Quartierstreff soll Zusammenhalt stärken

ÖDP-Ortsverband in Ottobrunn legt Gegenentwurf für Nachverdichtung im Vogelviertel vor

Zwei Mitglieder der Bürgerinitiative Vogelviertel in Ottobrunn hängen ein Plakat gegen die Nachverdichtung im Viertel auf
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Zwei Mitglieder der Bürgerinitiative Vogelviertel in Ottobrunn hängen ein Plakat gegen die Nachverdichtung im Viertel auf.

Die soziale Struktur verbessern, minimal Fläche versiegeln und die Zahl der zu fällenden Bäume reduzieren: Nach diesen Vorgaben hat die ÖDP einen Entwurf für eine Nachverdichtung im Ottobrunner Vogelviertel ausgearbeitet. Bürgermeister Thomas Loderer hält die Pläne für unausgegoren. 

Wie kann man die soziale Struktur im Viertel verbessern? Diese Frage stellt sich der ÖDP Ortsverband Otto­brunn-Neubiberg zum Vogelviertel in Ottobrunn. Die derzeitigen Pläne zur Nachverdichtung auf dem Gelände zwischen Zaunkönig- und Zeisigstraße seien zumindest für dieses Ziel kontraproduktiv. Deshalb hat die Partei gemeinsam mit der angehenden Architektin Leandra Scheible einen Gegenentwurf zu den Plänen des Büros Studiosoko und des Bauherren Felix Eichbauer ausgearbeitet.

Zentrum des Entwurfs ist ein Mehrgenerationenhaus auf der Fläche, auf der derzeit ein leerstehendes Gewerbeobjekt steht. „Uns ist ganz wichtig, dass eine soziale Nachhaltigkeit geschaffen wird“, verdeutlicht ÖDP-Vorstand Yannick Rouault. Das Gebäude soll als Quartierstreffpunkt dienen. Im Erdgeschoss beherbergt es eine soziale Einrichtung für Kinder und Jugendliche sowie Gemeinschaftsräume für Veranstaltungen und ein Repair-Café. Im Obergeschoss soll Raum für Sozialwohnungen und eine Seniorenbetreuung geschaffen werden. Zwischen den WEG-Bewohnern und denen der Erb­baurechtsflächen gebe es keinen Zusammenhalt, erklärt Rouault.

Die ÖDP hat gemeinsam mit einer Architekturstudentin ein Alternativmodell zur Nachverdichtung im Vogelviertel entwickelt.

Durch den Quartierstreff soll dem entgegengewirkt werden. In der bisherigen Planung ist eine solche Unterkunft nicht vorgesehen. „Wenn das so umgesetzt wird, wie die Gemeinde plant, werden da nur Wohnung geschaffen, nichts für den sozialen Zusammenhalt“, kritisiert der ÖDP-Mann. Seine Partei sei offen für konstruktive Lösungen, vermisse diese Kompromissbereitschaft aber bei Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). „Wir wollen uns nicht nur quer stellen, sondern gemeinsame Lösung finden, um das beste draus zu machen. Herr Loderer lässt diesen Dialog nicht zu“, kritisiert Rouault.

Treff widerspricht Bauleitplanung

„Man kann die Rechnung nicht ohne den Wirt machen“, meint Bürgermeister Loderer zu den Plänen eines Mehrgenerationenhauses. Auf Privatgrund könne die Gemeinde nur Leistungen vereinbaren, die dem Ziel der Bauleitplanung folgen. Diese schreibe im Wesentlichen die Sicherung und Schaffung von preisgünstigem Wohnraum vor. Mit dem von der ÖDP geplanten Quartierstreffpunkt könne das nicht mehr erreicht werden. Außerdem, so Loderer, müsse für einen Treffpunkt dieses Ausmaßes das Einzugsgebiet vergrößert werden, „mit entsprechenden verkehrlichen Konsequenzen.“ Darüber hinaus sei völlig unklar, wer dieses Zentrum betreiben solle. „Die Gemeinde jedenfalls dürfte dazu allein schon aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sein“, erklärt der Rathauschef.

