Pardeller: „Man lebt mehr nach dem Terminkalender"

Neubibergs neuer Bürgermeister Thomas Pardeller über die ersten Monate im Amt

Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) leitet seit Mai diesen Jahres das Neubiberger Rathaus.
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Bürgermeister Thomas Pardeller (CSU) leitet seit Mai diesen Jahres das Neubiberger Rathaus.

Neubiberg – Im Mai trat Thomas Pardeller mit 32 Jahren als jüngster Bürgermeister im Landkreis München in Neubiberg sein Amt an. Fast fünf Monate später blickt er im HALLO-Interview auf die Herausforderungen der ersten Monate zurück.

Herr Pardeller, Ihre ersten 100 Tage im Amt hatten Sie schon Anfang August erfolgreich gemeistert. Welche Aufgaben gefallen Ihnen bei Ihrer neuen Arbeit am meisten

Es ist schwer eine konkrete Sache zu nennen, denn die Arbeit ist so vielfältig. Es macht mir richtig Spaß, meine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben. Bisher macht mir alles Freude. Aber schade finde ich, dass im Moment Corona-bedingt Repräsentationsaufgaben nicht stattfinden können. Dadurch leidet der direkte Kontakt zu den Bürgern.

Dafür können Sie – bedingt – wieder im Rathaus mit den Bürgern in Kontakt treten. Durften Sie denn bereits ein Traumpaar trauen? 

Ja, eine Trauung hatte ich bereits, ein Freund von mir. Das war schon ein Highlight. Ich will schauen, dass ich ab und an eine Trauung mache, wenn es passt und die Bürger es auch wollen.

Ihre erste Trauung – das war sicher auch aufregend oder? 

Ich glaube das Brautpaar war aufgeregter als ich (lacht). Aber ein bisschen aufgeregt ist man da natürlich schon. Es ist auf jeden Fall eine ganz andere Situation als Verwaltungschef zu sein.

Als solcher haben Sie Anfang Mai – inmitten der Corona-Pandemie – das Amt angetreten. Es hätte keinen schlechteren Zeitpunkt geben können, oder? 

Naja, es war natürlich viel Krisenmanagement die vergangenen Monate gefragt und das ist es jetzt auch wieder. Wir bereiten uns als Gemeinde auf eine zweite Welle vor, damit wir nicht böse überrascht werden. Vieles ist jetzt natürlich anders als normalerweise, zum Beispiel Besprechungen und Veranstaltungen, die nicht stattfinden können.

Können Sie diesem ungewöhnlichen Amtsbeginn denn auch etwas Positives abgewinnen? 

Die Kehrseite davon, dass die Repräsentationstermine wegfallen, ist die freie Zeit am Wochenende. Diese konnte ich dafür nutzen, mich besser in die internen Arbeitsabläufen einzuarbeiten.

Seit dem Amtswechsel laufen die Gemeinderatssitzungen sehr harmonisch ab. Ist das auch ein positiver Nebeneffekt der Pandemie? 

Ich würde nicht sagen, dass das nur an Corona liegt, aber gerade am Anfang war allen bewusst, dass wegen der besonderen Situation an einem Strang gezogen werden muss. Es herrscht ein offenes, ehrliches und sachliches Miteinander. Man spürt bei allen den Wunsch, gemeinsam etwas vorwärts zu bringen. Die allseitige Kompromissbereitschaft trägt dazu bei, dass man durchaus gemeinsam Konsens finden kann. Wichtig ist denke ich auch der regelmäßige Austausch durch Bürgermeister-Runden und Fraktionssprechertreffen. So können im Vorfeld der Sitzung schon Konfrontationen aus dem Weg geräumt werden.

Denken Sie, das gute Miteinander bleibt bestehen? 

Ich hoffe es. Das ist ein lebender Prozess. Ich denke Kommunikation ist das wichtigste. Sicherlich wird es nicht immer einstimmig laufen, muss es auch nicht. Aber bei großen wichtigen Themen wünsche ich mir, dass wir das mit großer breiter Mehrheit vorwärts bringen.

Wie ist es für Sie nach zwölf Jahren im Gemeinderat „auf der anderen Seite“ zu sitzen? 

