Kleine und große Wunder geschehen, wenn sie nicht herbeigeführt werden

Manuel Kleinhans ist der neue katholische Pfarrer für Aying-Helfendorf und Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Manuel Kleinhans ist seit 1. September der neue Leiter des Pfarrverbandes Aying. Ab Oktober übernimmt er auch die Leitung des Pfarrverbandes Höhenkirchen-Siegertsbrunn.
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Manuel Kleinhans ist seit 1. September der neue Leiter des Pfarrverbandes Aying. Ab Oktober übernimmt er auch die Leitung des Pfarrverbandes Höhenkirchen-Siegertsbrunn.

Aying/Höhenkirchen-Siegertsbrunn – Die Gemeinden Aying, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Brunnthal dürfen sich freuen, denn Manuel Kleinhans übernimmt in Aying-Helfendorf seit September und in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ab Oktober die Leitung der beiden Pfarrverbände. Damit löst er Martin Kurlitsch in Aying und Pfarrer Anton Wolf ab, der für Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Brunnthal zuständig war. Zunächst wird Manuel Kleinhans für zwei bis drei Monate in Kleinhelfendorf wohnen. 

Danach wird sein neues Zuhause in Höhenkirchen-Siegertsbrunn sein. Vor fünf Jahren wurde Kleinhans zum Priester geweiht und war als Kaplan in München und Fürstenfeldbruck eingesetzt. Seit seiner Weihe begleitet ihn sein Primiz-Spruch aus Jesaja, Kapitel zwei, Vers fünf: „Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herren.“ Auch in den südöstlichen Landkreis wird ihn dieser Vers begleiten. Entschieden habe sich Kleinhans damals für diesen Vers, weil zum einen Bewegung darin stecke und „es etwas Tröstliches und Erbarmendes hat.“ Kleinhans erklärt: 

„Wir sind sozusagen gerufen, auf diesem Weg oder auf diesen Wegen zu gehen. Gleichzeitig drückt der Vers aus, dass der Herr uns erleuchtet oder erhellt. Das ist für mich ein sehr schönes Bild.“ Ebenso stelle dieses Bild auch das Anliegen des neuen Pfarrverbandsleiters dar. Wichtig sei ihm, dass bei allem organisatorischem Aufwand, der nun auf die Kirche beziehungsweise die Pfarrverbände zukommt, nicht nur die Probleme im Vordergrund stehen. 

Mit einem Lachen auf den Lippen sagt er: „Sondern als Erstes kommt die Freude und die Schönheit des Glaubens. Und dann kommt der Rest.“ Vor Herausforderungen steht Kleinhans allemal. Zunächst werde er vor Ort mit den Mitarbeitern und den Ehrenamtlichen gemeinsam überlegen, was in der Krise getan werden kann – auch im Hinblick auf Weihnachten. „Wir haben ja hauptsächlich kleine Dorfkirchen. Es kann nicht sein, dass nur die ersten 50 Leute, die anrufen, an der Christmette teilnehmen dürfen und der Rest würde leer ausgehen.“ Dennoch ist Manuel Kleinhans optimistisch: 

„Corona bietet die Möglichkeit, kreativ zu werden. Würden wir nicht in der Pandemie stecken, würde ich wohl voll in das bestehende Programm einsteigen und erst mal alles so machen, wie es halt immer schon war. Das ist jetzt anders.“ So in sich ruhend und dem Glauben verbunden, wie Kleinhans während des Gesprächs wirkt, könnte man meinen, der Beruf des Priesters sei ihm in die Wiege gelegt worden. Doch lag seine Arbeit viele Jahre nicht im Dienst des Herrn, sondern dem der Musik. 

„Ich habe früher im Abituralter gedacht, dass ich beruflich Musik machen möchte, also dass ich Dirigent werden will.“ Die Aufnahmeprüfung für die Musikhochschule schaffte Kleinhans und studierte letztlich das Klavier und das Dirigieren. „Währenddessen habe ich dann aber gemerkt, dass das doch nicht das Einzige ist, womit ich mich im Leben beschäftigen möchte“. 

Das anfängliche Interesse für den Glauben und die Theologie findet seinen Ursprung im Aufwachsen in einer lebendigen Pfarrei-Jugend in München Kleinhadern. Als Schlüsselerlebnis beschreibt er den Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005. „Da habe ich zum ersten Mal verstanden, dass die Kirche eine weltweite Kirche ist und dass das, was wir hier erleben, auch nur ein kleiner Ausschnitt ist von dem großen Ganzen“, erinnert sich Manuel Kleinhans zurück. Einige Jahre später entschied er sich dazu, Priester zu werden. „Es war nicht so, dass ich von einem Tag auf den anderen gesagt habe: ‚Jetzt will ich Priester werden‘. Aber es ist im Endeffekt so gekommen.“ 

Es seien mehrere Strömungen zusammengelaufen. Denn auch die Reise während des Theologiestudiums, das Kleinhans an das Musikstudium anschloss, war ebenfalls ein Stein, der zu der letztlichen Entscheidung beitrug. „Um mich zur Halbzeit meines Theologiestudiums noch mal ein bisschen auf mich zurückzubesinnen, bin ich für ein halbes Jahr nach Jerusalem gereist. Wenn man dann raus fährt in das Westjordanland, gibt es schöne Orte, wo es wirklich absolut ruhig und absolut still ist.“ 

Rasch ergänzt Kleinhans: „Aber man darf sich das jetzt nicht als einzigartige Erleuchtung vorstellen. Es waren mehrere Bausteine.“ Nun aber ist der 36-Jährige angekommen. Bei sich und dem Herrn. Während seiner Arbeit erlebte er immer wieder kleinere Wunder. Kleinhans sagt, ein Wunder trete dann ein, wenn man es nicht herbei führe. So auch, als er einer älteren Dame die Krankensalbung spendete. 

„Die Dame hatte schon unzählige Krankenhausaufenthalte hinter sich und betonte, dass sie nicht mehr wollte. Als ich das Fläschchen Öl öffnete und mit der Salbung von Händen und der Stirn begann, war sie plötzlich so von dem Geruch des Öls, das mit Zimt versetzt ist, erfüllt worden. Ich saß noch eine Weile neben ihr. Sie war nur noch voller Dankbarkeit und Erfüllung – und das in ihrer Situation, in der sie den Lebenswillen eigentlich schon aufgegebenen hatte“. 

Nach einem Moment des Innehaltens fährt Manuel Kleinhans fort: „Das sind Erlebnisse, die passieren einfach. Das ist ein Geschenk“. Für die Bürger in Aying und Höhenkirchen will Kleinhans da sein. „Wobei ich nur das Medium bin. Ich bin ja nicht der Erlöser“, sagt er. Denn gerade in den größeren Ballungsgebieten sei das Problem verankert, dass man zwar viel unter Menschen sei, aber selten jemanden findet, mit dem man mal über etwas Ernstes reden könne. 

Spreche man die Dinge aus, sei dies allein schon befreiend. Das heiße nicht, die Probleme seien aus der Welt geschaffen, aber der erste Schritt sei getan. „Man darf sich natürlich nicht einbilden, dass man auf alles die Antwort hat. Manchmal ist es auch angebracht mal nichts zu sagen. Das oft die einzig richtige Antwort – das Schweigen“. 

Melanie Schröpfer

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