Doch nicht nur aus sozialen, auch aus ökologischen Gesichtspunkten lehnt die ÖDP den derzeitigen Entwurf – im speziellen den Bau der Tiefgarage – ab. Dafür müssten 71 bestehende Bäume gefällt werden. Als Ausgleich sollen zwar 63 neue Bäume gepflanzt werden, allerdings seien diese nicht gleichwertig mit den alten Bäumen, wie Werner Wolf von der ÖDP verdeutlicht. Auf Tiefgaragen nachgepflanzte Bäume hätten eine geringere Hummusschicht und könnten nur ein Drittel des Sauerstoffs der alten Bäume generieren.

Dass der hohe Verkehrsdruck im Viertel herrsche, wäre auch ihnen bewusst, erklärt Rouault. „In einer autofreundlichen Gesellschaft wie wir sie haben, braucht es die Stellplätze“, räumt er ein. Als Alternative schlagen sie vor, eine Tiefgarage unter das L-förmige Gebäude an der Zeisigstraße 15 und 17 zu bauen. Diese falle zwar kleiner als bisher geplant aus, aber die bisherigen Bebauungspläne seien auch der Grund für die Vielzahl an benötigten Stellplätzen. „Für die Wohnungen braucht der Bauträger nur 40 neue Stellplätze, aber weil er auf Flächen baut, auf denen sich zirka 50 Stellplätze befinden, müssen insgesamt 92 neue geschaffen werden“, erklärt Wolf.

Die ÖDP wehre sich nicht generell gehen Nachverdichtung – solange sie dazu genutzt werde, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und die Gemeinde dafür ein unbefristetes Belegungsrecht erhält. Genau damit wirbt Bürgermeister Loderer immer wieder für das Projekt. Schließlich könne die Gemeinde dadurch das Belegungsrecht für die 68 bestehenden Wohnungen im Erbbaurechtsvertrag erhalten und für 13 neue ein Belegungsrecht von 30 Jahren bekommen. Einen ganz anderen Ansatz dazu bringt ÖDPler Wolf ins Spiel: „Wir könnten auch das Belegungsrecht von Herrn Eichbauer kaufen“, erklärt er.

Die Sozialwohnungen würden der Allgemeinheit dienen, aber nur wenige – die Anwohner – würden unter der engen Bebauung leiden. „Es ist nicht gerecht, dass Einzelne für den Gewinn von allen bezahlen müssen“, erklärt Wolf. Bei den neuen Wohnungen stünde die Gemeinde in 30 Jahren wieder vor dem gleichen Problem, weil auch dann wieder das Belegungsrecht auslaufe. Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft München Land könne beispielsweise das Belegungsrecht kaufen und der Gemeinde unbefristet einräumen, so Wolf weiter. Das alles sei eine finanzielle Frage: „Die Verhandlungen muss man geschickt führen.“

Für Bürgermeister Loderer ist das keine Option. Es gebe für die Gemeinde keine günstigere Möglichkeit, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und zu schaffen. Belegungsrecht zu kaufen, um die Nachverdichtung zu verhindern sei teurer und aufwendiger. Außerdem widerspreche es dem mehrheitlichen Willen des Gemeinderats. „Das ist nicht zu Ende gedacht“, so Loderer. Die Gemeinde könne auch auf anderen Wege den Weiterbau verhindern. „Aber wir wollen ja preisgünstigen Wohnraum erhalten und schaffen.“

Wenn nötig bis zum Volksbegehren

Oberstes Ziel der ÖDP sei die Verbesserung der sozialen Struktur im Viertel, die minimalste Flächenversiegelung und die Reduzierung der zu fällenden Bäume, fasst Rouault zusammen. „Man kann über alles reden, die Frage ist nur, wie viel Dialog dann zugelassen wird von der anderen Seite“, so der ÖDP-Vorstand. Von der Kompromissbereitschaft bei der Bürgerversammlung zu dem Thema am 7. Oktober waren ÖDP wie auch die Mitglieder der Bürgerinitiative Vogelviertel enttäuscht. „Die Stimmung bei den Bürgern war mehr emotional als rational“, so Rouault. Allerdings seien weder der Rathauschef noch der Architekt auf die Vorschläge aus der Bürgerschaft eingegangen. Offen blieb auch die Frage, wie viel Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für Mitarbeiter der öffentlichen und sozialen Infrastruktur bestehe.

Das Thema wird das nächste Mal im Januar im Umweltausschuss besprochen. „Man kann erst klagen, wenn der Beschluss da ist“, erklärt Werner Wolf zum weiteren Vorgehen. Auch ein Volksbegehren können erwogen werden. „Ein Kompromiss hängt nur vom politischen Willen ab.“

Iris Janda

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