Man vergleicht tatsächlich. Und es ist schon anders. Man leitet die Sitzung, moderiert das ganze. Man muss über Stunden hinweg hochkonzentriert sein und alles im Blick haben. Es ist eben eine andere Perspektive. (Überlegt) Vielleicht läuft es auch derzeit so gut, weil ich weiß, wie es sich als Gemeinderat angefühlt hat. Ich mache jetzt das, was ich mir als Gemeinderat selbst gewünscht hätte.

Wie viele Stunde hat für Sie eine typische Arbeitswoche? 

Eine klassische Arbeitswoche in dem Sinn gibt es nicht. In so einer Gemeinde kommen über den Tag auch mal kurzfristig Themen auf, die sofort bearbeitet werden müssen. Dann sitzt man auch mal abends länger. Und als Bürgermeister ist man eigentlich rund um die Uhr im Einsatz, am Handy muss ich immer erreichbar sein. Aber ich würde schätzen um die 50 - 60 Stunden in der Woche.

Wie hat sich Ihr Privatleben durch das neue Amt verändert? 

Man lebt mehr nach dem Terminkalender. Wenn ich mal was Privates mache, muss ich mir den Termin eintragen. Das ist eine neue Erfahrung für mich. Sonst bin ich nach wie vor der Gleiche.

Werden Sie nun auch häufiger auf der Straße oder beim Einkaufen angesprochen? 

Man wird schon erkannt auf der Straße. Ich wohne nicht weit weg vom Rathaus und gehe zu Fuß zur Arbeit. Da werde ich öfter angesprochen, aber ich finde das ganz angenehm, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Auf jede Frage habe ich natürlich nicht immer eine Antwort parat, aber da ist es auch in Ordnung, diese dann nachzuliefern.

Eine dieser Frage könnte sein, wie es um Neubibergs Zukunft steht. Bereitet Ihnen diese Sorgen? 

Sorgen würde ich so nicht sagen. Ich glaube wir haben eine gute Zukunft vor uns, wenn es uns gelingt die wichtigen Themen anzupacken. Dazu gehören vor allem Mobilität, Umweltschutz, soziale Balance und Investitionen in Bildung und Betreuung.

Das muss auch finanziert werden. Wie sieht es mit dem Gewerbesteuereinnahmen aus? 

Wir müssen schauen, dass es unseren Gewerbesteuerzahlern hier am Ort gut geht und dann müssen wir uns überlegen, wie wir attraktiv für neues Gewerbe sein können. Da schauen wir natürlich, welches Gewerbe gut zu uns passt. Wir sind bereits Hightech- und Uni-Standort. Darauf aufzubauen wäre sicherlich gut.

... zum Beispiel im Kapellenfeld? 

Das Thema Kapellenfeld muss man sich anschauen. Ich bin der Überzeugung, dass man erst einmal das Thema Frischluft klären muss. Ich bin mir sicher, das Ergebnis ist am Ende nicht schwarz oder weiß. Wenn wir dort etwas umsetzen, dann muss es ein Vorzeigeprojekt geben. Eine Entwicklung in Balance zwischen Ökologie und Ökonomie. Vielleicht kann man am Ende des Tages zeigen, dass für den ganzen Raum eine Entwicklung entsteht, durch die es letztlich sogar eine Aufwertung gibt trotz Bebauung. Das Thema ist im Kommunalwahlkampf sehr hochgekocht und man muss hier erstmal auf eine Sachebene wieder runterkommen. Eine Bebauung wird sich auf jeden Fall den Vorgaben für den Umweltschutz beugen müssen. Und ich finde es wichtig, dass sich alle zusammensetzen und gemeinsam klären, wo geht die Reise hingehen soll.

Auch für die Verwaltungsmitarbeiter ist der Amtswechsel nach zwölf Jahren unter Günter Heyland eine Umstellung. Wären Sie denn gerne selbst ihr Chef? 

(lacht) Das ist natürlich eine schwierige Frage. Da müssten Sie die anderen fragen, man nimmt sich selbst anders wahr. Mir ist wichtig ist, dass die Mitarbeiter immer zu mir kommen können. Klar ist es eine Umstellung, jeder hat seinen eigenen Führungsstil. Bisher lief es wirklich gut, wir sind ein gutes Team im Rathaus.

Interview: Iris Janda

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