leben muss. Und es ist durchaus möglich, dass in wenigen Jahren neue Antriebstechniken die E-Mobilität ablösen werden.

Beim jüngsten CDU-Parteitag blieb der erwartete Schlagabtausch um die Parteispitze aus. Wie stehen Sie zu Annegret Kramp-Karrenbauer?

Wir kennen und schätzen uns aus der gemeinsamen Zeit im  Bundestag und an Loyalität bin ich nicht zu übertreffen. Egal mit wem die Union als Spitzenkandidat(in) antritt – ich bin im Wahlkampf gerne dabei.

Die Frage nach dem nächsten Kanzlerkandidat der Union wird heiß diskutiert. Wer sollte ihrer Meinung nach kandidieren und warum?

Die oder der, mit der oder dem wir die besten Chancen haben, ein hervorragendes Ergebnis zu erzielen. Daher lautet die Frage: mit wem haben wir die besten Chancen? Das sollten wir aber erst dann entscheiden, wenn diese Frage entschieden werden muss.

Es ist die dritte GroKo in Folge. Wird es Zeit für einen neuen Koalitionspartner?

Es wird höchste Zeit, dass wir zu einer ruhigen, verlässlichen, zielstrebigen Sachpolitik zurückkehren. Die Wahlperiode ist ja zur Hälfte vorbei. Vielleicht will ja sogar die SPD wieder mitarbeiten.

In Hessen und Baden-Württemberg funktioniert schwarz-grün bereits. Können Sie sich ein solches Regierungsbündnis auch auf Bundesebene vorstellen?

Nur schwer, sehr, sehr schwer. Alle, die jetzt von schwarz- grün träumen, sollten aufpassen, dass sie nicht unter rot- rot-grün aufwachen. Schöne Grüße aus Bremen.

Interview: Iris Janda

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